Sattes Übergangsgeld
Der vergoldete Abschied der Bundestags-Ausscheider

Die Bundestagswahl hat mehr als 200 Polit-Karrieren beendet. Abgewählten Parlamentariern winkt ein lukratives Übergangsgeld. Zu hoch, findet der Steuerzahlerbund und fordert eine Korrektur des vergoldeten Abschieds.
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BerlinDer Bund der Steuerzahler fordert eine Reform des gesetzlich festgelegten Übergangsgeldes für Abgeordnete, die aus dem Bundestag ausscheiden. Zwar habe das Übergangsgeld eine gewisse Funktion, da Abgeordnete keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben, heißt es in der noch unveröffentlichten Oktober-Ausgabe des Mitgliedermagazins des Verbands „Der Steuerzahler“. „Aber eine Kandidatur geschieht immer sehenden Auges und damit auch das Risiko einer Abwahl.“ Politik sei und bleibe „kein Garantiegeschäft“. Daher sei grundsätzlich ein Übergangsgeld von maximal zwölf Monaten „völlig ausreichend“, heißt es in dem Handelsblatt Online vorliegenden Text.

Nach den derzeit geltenden Regeln erhalten Abgeordnete, die aus dem Bundestag ausscheiden, zunächst ein Übergangsgeld – für jedes Jahr der Mitgliedschaft einen Monat, höchstens eineinhalb Jahre. Es soll den beruflichen Wiedereinstieg absichern. Das Übergangsgeld ist so hoch wie die Abgeordnetendiät, derzeit 8.252 Euro. Langzeitabgeordnete können so laut Steuerzahlerbund nach ihrem Ausscheiden bis zu 150.000 Euro kassieren. Allerdings werden ab dem zweiten Monat alle Erwerbs- und Versorgungseinkünfte auf das Übergangsgeld angerechnet.

Kritisch sieht der Steuerzahlerbund insbesondere die Übergangsversorgung für Politiker, die nicht durch Abwahl bei der Bundestagswahl den Parlamentsbetrieb verlassen müssen. Konkret geht es um Ausscheider, die aus Altersgründen nicht mehr angetreten sind, sich aus der Bundestagspolitik aus anderen Gründen verabschieden wollten oder zwangsweise von ihren Parteien bereits vor Monaten bei der Kandidatenaufstellung keine vermeintlich sicheren Listenplätze mehr erhalten haben.
„Auch diese jetzigen Ex-Abgeordneten haben einen pauschalen Anspruch auf Übergangsgeld, obwohl es eigentlich unnötig ist, denn ihnen war lange bewusst, dass sie ausscheiden“, schreibt der Steuerzahlerbund. „Hier muss über eine Korrektur der Leistungshöhe und der Ansprüche gestritten werden, um nicht mit einerlei Maß bei verschiedenen Problemlagen zu messen.“

Der Verband weist zudem darauf hin, dass die Kosten für das Übergangsgeld der jetzt ausgeschiedenen Bundestagsabgeordneten deutlich zu niedrig angesetzt sind. „Für 2013/2014 taxiert der Bundestag bisher Kosten von 8,5 Millionen Euro. Doch mit dem Wissen, dass jetzt 219 Abgeordnete abgewählt wurden, sind wohl eher mindestens zwölf Millionen Euro angezeigt.“

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  • Die meisten dieser Nullen sind sicherlich nicht in der Lage, einen drei Mann Betrieb unter Marktwirtschaftlichen Bedingungen erfolgreich zu führen.
    Haben keinerlei Verantwortung zu tragen und wenn der Karren in den Dreck gefahren ist,oder man keine Lust mehr hat,schmeißt man den Bettel hin und wird ein Leben lang fürstlich versorgt.
    Mfg. Fritz Huber

  • ES ist schon ziemlich wirderwärtig, wie hier populistische Stammtischparolen gepostet werden.
    Meiner Meinung nach verdienen Bundestagsabgeordnete deutlich zu wenig! Da hat in der Regel ein Geschäftsführer einer kleinen Firma mit 20 Beschäftigten mehr (laut Statistik), und der arbeitet garantiert nicht mehr als ein Abgeordneter.
    Natürlich ist es als normaler Abgeordneter schwierig, wieder in einen anderen Job zu kommen oder eine selbstständige Tätigkeit wieder aufzunehmen, wenn man 4, 8 oder 12 Jahre aus dem Geschäft war.
    Und bitte jetzt nicht Beispiele wie Herrn Schröder bringen, der war ja nun kein "Hinterbänkler", sondern Kanzler.
    Also gebt den Abgeordneten mehr Geld und mehr Mitarbeiter, und die Neid-Diskussion kann ja mal beendet werden: denn im Gegensatz zu anderen Jobs, wo es vielleicht bestimmte formale Qualifikationsvoraussetzungen gibt, kann ja jeder Anstrengungen unternehmen, sich wählen zu lassen.

  • Hat nicht die FDP von Mövenpick eine Million Euro Spende bekommen? Und was ist mit Gauselman? Warum gehen hier die Journalisten nicht nach?
    Gerade das Handelsblatt? Ich will nicht im Dunklen sitzen.

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