„Schädlich und ineffizient“
Ökonomen geißeln schwarz-rote Mindestlohn-Pläne

Die SPD hat einen generellen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zur Bedingung für Schwarz-Rot gemacht. Dass die Union sich darauf einlassen will, sorgt bei Experten für Kopfschütteln.
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BerlinDer Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hat eindringlich vor der Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns gewarnt. „Ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn ist beschäftigungsschädlich und verteilungspolitisch ineffizient. Die Politiker aller Parteien sollten das wissen“, sagte Hüther Handelsblatt Online. „Doch nichts ist offenkundig beharrlicher, als eine einmal zurecht gelegte Ideologie.“

Die von der SPD in einer Großen Koalition mit der Union geplante Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde soll nach dem Willen von SPD-Chef Sigmar Gabriel in Ost- und Westdeutschland gleich hoch sein. Für die Koalitionsverhandlungen, die am Mittwoch beginnen sollen, scheint die Einführung eines Mindestlohns abgemachte zu sein, zumal sich führende Unions-Politiker, darunter der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), bereits offen dafür ihre Sympathie bekundet haben.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin und SPD-Vizechefin Hannelore Kraft sagte zudem in einem Interview der „Rheinischen Post“: „CDU/CSU wissen, dass wir am Ende keinen Koalitionsvertrag unterschreiben ohne einen gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro.“

IW-Chef Hüther prophezeite bei einer staatlich verordneten Lohnhöhe von 8,50 Euro Beschäftigungsverluste. „Empirische Analysen für Deutschland ergeben, dass sich der Mindestlohn im ostdeutschen Bauhauptgewerbe und im gesamtdeutschen Dachdeckerhandwerk negativ auf die Beschäftigung ausgewirkt hat“, sagte er. 56 Prozent der internationalen Studien belegten zudem einen negativen Effekt des Mindestlohns auf den Arbeitsmarkt, in nur neun Prozent der Studien sei eine positive Wirkung festzustellen. „Der Glaube, ein gesetzlicher Mindestlohn führt nur zu einer Umverteilung zugunsten der Beschäftigten ist unbegründet“, betonte Hüther. „Aber selbst dann würde die Schmälerung der Gewinne oder die Erhöhung der Preise negative Zweitrundeneffekte für die Volkswirtschaft auslösen.“

Ein Mindestlohn eignet sich aus Sicht Hüthers auch nicht als „Anti-Armutsinstrument“. Nicht einmal ein Fünftel der Niedriglohnempfänger mit einem Stundenlohn von unter 8,50 Euro sei arm. Denn die meisten lebten mit Partnern zusammen, die ein höheres Einkommen beziehen. Häufig verdiene die Frau nur etwas zum Verdienst des Partners hinzu, erläuterte der IW-Chef. „Ein Mindestlohn würde also vielen helfen, die gar nicht bedürftig sind.“

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Geringe Arbeitszeit ist auschlaggebender als geringer Lohn

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  • Der Herr Hüther sollte mal in sich gehen, und überlegen ob er immer richtig liegt.
    Die einen Experten sagen so, und die anderen sagen so.
    Warum setzen die ganzen Experten sich nicht einmal zusammen, und diskutieren die Themen mal durch. Dann sollten sie zu einem Ergebnis kommen, und es sollte endlich mal gehandelt werden.
    Über eines sind sich doch alle einig, da braucht man doch kein Experte zu sein, so kann es in Deutschland nicht mehr weiter gehen. Hungerlöhne = niedrige Rente. Kaufkraftverlust etc.
    Wann wird diese Regierung CDU/CSU endlich mal in die richtigen Bahnen gelenkt.
    Der Wähler hat es nicht erreicht.
    SPD wird sich auch abnutzen.
    Experten reden auch nur rum.
    Ist es denn nicht tatsächlich so, dass alle Politiker und Experten nur noch Handlager des Kapitals sind.
    Oben hält man die Leute bei Laune, und unten versucht man die Menschen still zu halten.
    Die ganze Politik trägt keine eigene Handschrift mehr, Arbeit fürs Wohle des Volkes ist nur eine Phrase.
    Den Rest gibt die Überforderung im Bau eines gemeinsamen Europas.

  • ich kann Reiff nur zustimmen. Was für ein einseitig dümmlicher Artikel. Welche Schlussfolgerungen sollen wir also ziehen?
    Schwarzarbeit als Maß für gesellschaftspolitische Entscheidungen?
    Und Entscheidungen immer hart an der Armutsgrenze ausrichten?
    Nicht nachvollziehbar, dass das so die Redaktion ihres Blattes passieren kann.

  • Die Überschrift ist irreführend. Viele Ökonomen sind für Mindestlöhne. Nur eine Variante der Ökonomie, die neoklassische Theorie spricht sich gegen Mindestlöhne aus. Deren Basisdogma, dass der Lohn die Grenzproduktivität der Arbeit abbilde, dass also niedrige Löhne ein Zeichen niedriger Produktivität der Arbeitskraft sei, ist weder theoretisch konsistent noch empirisch bestätigt. In arbeitsteiligen Prozessen lässt sich die Wertschöpfung einer einzelnen Arbeitskraft nicht eindeutig identifizieren. Deshalb wird diese Sicht von anderen Ökonomen auch theoretisch kritisiert. Inzwischen kennen wir auch im deutschen Sprachraum genügend empirische Untersuchungen, die die Behauptung von der Arbeitsplatzvernichtung durch Mindestlöhne falsifizieren. Insofern müssen wir die Zunft der Ökonomen auch vor diesem Behauptungen, die Ökonomen seien gegen Mindestlöhne, schützen. Nicht alle Ökonomen glauben dieses Dogma vom Lohn als Resultat der Grenzproduktivität des Lohnes.

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