Serie „Wir sind die Neuen“
Ein 22-Jähriger fordert den Kanzlerkandidaten

Moritz Körner studiert Sozialwissenschaften – und tritt als FDP-Bundestagskandidat im Wahlkreis von Peer Steinbrück an. Der Student pendelt von Seminaren zu Parteitagen und muss sich häufig gegen Klischees wehren.
  • 14

MettmannStühle werden hin und her geschoben, die Parteimitglieder rücken zusammen und gucken sich erwartungsvoll um. Der heutige Gast wird vor der größten Runde sprechen, die der FDP-Ortsverband Monheim seit langem gesehen hat: „Zwölf Leute, das ist ja Wahnsinn“, sagt Ulrich Anhut, der Ortsverbandsvorsitzende. Er strahlt. Eine große Ehre sei es, den liberalen Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Mettmann I heute in den eigenen Reihen begrüßen zu dürfen, bekundet Anhut. Der Ehrengast heißt Moritz Körner. Er ist 22 Jahre alt, Student der Sozialwissenschaften und Teilzeit-Hoffnungsträger. Sein Wahlkreis-Gegner: Peer Steinbrück.

Doch von der Versammlung des kleinsten Ortsverbands des Wahlkreises scheint Steinbrück Lichtjahre entfernt zu sein. Hier geht es für Moritz Körner erst einmal darum, sich zu präsentieren. Vor Ort sein, freundlich lächeln, Reden halten. Die Termine dieser Art häufen sich zunehmend für den Nachwuchspolitiker.

„Lieber Vorsitzender, liebe Parteifreunde“, beginnt Körner, der mit Abstand jüngste am Tisch, und alle lauschen andächtig. Körners Kopf wendet sich mit vor Eifer geröteten Wangen unaufhörlich hin und her, sein fester Blick fixiert jeden Einzelnen. Der junge Politiker sitzt aufrecht, der rechte Arm dirigiert seine Worte. Auch sein linker Fuß wippt mit, wenn er Dinge sagt, die ihm besonders wichtig sind: Der Schuldenberg, auf dem unsere Kinder nicht spielen können! Die rot-grüne Bevormundungshand! Die Erfolge der schwarz-gelben Bundesregierung!

Nach der Rede: Donnerndes Klopfen von zwölf Fäusten auf dem schweren Holztisch. So wirft der Wahlkampf seine Schatten voraus. Im Sommer wird Moritz Körner Politiker mit dem Hobby Studium sein, im Moment trifft man ihn allerdings noch häufiger an der Düsseldorfer Universität an. Bei einer Tasse Kaffee erinnert er sich hier zurück an seine Anfänge bei der FDP im Jahr 2008.

„Ich wollte eigentlich nur ein bisschen mitmachen“, erklärt er fast entschuldigend und zuckt vorsichtig mit den Schultern, um das Getränk in seiner Hand nicht zu verschütten. Unzählige Studis lärmen in der Pause zwischen zwei Seminarblöcken am Kaffeeautomaten vorbei. Sie nehmen keine Notiz vom Langenfelder, in der Uni-Cafeteria ist er ein Sowi-Student unter vielen. Nur Eingeweihte wissen um sein Doppelleben.

Einfach ein bisschen mitmachen, das tut Körner nämlich längst nicht mehr – falls er es jemals überhaupt getan hat. 2008 belebte er persönlich seinen eingeschlafenen JuLi-Kreisverband neu. „Liberale Eigenverantwortung halt“, sagt er und grinst. Es ging steil bergauf, plötzlich war er stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender, dann JuLi-Landesvorsitzender. Jetzt steht er ganz oben: Im Wahlkampf gegen den Kanzlerkandidaten.

Peer Steinbrück wird nur als Schattenkandidat über dem Regionalwahlkampf schweben. Abgesehen von einer Podiumsdiskussion kurz vor der Wahl wird der Kanzlerkandidat für die meisten anderen Termine wohl keine Zeit haben. Schließlich hat Steinbrück ja im Gegensatz zu Körner eine wichtigere Mission, als nur einen Wahlkreis zu gewinnen.

Seite 1:

Ein 22-Jähriger fordert den Kanzlerkandidaten

Seite 2:

„Der ist bei der FDP – aber trotzdem nett!“

Kommentare zu " Serie „Wir sind die Neuen“: Ein 22-Jähriger fordert den Kanzlerkandidaten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schon wieder ein "Sozialwissenschaftler", der nicht mal die Eierschale seiner Geburt abgeworfen hat und in den Bundestag möchte!

    Möchte, aber nicht hinkommt!

    Solche "Fachkräfte" braucht unser Land nicht, davon haben wir schon mehr als genug!

    Die FDP ist eine aussterbenede Spezies!

    Die AfD kommt!

  • Steinbrück zu schlagen, dürfte dem jungen Mann nicht schwer fallen.

  • Wer im September nicht die AFD wählt ist selber Schuld . Egal nun ob es etwas bringt oder nicht. Die SPDCDUGRÜNEFDP....usw. Wählen ist eh nicht mehr zu helfen und verdienen es dann auch nicht anders.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%