Serie „Wir sind die Neuen“ Ein 22-Jähriger fordert den Kanzlerkandidaten

Moritz Körner studiert Sozialwissenschaften – und tritt als FDP-Bundestagskandidat im Wahlkreis von Peer Steinbrück an. Der Student pendelt von Seminaren zu Parteitagen und muss sich häufig gegen Klischees wehren.
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Moritz Körner (FDP) tritt wie Peer Steinbrück (SPD) in Mettmann an. Quelle: Marius Hoppe

Moritz Körner (FDP) tritt wie Peer Steinbrück (SPD) in Mettmann an.

(Foto: Marius Hoppe)

MettmannStühle werden hin und her geschoben, die Parteimitglieder rücken zusammen und gucken sich erwartungsvoll um. Der heutige Gast wird vor der größten Runde sprechen, die der FDP-Ortsverband Monheim seit langem gesehen hat: „Zwölf Leute, das ist ja Wahnsinn“, sagt Ulrich Anhut, der Ortsverbandsvorsitzende. Er strahlt. Eine große Ehre sei es, den liberalen Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Mettmann I heute in den eigenen Reihen begrüßen zu dürfen, bekundet Anhut. Der Ehrengast heißt Moritz Körner. Er ist 22 Jahre alt, Student der Sozialwissenschaften und Teilzeit-Hoffnungsträger. Sein Wahlkreis-Gegner: Peer Steinbrück.

Doch von der Versammlung des kleinsten Ortsverbands des Wahlkreises scheint Steinbrück Lichtjahre entfernt zu sein. Hier geht es für Moritz Körner erst einmal darum, sich zu präsentieren. Vor Ort sein, freundlich lächeln, Reden halten. Die Termine dieser Art häufen sich zunehmend für den Nachwuchspolitiker.

„Lieber Vorsitzender, liebe Parteifreunde“, beginnt Körner, der mit Abstand jüngste am Tisch, und alle lauschen andächtig. Körners Kopf wendet sich mit vor Eifer geröteten Wangen unaufhörlich hin und her, sein fester Blick fixiert jeden Einzelnen. Der junge Politiker sitzt aufrecht, der rechte Arm dirigiert seine Worte. Auch sein linker Fuß wippt mit, wenn er Dinge sagt, die ihm besonders wichtig sind: Der Schuldenberg, auf dem unsere Kinder nicht spielen können! Die rot-grüne Bevormundungshand! Die Erfolge der schwarz-gelben Bundesregierung!

Nach der Rede: Donnerndes Klopfen von zwölf Fäusten auf dem schweren Holztisch. So wirft der Wahlkampf seine Schatten voraus. Im Sommer wird Moritz Körner Politiker mit dem Hobby Studium sein, im Moment trifft man ihn allerdings noch häufiger an der Düsseldorfer Universität an. Bei einer Tasse Kaffee erinnert er sich hier zurück an seine Anfänge bei der FDP im Jahr 2008.

„Ich wollte eigentlich nur ein bisschen mitmachen“, erklärt er fast entschuldigend und zuckt vorsichtig mit den Schultern, um das Getränk in seiner Hand nicht zu verschütten. Unzählige Studis lärmen in der Pause zwischen zwei Seminarblöcken am Kaffeeautomaten vorbei. Sie nehmen keine Notiz vom Langenfelder, in der Uni-Cafeteria ist er ein Sowi-Student unter vielen. Nur Eingeweihte wissen um sein Doppelleben.

Einfach ein bisschen mitmachen, das tut Körner nämlich längst nicht mehr – falls er es jemals überhaupt getan hat. 2008 belebte er persönlich seinen eingeschlafenen JuLi-Kreisverband neu. „Liberale Eigenverantwortung halt“, sagt er und grinst. Es ging steil bergauf, plötzlich war er stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender, dann JuLi-Landesvorsitzender. Jetzt steht er ganz oben: Im Wahlkampf gegen den Kanzlerkandidaten.

Peer Steinbrück wird nur als Schattenkandidat über dem Regionalwahlkampf schweben. Abgesehen von einer Podiumsdiskussion kurz vor der Wahl wird der Kanzlerkandidat für die meisten anderen Termine wohl keine Zeit haben. Schließlich hat Steinbrück ja im Gegensatz zu Körner eine wichtigere Mission, als nur einen Wahlkreis zu gewinnen.

„Der ist bei der FDP – aber trotzdem nett!“
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14 Kommentare zu "Serie „Wir sind die Neuen“: Ein 22-Jähriger fordert den Kanzlerkandidaten"

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  • Schon wieder ein "Sozialwissenschaftler", der nicht mal die Eierschale seiner Geburt abgeworfen hat und in den Bundestag möchte!

    Möchte, aber nicht hinkommt!

    Solche "Fachkräfte" braucht unser Land nicht, davon haben wir schon mehr als genug!

    Die FDP ist eine aussterbenede Spezies!

    Die AfD kommt!

  • Steinbrück zu schlagen, dürfte dem jungen Mann nicht schwer fallen.

  • Wer im September nicht die AFD wählt ist selber Schuld . Egal nun ob es etwas bringt oder nicht. Die SPDCDUGRÜNEFDP....usw. Wählen ist eh nicht mehr zu helfen und verdienen es dann auch nicht anders.



  • Die LINKE und ihr RESPEKT vor der Kapitalistempartei


    >>Das weist sein Wahlkreiskonkurrent von der Linkspartei, Rainer Köster, zurück: „Ich kenne Herrn Körner persönlich noch nicht und will ihm nichts Böses unterstellen“, beteuert er, nur um im nächsten Satz die „Sozialpolitik nach Gutsherrenart der FDP“ zu kritisieren. <<


    Die "Linkspartei" würde vermutlich lieber mit der kapitalistisch-neoliberalen Partei kooperieren, als mit irgendeiner sozialistisch-engagierten, Kapitalismuskritik aber konservativen Partei.

    Das ist wohl die traurige Wahrheit über die sogenannte "Linkspartei" und ihre soziales Programm.

  • @Koboldo, Ist ihnen in den Sinn gekommen, dass Herr Körner vielleicht einfach qualifiziert genug ist? Um Konfuzius zu zitieren, " Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmung, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste."

  • @bsch96, gegen ein Engagement junger Leute ist überhaupt nichts auszusetzen, da scheinen Sie etwas durcheinander zu bringen und gleichzeitig sehen Sie das auch noch als eine Kritik an den Ideen der Liberalen - Ihre Kritik unterhalb der Gürtellinie ist deshalb selbstredend!
    Was allerdings auffällt ist, dass die Personaldecke der Liberalen so dünn zu sein scheint, dass sie einen solchen unerfahrenen Mann wie Körner mit einem Bundestagsmandat in den Wahlkampf schickt...

  • @Petrovskopulus, mit Verlaub, da gibts noch etwas zwischen Festgefahrenen und Unerfahrenen...
    Meine Erfahrungen mit solchen Jüngelchen, die noch nicht ganz trocken sind hinter den Ohren und glauben, mit ihren Weisheiten die Menschheit missionieren zu müssen, sind durchweg nicht positiv. Meistens liegen Anspruch und Realität weit auseinander. Typisches Beispiel hierfür sind für mich die Piraten, ein chaotischer Haufen mit saturiertem Background...

  • Ich kann das Engagement von Menschen wie Herrn Körner, die sich eine eigene unabhängige Meinung zu bilden und diese auch integer zu vertreten mögen, nur begrüßen. Auch muss sein Schneid, aus einer aussichtslosen genannten Situation heraus dennoch anzutreten und die Strapazen eines Wahlkampfes auf sich zu nehmen, gelobt werden. Weiter so!
    @Koboldo: Ihnen sollte bewusst sein, dass es Liberalen näher liegt, Bürokratie und unnötigen Staatsbetrieb zu verringern, nicht zu vergleichen mit der Regulierungs- und Verwaltungswut der Grünen. Ihr Kommentar ist also nichts weiter als obskurer Müll.

  • Meine Güte, entscheiden Sie sich: entweder es ist die "alte Politikerkruste, die sich nicht bewegt und nur an sich selbst denkt" oder es sind "junge Milchbubis ohne Erfahrung". Schon mal dran gedacht, dass gerade weniger "er- bzw Festgefahrene" Ideen haben, die die Insider nicht sehen? So was nennt sich "Betriebsblindheit", die man damit gut angreifen kann.

  • Ob seine eigene Meinung über den Politikerzirkus schon flöten ging, kann ich zwar noch nicht erkennen, aber hier wäre eine Aufgabe, die der freien Meinungsäußerung, auch und speziell über Relgionen der Welt. Man glaubt es nicht, alles wird gleichgeschaltet, hüben wie drüben. Hier dazu der Link http://www.infowars.com/uk-bans-thought-criminals-for-criticizing-extremist-islam/ - Die Wogen von 9/11 sind offensichtlich noch nicht oder doch schon geglättet, sonst würde in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, außer Kanada und Mexiko, normale Zustände der "freien" Meinungsäußerung nicht beschnitten werden.

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