SPD gegen „Veggieday“
„Jetzt geht es um die Wurst“

Ein fleischloser Tag in deutschen Kantinen? Für die Grünen einen gute Sache. Doch nicht nur SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück distanziert sich von dem Vorschlag – Widerspruch kommt auch aus der Lebensmittelbranche.
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BerlinDie Grünen stoßen mit ihrer Idee eines fleischlosen Tags in den Kantinen nun auch auf massiven Widerstand beim potenziellen Koalitionspartner SPD. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, erteilte für den Fall einer rot-grünen Regierungsübernahme der Grünen-Idee eine klare Absage. „Ich weiß nicht, was die Freunde von den Grünen geritten hat, aber zwischen Werben und Zwang besteht ein unterschied. Kein Gesetzgeber hat mir vorzuschreiben, ob ich fleischlos oder etwas mit Fleisch esse“, sagte Kahrs Handelsblatt Online. „So einen Unsinn wird es mit der SPD nicht geben.“

Jeder Mensch entscheide selbst, wie er sich ernährt. „Man kann Tipps geben, Gefahrstoffe verbieten, aber Gängelung geht nicht“, sagte Kahrs weiter. „Es kann gerne überall auch fleischlose Gerichte geben, aber die Wahlfreiheit muss gegeben sein. Was ich wann esse, entscheide ich selber.“

Nach den Vorstellungen der Grünen soll ein sogenannter Veggieday in den Kantinen einmal in der Woche an die Tradition eines fleischlosen Freitags anknüpfen und die Gesundheit sowie den Tier- und Klimaschutz fördern. Diese Forderung wurde bereits Ende April im Wahlprogramm festgeschrieben. In Rheinland-Pfalz haben sich SPD und Grüne schon 2011 in ihrem Koalitionsvertrag „im Sinne des Klima- und Tierschutzes“ für einen fleischlosen Tag in der Woche ausgesprochen.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück distanzierte sich von seinem Wunschpartner Grüne - mit einem ironischen Satz: „Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es jetzt um die Wurst geht.“ Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Wir sollten in den Kantinen gesündere Kost anbieten und den Fleischkonsum verringern.“ Zwangslösungen seien aber nicht dienlich.

Widerspruch kommt auch von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Wir sind gegen jede Form der Bevormundung“, sagte der Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Fleisch und Wurst gehören zu einer ausgewogenen Ernährung nun einmal dazu.“ Jeder sollte selbst entscheiden, was er esse und worauf er lieber verzichte. In den Kantinen werde am ehesten an der Qualität gespart – auch weil der Staat Catering-Firmen und Kantinen-Anbietern durch den vollen Mehrwertsteuersatz das Leben schwer mache. „Würden diese Unternehmen steuerlich begünstigt, könnten sie stärker auf Qualitätssicherung setzen“, sagte Möllenberg.

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"Ein ganz seltsames Bevormundungsmodell"

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  • @wolfsfreund
    mit verlaub, sie können hier noch soviel schreiben, ellenlang ihre texte posten und ungefragt ihre "weisheiten" abgeben, ich bin fest davon überzeugt, dass interessiert kein mensch und betimmt nicht irgendein schwein!!!

  • "Schächten endlich alternativlos verbieten"

    Richtig!!
    Das wäre im Interesse des Tierschutzes viel wichtiger und sinnvoller als jede weitere bürokratische Schikane gegen die Landwirte, die ohnehin teilweise schon mehr Zeit mit Büro- und Computerarbeit verbringen müssen als im Stall zu sein.

    Aber an das Thema Schächten traut sich der eine Teil der Politik aus...... wohlbekannten Gründen nicht ran, und die Anderen befürworten es wohl sogar!

  • jeder sollte so leben können wie es ihm gefällt, solange er damit niemanden anderes schädigt. Da braucht es keine Verbote sondern Benehmen.
    Ein Beispiel: In der Schweiz stehen 5 Leute auf einem Bahnsteig, einer will rauchen, also geht er 5-6m zur Seite und raucht sich eine. In Deutschland muß der Raucher in ein gelbes Getto und dann kommt noch ein Nichtraucher, stellt sich 1m daneben und beschwert sich über den Raucher. Wer aus welchen Gründen auch immer vegetarisch oder gar vegan leben will, soll dieses von mir aus tun. Wenn er aber anderen die das nicht wollen aufzwingen will, ist er intolerant gegen andersdenkende und somit kein Deut besser als ein Nazi.
    Die Grünen sind eines der schlimmsten Übel, was unsere Gesellschaft befallen hat.Geistig minderbemittelte Heuchler die in Afrika Getreidefelder anlegen für Biokraftstoff, während nebenan alle 5min ein Kind verhungert. Wer wirklich Umweltschutz will müsste sich klar gegen den Kapitalismus bekennen, denn solange es möglich ist mit Umweltverschmutzung Profit zu machen, wird sich auch einer finden der es macht. Waum sollte ich also wegen Co2 auch nur ein Steak weniger essen, wenn gleichzeitig jemand Tausende Tonnen Gift ins Meer schüttet um aus seinen 2 Milliarden Vermögen 3 zu machen

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