SPD-Kanzlerkandidat

Unbekannter erpresst Steinbrück wegen Putzfrau

Peer Steinbrück hat einen anonymen Brief erhalten, in dem er beschuldigt wird, illegal eine Putzfrau beschäftigt zu haben. Die Forderung: Er soll auf die Kandidatur verzichten. Die SPD spricht von einer Schmutzkampagne.
Update: 07.09.2013 - 16:13 Uhr 47 Kommentare
Ehepaar Steinbrück: „Sind nicht erpressbar“ Quelle: dpa

Ehepaar Steinbrück: „Sind nicht erpressbar“

(Foto: dpa)

Berlin/BonnZwei Wochen vor der Bundestagswahl sieht sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit einem Erpressungsversuch konfrontiert. Er sagte am Samstag in Erfurt, dass er Anzeige gegen Unbekannt gestellt und den Erpressungsversuch offengelegt habe. Polizei und Staatsanwaltschaft Bonn ermitteln seit Samstag wegen Nötigung.

Der Erpresser wirft Steinbrück und seiner Frau vor, vor 14 Jahren eine Putzfrau illegal beschäftigt zu haben. Der Täter drohte damit, dies öffentlich zu machen, falls Steinbrück nicht auf seine Kandidatur verzichte. Steinbrück bestritt die anonymen Anschuldigungen, die SPD-Spitze reagierte empört. Zunächst hatte die „Bild“-Zeitung über den Erpressungsversuch berichtet.

Steinbrück sagte nach einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt, er habe Anzeige erstattet, da es sich um einen strafrechtlich relevanten Vorgang handele. Was er und seine Familie bislang im Wahlkampf erlebt hätten, „geht weit über die Belastungen und Auseinandersetzungen hinaus, was man üblicherweise wird wohl akzeptieren müssen. Dass dazu ein Erpressungsversuch gehört, ist jenseits meiner Vorstellungskraft gewesen.“ Diese Attacke werde ihn in seinem Wahlkampf aber nicht beeinflussen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sprach von einer Schmutzkampagne. „Dieser Erpressungsversuch ist bisher der absolute Tiefpunkt in diesem Wahlkampf“, sagte er der „Bild am Sonntag„. Gabriel betonte: „Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen für diese Schmutzkampagne dingfest gemacht und vor Gericht gestellt werden. Die ganze SPD steht hinter Peer Steinbrück und seiner Familie.“

Steinbrücks Ehefrau Gertrud wies die Vorwürfe in der „Bild“-Zeitung ausführlich zurück. Sie und ihr Mann seien Ende der 90er Jahre nach Bonn gezogen. Da sie im Jahr 1999 durch ihren Beruf und den Umzug stark belastet gewesen sei, habe ihre ebenfalls in der Stadt lebende Mutter ihr „zum Einzug geschenkt, dass ihre Putzhilfe für ein halbes Jahr einmal in der Woche bei uns saubermachen sollte“, wird Gertrud Steinbrück zitiert. „Ich zahlte sie für die bei mir abgeleisteten Stunden aus und rechnete das jeweils mit meiner Mutter ab“, hieß es weiter.

Nach Ablauf des vereinbarten halben Jahres wollte Gertrud Steinbrück die Putzhilfe selbst übernehmen. Den angebotenen Arbeitsvertrag lehnte die Frau aber ab, weil ihr Mann seinen Job und die Familie damit den Aufenthaltsstatus verloren hätte. Sie habe nur schwarz arbeiten können, wollte aber wegen ihrer sehbehinderten Tochter in Deutschland bleiben, sagte die Steinbrück-Gattin. Sie fügte hinzu: „Das hat mich sehr berührt. Dennoch habe ich ihr sagen müssen, dass ich sie natürlich nicht "schwarz" beschäftigen könne. Als Trost habe ich ihr 500 DM geschenkt.“

Sie sei sich sicher, „damals sowohl für mich und meine Familie als auch für sie und ihre Familie das Richtige“ getan zu haben. „Dass mein Mann nach 14 Jahren deswegen erpresst wird, ist infam und macht mich fassungslos“, sagte Gertrud Steinbrück weiter.

Steinbrück bestätigte in Erfurt die Darstellungen seiner Ehefrau. Er sagte außerdem, dass in seinem Haushalt in Bonn nach der Ablehnung der Frau, ein festes Arbeitsverhältnis einzugehen, eine bei der Bundesknappschaft angemeldete und sozialversicherte Haushaltsunterstützung beschäftigt sei.

  • dpa
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47 Kommentare zu "SPD-Kanzlerkandidat: Unbekannter erpresst Steinbrück wegen Putzfrau"

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  • Passt zu diesem asozialen Tier. Agenda 2010; Der SPD Wähler ein stures Arschloch welches nichts dazu lernt.
    Der Partei Fuzzi , ein kriminelles Arschloch das bei der konkurrierenden Industrie große Reden schwingt und trotz Alimentieren noch an der Putzfrau sparen muss. Den brauchen wir als Kanzler , damit die Welt versteht was für Abschaum den wählt.
    Nein, stimmt nicht? Haben Sie persönlich so was nötig?
    Fett gefressen bis über die Kotz Grenze hinaus an einer Putzfrau sparen? Vermutlich hat der Spitzenkandidat einer ach so sozialen Partei noch am Lohn gemäkelt.

  • "Verjährung": EX NRW-Minister Steinbrück macht auf "Berlusconi"
    Also - Wenn er sich die schwarz beschäftigte Putzfrau seiner Schwieger-Mutter 1/2 Jahr ausleiht, ist das plötzlich für einen Ex-NRW- und Bundesfinanzminister kein Vergehen? Für einen, der sonst den Mund nicht voll genug bekommt im Kritisieren. Übrigens: Schwarzarbeit in DE verursacht ein Vielfaches an Steuerausfällen als wie Steuerflucht ...

  • Betr.: mein Beitrag um 0.17h
    War doch zu erwarten! Es hat nicht mal einen Tag gedauert, und schon ist das Thema hier von Seite 1 verschwunden worden und nur noch in der eigenen Merkliste zu finden.
    Bei Anderen, z.B. aus Union oder FDP hält man sowas viel länger am Kochen.

  • Ist es denn die Möglichkeit? Wer fährt denn auf so etwas ab? Eine Putzfrau wird vorgeschoben, um eine Wahl zu beeinflussen... Scheinheilige Spießbürger. Pfui Teufel !!!

  • Ach so, Herr Steinbrück, wenn man "sehr berührt" ist, darf man also Schwarzarbeit ermöglichen? Aber nebenbei, das wunderschön konstruierte Märchen, „Putzhilfe zum Einzug geschenkt" und dann trotzdem „für die bei mir abgeleisteten Stunden ausbezahlt" ist ja wohl mehr als hanebüchen. Hält die Mutter die Philipinin etwa als Sklavin und verschenkt sie dann und wann an enge Verwandte zum Putzen? Gabriel wird sich freuen, wenn sie zurücktreten. Nein, nicht ihn, sondern selbst.

  • Ja Gottlieb Schwabe,
    es geht hier aber um die Familie Steinbrück und nicht um andere Leute.
    Das mag zwar für Sie als SPD -Mitglied ärgerlich sein, aber Schwarzarbeit ist eben Schwarzarbeit!

  • Bizarr. Unsere freie Presse lässt sich wie immer als Wahlkampfhelfer der schwarz-gelben Regierung missbrauchen. Beispielsweise die hochgepuschten Artikel über Steinbrücks Vortragseinnahmen. Dass in der Riege der führenden Redner (was Einnahmen angeht) bis auf Steinbrück ausschliesslich schwarz-gelbe Abgeordnete vertreten waren wurde von der freien Presse total ignoriert, obwohl das der eigentliche Skandal ist. Aber in Deutschland wird inzwischen alles dem Mamon geopfert. Selbst das Bundesverfassungsgericht ist nicht mehr frei in seinen Entscheidungen. Die Urteile orientieren sich nicht am Grundgesetz, sondern an der wirtschaftlichkeit der. Der Staat gleicht einem Unternehmen, bei dem korrupte Politiker vor allem das eigene Einkommen und die persönliche Absicherung im Sinn haben.

  • @elly

    kein Kommentar in der Presse!!!Warum wohl???????

    Die Presse gehört zum Berliner Hofstaat und der besteht aus Gleichgesinnten. Die Zeit wo die Presse das Ohr und das Sprachorgan der Bürger war sind vorbei.

    Man hat sich angepasst, Macht und unermessliche Steuern
    die nie versiegen, haben Politiker in die Abhängigkeit getrieben und ein Entzug ist nur durch andere noch schlimmere Abhängige möglich. Die Presse ist nur noch für Zensur und Schmeichelein zuständig.

  • Es wird immer schmutziger, je näher der Wahltermin rückt!

    Vielleicht sollten die Menschen in diesem Land weniger die aufgeheizte Medienlandschaft beachten!

    Ein Fall der 14 Jahre zurück liegt, unbewiesen ist und das wird jetzt hochgepuscht! Warum denn jetzt?

    Für wie dumm wird der deutsche Wähler eigentlich eingestuft! Geht's noch!!!!

    Wenn man hier das Fass aufmachen muss, dann aber mal erst die bewiesenen Vorwürfe z.B. der Verwandtschaftsbeschäftigung in Bayern!
    Alles noch nicht aufgeklärt bzw. nicht bekannt ob und wieviel Geld an den Staat zurück geflossen ist!!!!!!!!

    Dann die Millionen, die von den Abgeordneten im Bundestag zusätzlich verdient werden! Da sind doch sehr viele von der CDU/CSU und FDP dabei, sehr viele!!!!!!!

    Kein Kommentar in der Presse!!! Warum wohl???????

  • Nach Entlassung der schwarz beschäftigten Putzfrau 1999 will Steinbrück die Nachfolgerin bei der Bundesknappschaft angemeldet haben. Pech für ihn: Das Haushaltsscheckverfahren bei der Bundesknappschaft wurde erst 2004 eingeführt. Da fehlen also vier Jahre, die strafrechtlich nicht unbedingt verjährt sind. Ein Fall für die Kavallerie?

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