Titel des „SZ-Magazins“
Ärger um Steinbrücks Stinkefinger

Ein Foto bringt neuen Dampf in den Wahlkampf: Steinbrück posiert mit gestrecktem Mittelfinger. Während er auf den Humor der Nation hofft, hagelt es Proteste vom politischen Gegner. Auch SPD-intern ist der Unmut groß.
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BerlinDie Reaktionen auf Peer Steinbrücks Stinkefinger-Foto auf dem Cover des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“ ließen nicht lange auf sich warten. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt distanzierte sich am Freitag von dem Bild, das den SPD-Kanzlerkandidaten mit ausgestrecktem Mittelfinger zeigt. Die Geste sei wohl Steinbrücks nonverbale Art, Klartext zu sprechen, sagte die Politikerin des SPD-Wunschpartners dem Sender MDR Info. Sie fügte hinzu: „Meine Form wäre das nicht.“ Man wisse nicht ganz so genau, wem Steinbrück den Finger zeige. Sie fühle sich aber persönlich nicht angesprochen, sagte Göring-Eckhardt.
Das umstrittene Foto war im Rahmen der Serie „Sagen Sie jetzt nichts“ entstanden, in der mit Gestik und Mimik auf Fragen geantwortet wird. Steinbrück war in Anspielung auf den holprigen Start seines Wahlkampfes gefragt worden: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“ Daraufhin zeigte er den so genannten Stinkefinger.


Der SPD-Kandidat verteidigte die Geste am Donnerstagabend - und hofft auf den Humor der Menschen im Land. „Da werden einem Fragen gestellt, die man übersetzt in Gebärden, in Grimassen, in Emotionen“, sagte Steinbrück am Rande einer SPD-Kundgebung in München über die besondere Interviewform des Magazins. „Das schauspielert man dann. Und ich hoffe, dass die Republik auch den Humor hat, dann diese Grimassen und diese Gebärdensprache bezogen auf die Fragen richtig zu verstehen.“ Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass das Magazin dieses Foto auf den Titel nehmen wolle, sagte Steinbrück: „Nein.“

Laut Magazin wollte sein Sprecher die Stinkefinger-Pose in dem „Sagen Sie jetzt nichts“-Interview, bei dem die Antworten in Form von Fotos gegeben werden, nicht freigeben - aber Steinbrück habe gemeint: „Nein, das ist okay so“. Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre zur Raute geformten Hände zum Markenzeichen erkoren hat, setzt Steinbrück nun per Stinkefinger auf eine andere Gestik. Er inszeniert sich damit einmal mehr als ein Rock'n'Roller der Politik („Bei mir rockt es“) - aber sollte es mit dem Kanzlerjob noch etwas werden, könnte ihn so ein Bild verfolgen.

SPD-intern löste die „Stinkefinger“-Geste großen Unmut aus. Und auch Berichte über mögliche Zukunftspläne des SPD-Kanzlerkandidaten lösten Kritik aus. Die SPD kämpfe bis zur Schließung der Wahllokale am 22. September „geschlossen und entschlossen für den rot-grünen Politikwechsel und die Abwahl der miserablen Merkel/Rösler-Regierung. Alle anderen Aufgeregtheiten über  Interviews, Fotos, Personalspekulationen oder demoskopische Kaffeesatzleserei leisten nur eines: Sie behindern die Kampfkraft und Konzentration auf das wesentliche, nämlich möglichst viele Wählerinnen und Wähler noch davon zu überzeugen, beide Stimmen für die SPD abzugeben“, sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand, Ralf Stegner, Handelsblatt Online.

„Die Basis der SPD, die geschlossen wie nie für unser seit Jahrzehnten bestes Regierungsprogramm kämpft, hat null Verständnis für solche Aufgeregtheiten“, sagte Stegner weiter. „Alle, die statt für den gemeinsamen Erfolg zu kämpfen jetzt über ihre persönlichen Perspektiven im Falle des Misserfolgs nachdenken, setzen die falsche Priorität‘, fügte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein hinzu.

Scharfe Kritik kam auch von der CDU: Die Geste zeige, dass Steinbrück „charakterlich nur eingeschränkt geeignet“ sei für politische Führungsämter, sagte der CDU-Politiker Steffen Kampeter dem RBB Inforadio. Der SPD-Politiker sei ein „guter Sprücheklopfer“, aber in den „Extremsituationen, in denen man als Bundeskanzler tätig sein muss, muss man wissen, dass man in jeder Sekunde auch die Bundesrepublik Deutschland vertritt“.
Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach wertete die Geste als Hinweis, dass Steinbrück schon aufgegeben hat. „Wer sich kurz vor der Wahl so präsentiert, will doch gar nicht Kanzler werden", sagte Bosbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

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Ärger um Steinbrücks Stinkefinger

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„Steinbrück ist eine coole Sau“

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  • (o:) Da isser ja wieder! (o:)

  • http://sexy.bilder-speicher.de/13091305758826/foto/peer-hats-dauf.html

  • Bekanntlich lassen sich von der Länge des Mittelfingers Rückschlüsse auf andere körperliche Merkmale ziehen. Ob das der Grund ist, daß sich gerade die kleine Garde der männlichen politischen Gegner so echauffiert ?

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