Trittin, Roth & Co.
Die Generation Grün tritt ab

Nach dem Wahldebakel der Grünen soll in der Partei alles anders – und vor allem jünger werden. Die Parteigrößen wollen sich nicht zur Wiederwahl stellen. Die ersten Bewerber für die freiwerdenden Jobs heben die Hand.
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BerlinNun also auch Jürgen Trittin. Auch er zieht die Konsequenzen aus dem Wahldebakel und will nicht mehr zur Wahl des Fraktionsvorsitzenden der Partei stellen, ebenso wie seine Kollegin Renate Künast. „Wir müssen uns neu aufstellen mit Blick auf 2017“, sagte Trittin. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte er mit Blick auf den Widerstand der CSU gegen Schwarz-Grün mit: „Über Sondierungsgespräche entscheidet nicht CSU. Die werden Katrin und ich mit führen.“ Die neuen Fraktionsvorsitzenden sollen am 8. Oktober gewählt werden. Der Verkehrspolitiker Anton Hofreiter verkündete, dass er Trittins Nachfolger werden wolle.

Mit seiner Ankündigung macht Trittin die Runde fast komplett. Denn der gesamte grüne Bundesvorstand sowie der Parteirat hat ebenfalls seinen Rücktritt angekündigt. Doch während Cem Özdemir sich auf dem Parteitag im Herbst wohl erneut um den Job des Parteichefs bewerben will, zieht Claudia Roth einen Schlussstrich. Sie wolle sich nicht mehr zur Wahl stellen, kündigte Roth bei einem internen Treffen grüner Bundestagsabgeordneter vom linken Parteiflügel an.

„Nach elfeinhalb Jahren Bundesvorsitzende der Grünen ist es richtig zu sagen, jetzt gibt es die Möglichkeit einer Erneuerung.“ Doch das ist natürlich nicht der wirkliche Grund. Das Wahldebakel wird sie zu dieser Entscheidung getrieben haben. „Da muss auch bei mir was nicht so gut gelaufen sein“, antwortete sie im Morgenmagazin auf die Frage, wo die Schuld für das schlechte Wahlergebnis liege. Als eine mögliche Nachfolgerin für Roth gilt in der Partei die ehemalige saarländische Umweltministerin Simone Peter.

Doch Roth will sich nicht aus der Politik zurückziehen. Sie hat bereits einen neuen Job im Auge. Die Noch-Grünen-Parteivorsitzende will das Amt der Bundestagsvizepräsidentin. Für die Grünen sitzt bislang die Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, im Bundestagspräsidium.

Doch auf den Job hat noch ein anderes Grünen-Mitglied ein Auge geworfen: Renate Künast. Mit ihrem Verzicht auf den Posten der Fraktionschefin kündigte Künast an, ebenfalls Bundestagsvizepräsidentin werden zu wollen. Sie wolle einen Beitrag zur Verjüngung und Erneuerung der Partei leisten, sagte sie. Damit könnte den Grünen eine Kampfkandidatur um den Posten der Bundestagsvizepräsidentin ins Haus stehen.

Kommentare zu " Trittin, Roth & Co.: Die Generation Grün tritt ab"

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  • Ja, die Grünen haben 2,3 Prozentpunkte verloren, aber ist das ein Grund, die gesamte Partei- und dazu noch die Fraktionsspitze in Frage zu stellen?

    Die SPD hat ihr zweitschlechtestes Wahlergebnis erzielt, aber dort denkt offenbar niemand an personelle Alternativen. Bezeichnend ist, das Fraktionschef Steinmeier, obwohl die Hälfte der Fraktionsmitglieder neu ist, diese also noch gar kein eigenes Bild haben, mit 91% der Stimmen in seinem Amt bestätigt wurde.

    Auch Thomas Oppermann wurde als Parlamentarischer Geschäftsführer bestätigt. Bei der SPD sieht man also keinerlei Veränderungsbedarf. Und mit Steinmeier und Oppermann ist der Weg in die Große Koalition geöffnet. Denn nicht der Parteikonvent oder die Mitglieder sind das Machtzentrum der SPD, sondern die Fraktion im Bundestag. Quelle Nachdenkseiten.

  • "Nach dem Wahldebakel der Grünen soll in der Partei alles anders – und vor allem jünger werden. Die Parteigrößen wollen sich nicht zur Wiederwahl stellen. Die ersten Bewerber für die freiwerdenden Jobs heben die Hand."

    Kommt uns diese Blaupause nicht bekannt vor?

    Die FDP hat es den Grünen vorgemacht und war bei der nächsten Bundestagswahl unter der Fünf-Prozent-Grenze. Außer den betroffenen FDPlern scheint es kaum einer tragisch zu empfinden.

  • Nach 11,5 Jahren Politik gegen Deutschland muss die Roth gehen und will als Vizepräsidentin weiter sich die Taschen füllen. Ungern drücke ich Grünen die Daumen, aber dann lieber die Künast als die Roth.

    Leider ist die Säuberung bei den Grünen nicht abgeschlossen, solange Özdemir und Göring-Eckhart im politischen Focus bleiben.

    Ausgesorgt haben sie alle, aber die Sucht nach Macht wird sie nicht loslassen. Der Staat ist nur dazu da, ihre
    Taschen zu füllen.

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