TV-Duell
Erstmals auf Augenhöhe

Unentschieden, so endete das TV-Duell: Kanzlerin Merkel patzt bei Pkw-Maut und NSA-Skandal, Herausforderer Steinbrück beim Thema Rente. Zum Ergebnis gibt es zwei Lesarten.
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BerlinEigentlich war’s das mit der Bundestagswahl: Angela Merkel gewinnt, Peer Steinbrück verliert. Am Tag nach dem TV-Duell lässt sich kein anderes Fazit ziehen – vorausgesetzt die Politik-Berater, Spin-Doktoren und Politologen behalten recht, die sich in den Tagen vor dem 90-minütigen Schlagabtausch zu Wort gemeldet haben. Denn da waren unter den Experten folgende Sätze Konsens: „Ein Unentschieden reicht Peer Steinbrück nicht.“ Und: „Eine Wahlkampfwende ist nur noch möglich, wenn Angela Merkel mehrere große Fehler macht.“

Nach dem TV-Duell, das laut Branchendienst Meedia 17,64 Millionen Zuschauer (29,1 Prozent Marktanteil) sahen, lässt sich so viel sagen: Die Bundeskanzlerin hat keine großen Fehler gemacht. Und: Die Zuschauerbefragungen nach der Sendung kommen zu einem mehr oder weniger ausgeglichenen Ergebnis. Bei einer von der ARD in Auftrag gegebenen Umfrage von Infratest dimap sehen 49 Prozent Steinbrück und 44 Prozent Merkel als Sieger.

Das Ergebnis lässt sich aber auch so lesen: Kanzlerin und Herausforderer begegnen sich erstmals auf Augenhöhe. Das hat es in den vergangenen Wochen nämlich nie gegeben. Angela Merkels Sympathiewerte liegen sowieso doppelt so hoch wie die des SPD-Kanzlerkandidaten. Inhaltliche Auseinandersetzungen? Fehlanzeige. Bewusst hat sie gemeinsame Auftritte gemieden und es vermieden, den Wahlkampf unnötig anzuheizen, indem sie auf die Attacken des Peer Steinbrück direkt antwortete. So verpufften dessen Vorstöße.

Beim Duell jedoch muss Merkel ihren Herausforderer nicht nur beim Namen nennen, sondern sich auch auf Themen einlassen, die sie lieber ausgespart hätte. Dabei offenbart sie Schwächen: Beim Thema Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen wird sie zum Opfer der CSU, die das Abkassieren von Autofahrern aus dem Ausland zum Wahlkampfschlager gemacht hat. Nicht gerade zu Merkels Freude. Dem Unionsfriede zuliebe lenkt sie im Duell zunächst ab und verschiebt das Thema in mögliche Koalitionsverhandlungen. Es dauert, bis sie sich schließlich doch zu dem Satz durchringt: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.“ 

Kommentare zu " TV-Duell: Erstmals auf Augenhöhe"

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  • Da hat der Steinbrück mal Mut bewiesen, den Unterschied zwischen Pensionen und BfA-Renten anzugehen, seit den 50er Jahren ein Skandal: Die Beamten verdienen ihre Pensionen ohne Eigenbeiträge, in früheren Jahren sogar noch ohne Anrechnung eines fiktiven Arbeitgeberanteils, der Angestellte muß heute nach einer Studie von Deutsche Bank Research 30% seines Einkommens aufwenden, um eine Rente in Höhe etwa seines letzten Nettoeinkommens zu erzielen. Und das tatsächliche Ergebnis heute: 800.- Euro durchschnittliche Rente und 2.600.- Euro durchschnittliche Pension im Monat, unglaublich, nicht wahr?
    Die BfA-Renten sind von 2001 bis 2011 um 7% gestiegen, die Pensionen nach Angabe des Beamtenbundes in der gleichen Zeit um 28%. Von den rd. 5,0 Bio. Euro interner Schulden (Uni Freiburg und Uni Bochum), die dieser Finanzminister hier mit Verachtung straft, gehen 1,0 Bio. Euro zu Lasten zukünftiger Beamtenpensionen: Schäuble, soweit er überhaupt noch drankommt, wird ein Euthanasieprogramm für Beamte starten müssen, um diese Schulden überhaupt in den Griff zu bekommen. Steinbrück ist hier absolut zu folgen, Mütterchen Alternativlos von der Berliner Museumsinsel tappt da wieder mal im Dunkel, oder es ist ihr völlig wurst, wie so vieles.
    (...)
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Nach dem TV-Duell fragt man sich schon, warum Merkel soviel beliebter ist als Steinbrück. Mit dem gestrigen Auftritt kann ich ihn mir sehr gut als Bundeskanzler vorstellen.

    Steinbrück hat einen Punktesieg errungen aber es wird für eine Rot-Grüne Koalition nicht reichen …. eigentlich schade, dass diese Alternative (noch) nicht genug Wählerstimmen bekommt.

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