TV-Duell
Steinbrücks allerallerletzte Chance

Kanzlerin Merkel ignoriert ihren Herausforderer konsequent. Doch beim TV-Duell muss sie sich mit Peer Steinbrück streiten. Der geht mit hohen Erwartungen in die Debatte. Kann eine einzige Sendung die Wende bringen?

DüsseldorfDie Konkurrenz gibt sich gnädig: Sendungen wie die „Shopping Queen“ (Vox) und „Navy CIS“ (Pro7) taugen am Sonntagabend nicht ernsthaft als Ausrede, das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) nicht zu schauen. Rund 14 Millionen Zuschauer schalteten vor vier Jahren einen der übertragenden Sender ein, eine ähnliche Hausnummer wird auch für den aktuellen Schlagabtausch erwartet. Und Steinbrück macht dem Publikum ein Versprechen: „Es wird unterhaltsam, auf keinen Fall langweilig.“

Für den SPD-Kanzlerkandidaten geht es um viel. In den aktuellen Umfragen liegt sein rot-grünes Wunschbündnis zwischen acht Prozentpunkten (Allensbach) und 13 Prozentpunkten (Forsa) hinter Schwarz-Gelb. Bei der Kanzlerfrage konnte Steinbrück zuletzt zwar aufholen, liegt aber weiter deutlich hinter Merkel zurück. 31 Prozent wollen den SPD-Kandidaten als Kanzler, für Merkel sind derzeit 60 Prozent. Hoch ist drei Wochen vor dem Wahlsonntag aber immer noch die Zahl der unentschlossenen Wähler. „Natürlich werde ich versuchen, die direkt anzusprechen, zu überzeugen, deutlich zu machen, wo der Unterschied ist“, sagt Steinbrück.

„Steinbrück muss sachlich – nicht aggressiv – angreifen und versuchen, Merkel bei ihrer Regierungsbilanz und Schönfärberei in der Euro-Krise in die Enge zu treiben“, empfiehlt der Politik-Berater Michael Spreng, der 2002 als Wahlkampfleiter Edmund Stoiber beinahe den Weg ins Kanzleramt ermöglicht hätte. Wilfried Köpke, Professor an der Hochschule Hannover mit dem Schwerpunkt Kultur- und Fernsehjournalismus, rät dem SPD-Herausforderer im Gespräch mit Handelsblatt Online zu Emotionen und ein Bekenntnis zur SPD-Tradition. „Peer Steinbrück hat bisher im Wahlkampf dann gepunktet, wenn er echte Emotionen gezeigt hat und nicht nur den Fachmann gegeben – das darf auch im TV-Duell nicht fehlen“, sagt Köpke. Sein eigenes Klientel müsse er stärken, in dem er sich in die Linie der SPD-Tradition stelle, nach dem Motto: „Wir kämpfen für die Kleinen und ich kann das noch mit wirtschaftlichem Sachverstand“. Köpke ist überzeugt: „Damit kann er auch Wechselwähler gewinnen – als einfühlsamer Entscheider kann er punkten.“

Zuletzt hat sich Steinbrück souveräner geschlagen als zum Start seiner Kandidatur, in der sich die Berichterstattung insbesondere um die Fettnäpfchen drehte, in die der Sozialdemokrat trat. Mittlerweile geht er in Interviews routiniert darüber hinweg, gesteht Fehler ein anstatt sie zu verteidigen und schwenkt über zu den Inhalten für die er stehen will. Doch auf dieser Ebene offenbart sich das große Problem des SPD-Wahlkampfs: Die Sozialdemokraten bekommen Angela Merkel nicht zu fassen. Der NSA/BND-Skandal eignete sich ebenso wenig für Attacken wie die Versuche, die Kanzlerin bei den Themen Strompreise und Griechenland zu stellen.

Auch Syrien eignet sich nicht als Wahlkampfthema. „Krieg oder Frieden, womit Gerhard Schröder 2002 gewann, taugt nicht“, schreibt Spreng in seinem Blog Sprengsatz. „Syrien 2013 ist nicht der Irak 2002. Und die verbrecherischen Giftgasangriffe empören auch die SPD-Wähler.“

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