TV-Kritik Anne Will: „Dieser professorale Ton geht mir auf den Wecker”

TV-Kritik Anne Will
Demokratie als „Krebsgeschwür?“

„Dieser professorale Ton geht mir auf den Wecker”

Auch die Rolle der SPD und eine mögliche schwarz-rote Koalition wird im Gespräch angetastet: Die SPD brauche endlich die Möglichkeit zu regieren, so die Professorin und SPD-Politikerin Gesine Schwan. Dabei hält sie ihr Wasserglas wie einen guten Whisky, mit abgespreiztem Zeigefinger. Währenddessen zeigt die Kamera Bernd Lucke, wie er emotionslos dasitzt und zuhört. Es ist noch nicht sein Thema. Das kommt ein paar Minuten später: „Die SPD muss endlich eine Debatte über die Europapolitik entwickeln”, sagt Schwan auf die Frage, ob sie für eine große Koalition ist. Die EU-Politik der letzten Regierung sei dermaßen unehrlich gewesen, so Schwan.

Kurze Zeit später geht Anne Will zu AfD-Sprecher Lucke, fragt ihn was er sich jetzt wünsche. Lucke daraufhin: „Wir würden Neuwahlen natürlich begrüßen.” Moderatorin Will spielt ein Bild eines Wahlplakates der Alternative für Deutschland ein, darauf der Satz: „Einwanderer ja. Aber nicht in unsere Sozialsysteme.” Die Runde ist unruhig, diskutiert durcheinander. Lucke zieht ein Papier aus seinem Jackett, liest aus dem Regierungsprogramm der Union. Dort steht ähnliches: Eine Zuwanderung, die darauf aus sei, die sozialen Sicherungssysteme unseres Landes auszunutzen, lehne die Union ab. Lucke hat sich vorbereitet. Er schaut triumphierend in die Runde. Stoiber kann das nicht auf sich sitzen lassen, versucht zu argumentieren. „Wir sind ein tolerantes Land”, ruft er in die Runde.

„Dieser professorale Ton geht mir auf den Wecker”, sagt Journalist Poschardt daraufhin zum AfD-Sprecher. „Politik soll das Wohl des deutschen Volkes mehren”, sagt Lucke. Die aktuelle Politik tue dies nicht, so der Ökonomie-Professor.

Dann beschwert sich Stoiber, dass Lucke schon wieder redet. Lucke: „Diesen Satz noch: Die Europäische Union entwickelt sich auseinander...” Will versucht zu unterbrechen. Lucke: „Moment, einen Satz noch..”

Kein anderer hatte an diesem Abend die Chance, so viele Parolen unterzubringen wie Lucke. Immerhin, Edmund Stoiber konnte streckenweise Paroli bieten. Dennoch zeigt sich: Niemand kann die neue Partei so richtig einordnen. Nicht mal Lucke selbst kann das.

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Raphael Moritz ist Handelsblatt Online Mitarbeiter.
Raphael Moritz
Handelsblatt / Freier Journalist
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