TV-Kritik Beckmann
„Deutschland verdankt Snowden unheimlich viel”

Hätte Edward Snowden den Talk von Beckmann gesehen – er wäre rot geworden. So sehr überschlugen sich Grünen-Politiker Ströbele und Journalist Pleitgen mit Lob. Ihre Kritik an den US-Abhöraktionen teilten aber nicht alle.
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Gäbe es einen Nobelpreis für Whistleblower – Edward Snowden würde ihn sicher einheimsen. Er legt der Welt die grenzenlose Überwachung der US-Geheimdienste Stück für Stück offen. Besser noch: Er klärt auf, wo die Politik versagt. „Während Finanzmärkte und Geheimdienste der Regierung die Kontrolle nehmen”, sagte der Journalist und ehemaliger WDR-Intendant Fritz Pleitgen am Donnerstagabend bei „Beckmann”, gebe Snowden Kontrolle zurück.

Hätte der ehemalige NSA-Mitarbeiter in der Talk-Runde von Moderator Reinhold Beckmann gesessen – er hätte rot werden müssen. Die Lobeshymnen nahmen kaum ein Ende. Ohne Snowden wüsste man nicht, dass Millionen Bundesbürger täglich vom US-Auslandsgeheimdienst NSA überwacht würden, so Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. „Deutschland verdankt Snowden unheimlich viel”, sagte der 74-jährige Abgeordnete, der Snowden jüngst in Moskau getroffen und so einen politischen Coup gelandet hatte, und wedelte mit dem Zeigefinger in der Luft. Der Whistleblower habe den Deutschen die Augen geöffnet, sagte Fritz Pleitgen, ehemaliger Korrespondent in Washington und Moskau.

Doch was wird aus dem Heilsbringer Snowden? Viele Amerikaner sähen ihn am liebsten hinter Gittern, Hans-Christian Ströbele im Bundestag. Dort soll er nach Ansicht des Abgeordneten über den Überwachungsskandal aussagen. Vergangenen Donnerstag besuchte der Grünen-Politiker den Ex-NSA-Mitarbeiter in Moskau. Snowden genießt dort ein befristetes Aufenthaltsrecht – für ein Jahr.

Nach Deutschland wird er es wohl kaum schaffen: „Die Bundesregierung bemüht sich nicht um die Lösung des Problems”, sagte Edda Müller, Vorsitzende der Anti-Korruptionsorganisation „Transparency International Deutschland“. „Dabei kann die Bundesregierung für Snowden alles machen”, warf Ströbele dazwischen – wieder mit erhobener Hand. Nur sei sie gegenüber der USA zu ruhig. Nach einer Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag der ARD sprachen sich immerhin 46 Prozent der Deutschen für ein Asyl von Edward Snowden in der Bundesrepublik aus. 48 Prozent gaben an, den Ex-Geheimdienstmitarbeiter kein Asyl gewähren zu wollen.

Neben den Lobeshymnen stand noch eine andere große Frage im Raum: Wie viel Überwachung ist in Ordnung? Moderator Beckmann versuchte immer wieder angestrengt seine Gäste auf diese Fährte zurück zu lotsen – auch wenn er damit wichtige Diskussionen erstickte. So sprach sich die US-amerikanische Journalistin Melinda Crane gegen Überwachung aus, Julian Reichelt, Reporter der „Bild”-Zeitung, plädierte dafür. Die US-amerikanischen Geheimdienste würden für die Deutschen mitarbeiten, so der Journalist. „Ohne die amerikanischen Nachrichtendienste sind wir blind für die Terrorismus-Abwehr”, sagte Reichelt.

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  • Besser ist Sendung FACT (ARD 12.11.2013, 21:45 Uhr | 05:06 min.: http://www.mdr.de/fakt/video160094.html ), zwar oft auch reißerisch, jedoch war es ein sehr ordentlicher Beitrag, auf den sich nun die Zeitung die Zeit sich nun beruft.

    Die Vorwürfe sind nicht neu, hingegen die Herleitungen und Begründungen schon,
    die u.U. die Netzpolitik und Vorratsdatenspeicherung ( Grundlage: 16. Bundestag http://de.wikipedia.org/wiki/16._Deutscher_Bundestag bereits !!) betreffen.
    Am Ende des FACT-Beitrages ist es wieder einmal Herr Ströbele, der interviewt wurde.

    Dies sind die schweren schweren Vorwürfe seitens FACT-Magazins, die BECKMANN bräuchte:

    1. Gemeinsam mit britischem Geheimdienst GCHQ ließ BND 2008 entsprechende Gesetz neu formulieren
    2. Per Gesetz wurde der innerdeutsche Datenverkehr in FFM zur Auslandskommunikation umdefiniert
    3. Damit wurde ausgehebelt, dass der Auslandsgeheimdienst BND diesen eigentlich nicht abhören darf
    4. Die Anbiederung des BNDs, um zur TOP5 (= nicht “Freunde 3.Klasse”) zu gehören gehen soweit,…
    5. sass der dt. Geheimdienst mit Hilfe der Firma GTS Teile von PRISM programmierte und lieferte.
    6. Der vermeintlich hinterherhinkende BND ist lt. diesem Bericht sogar Vorreiter in der Entwicklung!
    7. Er ist somit aktiv handelnd, in der Programmierung wie beim Abhören (http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-11/gchq-bnd-kooperation), nur eben das 6. Wagen-Rad.

    Zwar geht der Kommentar in der Zeit auch darauf, ein, dass es dem BND nicht eindeutig nachweisbar sei, jedoch ist die Frage, wer kann diese, vermutlich illegalen Methoden des Kontrollstaates (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-ueber-den-weg-in-den-kontrollstaat-a-933092.html) stoppen?

    Warum wird nicht mit der aktuellen Mehrheit ( rot – links-rot – grün ) der Artikel §10 GG (http://www.sueddeutsche.de/politik/historiker-foschepoth-ueber-us-ueberwachung-die-nsa-darf-in-deutschland-alles-machen-1.1717216-2) endlich geändert
    und aufgeklärt - wo SPD, LINKE & GRÜNE Opfer seien?

  • Warum weigern Sie sich die Folgen des Islams zu Gemüte zu führen??

  • EINFACHE LÖSUNG:
    Ströbele soll Snowden adoptieren! Damit erhält er die Deutsche Staatsbürgerschaft und kann nicht ausgeliefert werden.

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