TV-Kritik Günther Jauch

Rumgeeier und andere verdiente Enttäuschungen

Die durchaus mutige Idee, eine Woche vor dem großen Kanzler-Duell statt über den Wahlkampf über den Trend zum Nichtwählen zu diskutieren, scheiterte bei Günther Jauch an Günther Jauch.
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Moderator Günther Jauch weicht dem Euro-Thema in seiner Talkshow aus. Quelle: dpa

Moderator Günther Jauch weicht dem Euro-Thema in seiner Talkshow aus.

(Foto: dpa)

Ungewohnter, durchaus mutiger Einstieg für Günther Jauch nach seiner Sommerpause und eine Woche vor dem Höhepunkt des Fernsehwahlkampfes, dem gemeinsamen Merkel-Steinbrück-„TV-Duell“ der vier großen Fernsehsender: Der Sonntags-Talker saß zunächst in seinem Studiopublikum inmitten von vier Neu-Nichtwählern, die kämpferisch erklärten, weshalb sie an der Bundestagswahl nicht teilnehmen wollen. Sowohl, weil es keine Charismatiker vom Schlage Franz-Josef Strauß' mehr gäbe, aber auch, weil sie selbst schon als Talkshowgäste mit aktiven Politikern diskutiert hatten und von denen gründlich enttäuscht waren.

Jauchs Vorstellung der Gäste deutete dann aber bereits das Problem der folgenden Sendung zum Thema „Denkzettel statt Stimmzettel – wozu noch wählen?“ an: Drei Parteien- und Wahlskeptikern, die angekündigtermaßen nicht oder voraussichtlich nicht zur Wahl schreiten würden, saßen zwei Veteranen der (Noch-)Volksparteien CDU und SPD gegenüber. Warum Jauchs Redaktion zu dem unorthodoxen Thema nicht auch Basis-Wahlkämpfer eingeladen hatte, oder Vertreter junger Parteien, die mit neuen Positionen vielleicht noch auf Überraschungserfolg hoffen, wie der Piraten oder auch der AfD, blieb rätselhaft.

Die CDU vertrat Thomas de Maizière. Der Knacks, den der Bundesverteidigungsminister in seiner Staatsmännischkeit durch die Drohnen-Affäre erlitten haben könnte, zeigte sich nur kurz. Die Fähigkeit, schlichtes Pathos wirkungsvoll zu vermitteln, hat er sich bewahrt, und nutzte sie immer wieder, um Sätze etwa vom Wählen als „stolzen Recht in einer Demokratie“ zu formulieren.

Der andere Wahl-Befürworter im Studio war Egon Bahr (SPD), der mit seinen 91 Jahren vor allem an historische Zusammenhänge erinnerte: an seine erste freie Wahl anno 1946 in Berlin, aber auch an Erfahrungen aus der Weimarer Republik, die nicht vergessen werden dürften.

Gern über die Kanzler-Zeit Helmut Kohls sprach Unternehmer Walter Kohl als Sohn des Altkanzlers. Er sei zu keinem Zeitpunkt CDU-Mitglied gewesen, erzählte er, habe aber seinen Vater, solange der aktiv war, immer gewählt. Nun, 2013, könne es sein, dass er nicht wählen geht, unter anderem deshalb, weil gleich drei sozialdemokratisch geprägte Parteien zur Wahl stünden: neben der SPD die Grünen und die CDU. Diese Äußerung hatte Jauch irgendwie nicht mitbekommen. Er fragte ihn später noch einmal exakt danach.

Während Kohl vor allem eine beherzte „Leute, so geht's nicht“-Haltung vertrat, bot „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart, der vor der Bundestagswahl 2009 das Buch „Die Machtfrage/Ansichten eines Nichtwählers“ veröffentlicht hatte und weiterhin Nichtwählen als „Notwehrmaßnahme“ gegen die Parteien empfiehlt, pointiertere Parteien-Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel spreche gar nicht „über das Zentralthema dieser Wahl“, die Dimensionen der Euro-Rettungs-Programme, lautete eine seiner Thesen.

Der Moderator zeigte sich vom Euro-Thema gestern unberührt
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64 Kommentare zu "TV-Kritik Günther Jauch: Rumgeeier und andere verdiente Enttäuschungen"

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  • Wir müßten ein ganz anderes Wahlsystem haben. Alle Parteien lassen ihre besten Leute in die einzelnen Kompetenzzweige.
    Alle regieren gemeinsam und setzen den Willen des Volkes um.
    Nach 4 Jahren wählt der Bürger die schlechten "AB", also kein Wahl, sondern eine ABWAHL. Nach 8 Jahren müssen alle getauscht werden, damit es keine Berufspolitiker gibt und ein Verfilzung entsteht.
    So wie es jetzt ist kann es nicht bleiben.

  • Aber Sie stimmen mir sicherlich zu, dass die meisten Nichtwähler eine Partei aus der Mitte wählen würden. Alle, die rechts oder links sind, setzen auch ihr Kreuz und gehen zur Wahl.

  • Man kann Politikverdrossenheit schon verstehen bei unserem
    Bundestag, der es selbst ablehnt das Antikorruptionsgesetz
    wie von den UN gefördert zu unterschreiben.
    Allerdings sollte sich jeder Nichtwähler vorher klar machen, was das bedeutet, und evtl. eine anderen Weg des Protests wählen.
    Es ist doch unglaublich, dass die Regierung vom deutschen Volk glaubt, dass es nicht versteht was in Europa passiert,
    und wie der wahre Stand der Dinge bewusst vertuscht wird !

  • Herr Steingart hat mit seinem Buch "Unser Wohlstand und seine Feinde" ein respektables und sehr lesenswertes Werk geschriebn. Wie er nun auf die Idee kommt Nichtwählen zu propagieren, wie es auch schon in der Zeit getan wurde ist vorsichtig ausgedrückt Schwachsinn.

    Das Elend der Politik liegt in der Veriennahmuung des Staates durch die (Block-)Parteien. Diese erhalten prozentual ihre Wahlkostenerstattungen und nicht nach tatsächlich abgegebenen Stimmen. Nichtwählen spült damit Geld in die Kassen der Mehrheitsparteien und verschlimmert damit das Übel.

    Wer etwas gegen Daimler hat kauft (bezahlt) auch keinen Mercedes und lässt ihn dann aus "Rache" ungenutzt am Strassenrand stehen.

  • Die Argumente von den Herren Steingart und Kohl waren treffend und gut, Herr Bahr ist noch rüstig für sein Alter
    und Herr De Maiziere sollte bald den Hut nehmen,denn mit
    forschem Auftreten ist es eben nicht getan und die Skandale werden immer zahlreicher.
    Schade ist, dass sich Herr Jauch nicht besser vorbereitet,
    oder aber er sollte sich ganz auf seine Sendung um die Million zurückziehen.
    Die AfD muss in den Bundestag kommen, damit sich dort jemand kümmert, wie das mit Europa und dem Euro weitergeht,denn Herr Schäuble verdient den Ruhestand und Frau Merkel ist überfordert. Europa ist auf keinem guten Weg, und nur die AfD zeigt Interesse das zu ändern.

  • Herr Jauch kann Wer wird Millionär, aber eine polit. Diskussion kann er nicht.
    Er ist in solchen Sendungen blass und fast auch unwissend

  • Sehr geehrter Herr Steingart,
    Ich finde es schon bezeichnend, wenn Sie der Sie ja ein demokratischer Mensch sein wollen, bei Jauch damit koketieren,das Sie Nichtwähler sind. Den Erstwählern empfehlen, es vielleicht mal zu versuchen zu wählen. Wenn
    Sie als Handelsblattsprachrohr solche Weißheiten verkünden,zweifel ich mit einigen Freunden an unseren Medien. Besuchen Sie doch mal Wahlveranstaltungen von den großen Parteien vor Ort und Sie werden feststellen, das sehr wohl Botschaften herüber kommen. Großveranstaltungen sind natürlich nur noch stromlinienmäßigformuliert(sowohl von den Grünen,der SPD wie auch der CDU bzw CSU und FDP

  • Herr Jauch möchte jedermanns Liebling sein, daher ist er eine Fehlbesetzung für so eine Sendung!!!
    Die Nichtwähler die hier alle herumjammern sollten endlich mal den Fingern aus dem Po nehmen und anfangen mitzumachen. der AfD zeigt doch das man etwas bewirken kann, bisher zwar nur Diskussionen aber immerhin ein Anfang. Wem hier etwas nicht passt der muss sich selbst kümmern. Nicht wählen hilft nicht weiter. Jedem ist es gestattet mit Parteien auch außerhalb von Wahlveranstaltungen in den Dialog zu treten. Seinen Wahlkreisabgeordneten die Meinung zu sagen usw. Herr Kohl jr. könnte, wenn er denn wollte auch in der CDU etwas bewegen. Einfach nur schlecht reden und selbst nichts leisten ist asozial. Ein meiner Meinung nach wichtiger Kritikpunkt der geannt wurde ist die Absicherung über die Listen, daran etwas zu ändern sollte wirklich mal diskutiert werden. Unabdingbar ist die Einführung plebizitärer Elemente auf Bundesebene.

  • Kein Wunder im Land der Soaps und charakterlichen Orientierungslosigkeit, in welchem sogar die Besetzung in Spielfilmen zum wesentlichen Teil der "Allgemeinbildung" gezählt wird.

  • Peinlich, wenn man sich in seinem Artikel selbst so loben muss.

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