TV-Kritik
„Vertrauen zu fassen? War nicht schwer“

Mit Sondersendungen begleiteten die Öffentlich-Rechtlichen die ersten Schritte der möglichen Großen Koalition. Angela Merkel und Sigmar Gabriel traten dabei einzeln auf – waren aber nicht mehr auseinanderzudividieren.
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In der Nacht zu Mittwoch haben Unionsparteien und SPD verhandelt, am Tag haben sie das Ergebnis in Pressekonferenzen präsentiert. Dass die Parteivorsitzenden anschließend zur besten Abend-Sendezeit in ARD und ZDF gastierten, zeigt: Bei aller grundgesetzlich garantierten Staatsferne stehen die öffentlich-rechtlichen Sender der Politik eben doch gern nahe.

Das ZDF war durch seine Champions League-Fußballübertragung beschränkt und hatte um 19.20 Uhr ein 20-minütiges „Was nun, Frau Merkel?“-Interview im Programm. Bei dessen Verbreitung zeigte sich der Sender immerhin innovativ: Schon gut drei Stunden vorher stand die Aufzeichnung vom frühen Nachmittag auf Youtube. Im laufenden Programm folgte, unterbrochen vom „Uefa Champions League Magazin“ (das wegen der Sponsoren-Vereinbarungen mit der Uefa vor der öffentlich-rechtlichen Werbegrenze um 20 Uhr laufen muss), um 19.55 Uhr vor der eigentlichen Fußball-Übertragung noch ein „ZDF spezial“. Da gab dann auch der mutmaßliche Vizekanzler Sigmar Gabriel ein Einzelinterview.


Die Besonderheit des „Was nun?“-Formats sind Satzergänzungs-Spielchen. „Wieder Vertrauen zu Sigmar Gabriel zu fassen...“, setzten die Moderatoren Bettina Schausten und Peter Frey an – „... war nicht schwer“, komplettierte Merkel, die dasselbe grüne Jackett trug wie bei der Pressekonferenz am Mittag. Dass die Farbwahl eine Option für den Fall darstelle, dass die SPD-Mitglieder gegen die Koalition stimmen würden, wollte die Kanzlerin nicht bestätigen, ließ es aber gern im Raum stehen.

Im unmittelbaren Anschluss an die ZDF-Sondersendung startete die ARD mit ihrem „Brennpunkt“. Zunächst streckten magazinige Beiträge im „Tagesthemen“-Stil die Sendung. Es wurde über Reaktionen an der SPD-Parteibasis im westfälischen Lünen („Man kann ja nur mitbestimmen, wenn man an der Regierung beteiligt ist“, sagte ein SPD-Senior) und an der der CDU berichtet, die im württembergischen Tuttlingen „nicht die Korken knallen“ ließ. Außerdem hatten sich drei junge Neu-Mitglieder des Bundestags für die ARD-Kamera gemeinsam die Pressekonferenz ihrer Parteivorsitzenden im Fernsehen angesehen. „Grün ist die Farbe der Hoffnung“, antwortete ein junger CDU-Parlamentarier auf die Frage nach der Farbe von Merkels Jackett.

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  • Wie schauts beim AfD eigentlich aktuell aus? Ich meine, mal irgendwas von fulminanten Richtungskämpfen bezüglich der dort auch vorhandenen Ultrarechten gehört zu haben??
    Die Frage ist ernst gemeint - würde mich echt interessieren.

  • @ HofmannM

    Zitat : Man muß auch auf die Alternativen hinweisen und die kann nur AfD mit ihren Spitzenleuten sein.

    Mitder AfD bin ich auch dabei. Habe sie auch gewaehlt. Beim naechsten Wahlkampf kommen auch wieder die Hinweise.

    Die AfD soll sich jetzt breiter auslegen und konsolidieren, die Zeit spielt ihr zu.

  • Ach bin ich froh, dass ich keinen Fernseher mehr habe. Und youtube muss ich auch nicht gucken. Wozu auch?

    Wir haben eine Groko. Und - das ist mein Ernst! - wir sollten sie behalten "für immer" und uns die teuren Scheinwahlkämpfe sparen. Schließlich fährt China mit seiner nicht gewählten Einparteienregierung auch nicht sooo schlecht.

    Die Linke könnte dann derweil die Revolution planen und hätte genau dann Erfolg, wenn die Regierung das Volk zu sehr ärgert. DAS wäre das Korrektiv, wie weiland der Kalte Krieg für relatives Wohlverhalten der Regierenden hierzulande sorgte. Die Grünen erledigen sich derweil vermutlich ovn selbst.

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