Bundestagswahl 2013

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Umfrage-Schub: AfD rückt an Fünf-Prozent-Hürde heran

Die Wahlkampagne der Anti-Euro-Partei AfD scheint Wirkung zu zeigen: Erstmals liegt die Partei bei vier Prozent. Einen Sprung in den Bundestag wollen Piraten und Grüne noch verhindern – mit einer Flyer-Aktion.

Sympathisanten der Alternative für Deutschland (AfD): Wählermobilisierung in Düsseldorf. Quelle: dpa
Sympathisanten der Alternative für Deutschland (AfD): Wählermobilisierung in Düsseldorf. Quelle: dpa

BerlinErst vor wenigen Tagen zeigte sich der Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke,  verärgert darüber, dass seine Partei in Umfragen so schlecht dasteht. Im Interview mit dem Handelsblatt sprach er davon, dass die Forschungsinstitute den Spielraum der statistischen Analyse nutzten, „um uns kleinzurechnen“. Offenbar, so Lucke, weil sie ihre Hauptauftraggeber, die etablierten Parteien, nicht verärgern wollten. Forsa und Allensbach wiesen das zurück. Inzwischen hat sich der Wind sowieso gedreht – zu Gunsten der AfD.

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In dem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend für „Stern“ und RTL steigerte sich die eurokritische Partei auf 4 Prozent und damit auf den bislang besten Wert in dieser von Forsa erstellten Erhebung. Bei Allensbach verharrt die AfD allerdings bei drei Prozent verharrt. Lucke hält sogar deutlich mehr an Wählerzustimmung für möglich. Er habe „auf sieben Prozent getippt“, sagte der AfD-Chef. Im Übrigen habe er  „eindeutige Hinweise von Mitarbeitern der Wahlforscher“, dass seine Partei in den Rohdaten „deutlich über fünf Prozent“ liege.

Kommt es so, wie von Lucke erhofft, könnten die etablierten Parteien ein dickes Problem bekommen. Am ehesten wohl Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Denn ungewiss ist nach wie vor, ob die FDP den Wiedereinzug in den Bundestag schafft. Laut Wahltrend liegt die schwarz-gelbe Koalition mit zusammen 45 Prozent zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl noch knapp vor dem Oppositionslager, das auf 43 Prozent kommt. Die Union rutschte um einen Punkt auf 40 Prozent, die FDP verharrt bei 5 Prozent.

Wer die Anti-Euro-Partei anführt

  • Bernd Lucke, Sprecher

    Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

  • Konrad Adam, Sprecher

    Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

  • Frauke Petry, Sprecherin

    Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

  • Patricia Casale, stellvertretende Sprecherin

    Casale wurde 1973 geboren. Sie steht für ein durch die Bürger legitimiertes Europa. Das kann aus ihrer Sicht "zwangsläufig nur ein Europa der Vielfalt und der Toleranz sein, in dem die Einbindung aller demokratisch legitimierten Parteien unserer EU-Partner selbstverständlich ist". Sie ist zudem überzeugt, dass die Wahrheit nie populistisch sein könne, sondern nur die Lüge. "Demokratie lebt von der offenen Diskussion - wir eröffnen sie wieder", sagt sie.

  • Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

    Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
    dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

  • Hans-Olaf Henkel, stellvertretender Sprecher

    Der frühere Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, wurde auf dem Erfurter Parteitag zum stellvertretenden Sprecher der AfD gewählt. Henkel steht auch auf Listenplatz 2 für die Europawahl.

Neben der AfD kann auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zulegen. Das TV-Duell mit der Kanzlerin hat ihm offenbar genutzt. Die SPD gewinnt im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt hinzu und kommt auf 23 Prozent. Am Tag nach dem Duell haben sich demnach sich sogar 24 Prozent der Befragten für die SPD entschieden. Die Grünen kommen hingegen wie in der Vorwoche auf 11 Prozent, die Linke fällt um einen Punkt auf 9 Prozent.

Nun kommt es darauf an, wer am besten Wähler mobilisieren kann. Die AfD kämpft hier an diversen Fronten – nicht nur mit Wahlveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Fernsehauftritten ihres Frontmannes Lucke. Die Partei mischt sich auch täglich mit Pressemitteilungen über den Textservice der Nachrichtenagentur dpa in aktuelle politische Debatten ein. Allerdings weht der AfD auch ein heftiger Wind entgegen.

174 Kommentare

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  • 04.09.2013, 09:57 UhrRealist

    Na ja, die Umfrage bei Forsa wurde im Zeitram 7.08.-02.09. durchgeführt. Zusammen mit dem statistischen Fehler kann man daraus keine Aussagen ableiten.

    Am Ende zeigt die Wahl eigentlich immer, dass Umfragen nur bedingt aussagefähig sind. Umfagen sind im Grunde nur gesteuerte Meinungsbildung durch die Auftraggeber. Man kann eigentlich nur grob sagen wo die Parteien stehen.

  • 04.09.2013, 10:36 UhrPequod

    Maastrichtkriterien und von Politikern gemachte Gesetze
    können hintergangen, gebrochen und gebogen werden, weil
    man meinte politische Vorstellungen über jede ökonomische
    Vernunft in dieser EUdSSR setzen zu können.
    Mit den Marktgesetzen kann man das leider nicht machen,
    was von der AfD richtig
    erkannt wurde.

  • 04.09.2013, 10:47 UhrTabu

    um es mit Rau zu sagen..Ein Ruck muß durch dieses
    Land gehen.
    Lieber wäre mir,Gysi würde sich nicht an rot/grün
    anbiedern und gemeinsam mit der AfD neue Wege
    gehen..alles auf Anfang.
    Damit könnte auch die AfD ihren Ruf abschütteln,
    so neoradikal wie die FDP zu sein.
    Wir brauchen beides-sozial und liberal.


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