Uwe Hück
„Ich will Jugendminister werden“

Jugendliche müssen mehr gefördert werden, damit sie das Land lenken können, sagt Uwe Hück. Im Interview erklärt der Porsche-Betriebsratsvorsitzende, warum er jetzt in die Politik will - und doch keine Krawatte anzieht.
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Handelsblatt Online: Herr Hück, Sie haben eine beeindruckende Vita, sind ohne Eltern im Heim aufgewachsen und haben sich nach oben geboxt. Bietet Deutschland Aufsteigern genügend Chancen?
Uwe Hück: Ja, wir haben Chancen in Deutschland. Denken Sie an meinen Freund Udo Lindenberg, er ist der Straßenköter von Hamburg, ich bin der Straßenköter von Stuttgart. Oder denken Sie an Ralf Möller, den Bodybuilder und Schauspieler, der war auch Hauptschüler wie ich. Aber ich sage auch: Wir brauchen wieder mehr Vorbilder in Deutschland.

Wie meinen Sie das?
Ich liebe die Solidarität: Wer hat, der gibt. Wir brauchen jene, die es geschafft haben, sei es in der Politik, im Sport, in der Wirtschaft, und die bereit sind, etwas abzugeben. Wenn wir eines Tages dem Petrus begegnen, wird er uns nicht fragen: Was  hast Du gesammelt? Sondern: Was hast Du gegeben?

Was geben Sie den Jugendlichen, mit denen sie arbeiten, mit auf den Weg?
Viele Jugendliche können sich nicht  vorstellen, dass man es zu etwas bringen kann. Ich sage meinen Jugendlichen: Du musst hinfallen, um wieder aufzustehen. Das Scheitern gehört dazu. Das ist meine Philosophie. Versuch mal Fußball zu spielen, und keiner darf fallen. Das Fallen gehört zum Leben dazu. Du wirst auch mal unfair behandelt, der Schiri pfeift Abseits und es war gar keines. Auch das gehört dazu. Ich sage: Mund abputzen und weitermachen.

Bei Porsche haben Sie durchgesetzt, dass 40 Prozent der Lehrstellen an Hauptschüler gehen.
Ja, das machen wir seit elf Jahren und es ist ein Riesenerfolg. Viele der Jugendliche bringen es zu etwas, werden Meister, manche studieren später. Wir haben Diamanten, wir müssen sie nur entstauben . Aber oft behandeln wir sie wie Kieselsteine.

Was muss die Politik da tun?
Sie muss ehrlicher werden. Sie lügt sich bei diesen Bildungsthemen etwas vor. Alle wollen nur noch Akademiker werden. Aber wenn sie in einer Autofabrik nur noch Entwickler haben - wer baut denn dann die Autos? Sie brauchen auch Leute, die mit Begeisterung die Straße fegen. Oder mit Begeisterung in der Küche arbeiten. Ich kann die doch nicht schlecht reden.

Jetzt sagen die Arbeitgeber: Ihr dürft einfache Arbeiten nicht zu teuer machen.
Die Frage ist doch nicht, wie hoch der Lohn ist. Die Frage ist, wann verdient ein Unternehmen Geld? Wenn ein Mitarbeiter 3.000 Euro verdient und erst nach dem 20. Tag im Monat für die Firma arbeitet, dann sind die 3.000 Euro zu viel. Wenn ein Mitarbeiter 6.000 Euro verdient, und er arbeitet schon nach dem achten Tag für die Firma, hat also seinen Verdienst schon erwirtschaftet, dann sind die 6.000 Euro gerechtfertigt.

Produktivität ist alles?
Ich bin besessen von Produktivität und Flexibilität. Ich werde mich immer dafür einsetzen, dass eine Firma Gewinne macht, damit sie das Soziale finanzieren kann.  Der Erfolg von Porsche gibt uns Recht. Wir zahlen eine Prämie von 8.111 Euro, die hat sogar die Küchenfrau bekommen. Das finde ich in Ordnung.

Sie haben den Tarifabschluss der IG Metall in der Metall- und Elektroindustrie kritisiert. 3,4 und 2,2 Prozent in zwei Stufen, das ist doch ein ordentliches Ergebnis. Warum sind Sie unzufrieden?
Mir ging es gar nicht um die Prozente. Es ging um das Einbeziehen der Mitglieder. Jeder der mich kennt, weiß: Uwe ist geradlinig. Ich habe gesagt, ihr geht nicht ehrlich mit den Zahlen um. Wenn ich vor dem Abschluss erkläre, das Angebot der Arbeitgeber über 2,3 Prozent sind in Wirklichkeit nur 1,9 Prozent, weil die zwei Nullmonate anbieten, dann muss  ich hinterher auch sagen: Wir haben nicht 3,4 Prozent geholt, das sind weniger, da sind zwei Nullmonate drin.

Kommentare zu " Uwe Hück: „Ich will Jugendminister werden“"

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  • @arn......."es wären ja viel mehr in der politik, wenn selbige nicht so dreckig und skrubellos wäre!" Da ist doch Uwe Hück in der passenden Gesellschaft. Als Vize AR-Chef bei Porsche hat er der größenwahnsinnige Politik seines Vorstands Wedeking rückhaltlos zugestimmt. Nur Verant-wortung wollte er dann nicht übernehmen.Ja, solche skru- pellosen Typen passen in die Gewerkschaften und die Politik.Das sind die passenden Maulhelden für die gegen- wärtigen Krisen. Nichts im Hirn, aber große Schnauze. Franz J. Danne

  • Mich freut es zu hören das jemand Jugendminister werden will. Das klingt richtig frisch. Aber Herr Hücke ,die Jugend in Deutschland ist heute ca 41 Jahre alt und gut situiert. Die brauchen keinen Minister.
    In wenigen Jahren gibt es nicht mal mehr Jugendliche und die wenigen brauchen keinen Minister höchstens einen Minderheiten Minister.

  • Jugendliche müssen mehr gefördert werden, damit sie das Land lenken können
    -------------------
    die Jugendlichen, die ich fast täglich in der Bahn erlebe werden dieses Land nie leiten können.
    Bedanken soll sich Herr Hück erst einmal bei den Grünen und Teilen der SPD, die dafür gesorgt haben, dass Schulen immer schlechter werden.

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