Veranstaltung in Berlin
AfD verärgert mit „Duell“-Fake eigene Anhänger

Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, greift die Anti-Euro-Partei zu seltsamen Mitteln. Sie kündigt ein Duell ihres Berliner Spitzenkandidaten mit Merkel an. Einige AfD-Anhänger glaubten den Fake und sind nun mächtig verstimmt.
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BerlinDer Bundestagswahlkampf treibt seltsame Blüten. Ausgerechnet die Euro-Gegner von der Alternative für Deutschland (AfD), die stets für sich in Anspruch nehmen, in europolitischen Fragen alles besser zu wissen und die einzig richtigen Handlungskonzepte zu haben, vergaloppieren sich mit einer Euro-Wahlveranstaltung. Vollmundig kündigte der Berliner Landesverband ein öffentliches „Duell“ zwischen ihrem Spitzenkandidaten Joachim Starbatty und Kanzlerin Angela Merkel an.

Stattfinden sollte der Schlagabtausch am Mittwochabend im Abba Hotel Berlin. Ein echter Coup, könnte man meinen, denn AfD-Mitinitiator Starbatty wäre ein interessanter Gesprächspartner für Merkel gewesen. Der Tübinger Ökonom ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der AfD und hatte schon 1998 in Karlsruhe erfolglos gegen die Euro-Einführung geklagt. Doch das Ganze war gar nicht ernst gemeint, sondern sollte lediglich zusätzliche Aufmerksamkeit bringen. Das ist nun auch geschehen, allerdings nicht so, wie sich die AfD das gewünscht hätte.

Denn nun sind die eigenen Anhänger, insbesondere solche, die dem Fake aufgesessen sind, mächtig verärgert. Und zwar so verärgert, dass sich der Landesverband genötigt sah, via Facebook eine Entschuldigung zu posten: „Wir haben tatsächlich nicht gedacht, dass für die Veranstaltung "Das Duell" extra Flüge gebucht werden. Das tut uns sehr leid“, schreibt der Verband. „Als Partei, die vor allem damit zu kämpfen hat, Aufmerksamkeit zu bekommen, hielten wir die Art der Aufmachung für einen legitimen Versuch eben diese zu erreichen.“

Gleichzeitig solle durch die offensive Bewerbung dieser Aktion auch die „Absurdität“ offen gelegt werden, dass Merkel sich außer dem TV-Duell mit ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück keiner Diskussion stelle. „Wie schön wäre es gewesen, wenn sie die Veranstaltung extra öffentlich dementiert hätte.“ Die Veranstaltung werde aber „kein Klamauk sein und ein Duell tatsächlich stattfinden“. Doch das Kind war damit schon in den Brunnen gefallen. Entsprechend hart reagierten einige AfD-Anhänger.

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  • Merkel kann Starbatty gar nicht stand halten ...

  • @Eddie
    Die Diskussion über die Vergangenheit begründet sich unter anderem darauf, dass die etablierten Parteien bei der Diskussion um den Euro darauf hinweisen, dass eine Auflösung des Euro-Währungsraumes Instabilität (Krieg) hervorrufen würde. Wenn man jetzt auf die Vergangenheit schaut sieht man, dass wir vor dem Euro 40 Jahre die D-Mark hatten und keinen Krieg in Europa.
    Aber das nur nebenbei...
    Zum Thema Fiskalpakt, Schuldenbremse, ESM, etc. :
    Den Fiskalpakt hat "unsere" Bundesregierung gebrochen.
    Die Vertäge zur Schuldenbremse besitzen viele Schlupflöcher, welche es den Staaten trotzdem erlauben weiter Schulden anzuhäufen. Vom Denkansatz her ist eine Schuldenbremse zwar ein richtiger Ansatz, aber sie muss einher gehen mit Investitionen (siehe "New Deal", "Marshall-Plan", "Abwrack-Prämie"...). Eine reine Sparpolitik wie wir sie den Griechen aufzwingen (obwohl wir es in unserem eigenen Land anders handhaben) führt Griechenland nur immer schneller in den Abgrund.
    Und der ESM ist wohl eher "Topf" als ein "Schirm". Wenn ich Dirk Müller sinngemäß zitiere: Die sogennannte "Rettung Europas" funktioniert wie die Reise nach Jerusalem: Wenn es jemanden schlecht geht (man nenne ihn Griechenland) werfen alle Staaten ihre Schulden in einen Topf. Der schwächste Spielteilnehmer (nennen wir ihn Portugal) bekommt dadurch, dass er für noch mehr Schulden haften muss Probleme und alle werfen ihre Schulden in einen Topf. Der Schwächste der Verbliebenen (nennen wir ihn Irland) bekommt durch die zusätzlichen Schulden jetzt auch Probleme und das Spiel geht immer so weiter... Der Unterschied zur "Reise nach Jerusalem" besteht bloß darin, dass der Letzte der übrig ist normalerweise gewonnen hat...

  • Die AfD im Bundestag, womöglich doch noch die unerträglich sinnleere Lobbytruppe FDP, Grün, Links, SPD und CDU und der Sack zur großen schwarz-roten Koalition ist nicht nur rechnerisch sondern aus Staatsraison zu!
    Merkel bleibt Kanzlerin, Gabriel ruft den schon geplanten Parteitag ein, Steinmeier überzeugt die noch verbliebenen "Ex-Genossen" und Steinbrück geht wieder gegen Honorar tingeln bis er Gauck als Bundespräsidenten ablösen darf.
    Bis dahin ist durch die (von immer noch ungestraft agierenden) Bankstern verursachte Finanzkrise, dann Staatsschuldenkrise und letztlich EURO-Krise derart eskaliert, das sich ganz andere soziale Fragen aufwerfen werden.
    Denn nichts ist so fein gesponnen, Frau Merkel (!), dass es nicht kommt ans Licht der Sonne.

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