Volker Bouffier im Porträt
CDU-Regierungschef gibt im Wahlkampf den Landesvater

Von Volker Bouffier hat Angela Merkel nichts zu befürchten. Er ist kein Konkurrent auf Bundesebene wie sein Vorgänger Roland Koch. Der Hessen-Ministerpräsident will wiedergewählt werden und braucht dafür Merkels Hilfe.
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WiesbadenVolker Bouffier kämpft als jovialer Landesvater um den Machterhalt der CDU in Hessen. Der 61-jährige Jurist aus Gießen, lange Jahre Innenminister, kann mit den Leuten. Er fühlt sich wohl in Sportvereinen, bei Feuerwehr und Polizei, auf dem Hessentag, dem alljährlichen Landesfest mit Hunderttausenden Besuchern. Er schüttelt Hände, klopft Schultern, unterhält sich. Er spielt gern Skat und hat am Tresen Stehvermögen. Wie die meisten Normalbürger kämpft er mit seinem Aussehen. Aufsehen erregte die Wandlung seiner Frisur vom Mittel- zum Seitenscheitel, vom getönten Gelb zum ehrlichen Grau.

Man muss Bouffier einmal in einem Kindergarten erlebt haben. Bei anderen Politikern geraten solche Besuche leicht peinlich. Aber wenn Bouffier mit tiefer Böse-Wolf-Stimme ein Bilderbuch vorliest, hängt die Kinderschar wie eine Traube an ihm. Vor kurzem ist der Vater von drei erwachsenen Kindern erstmals Großvater geworden.

Trotzdem sind seine Sympathiewerte für einen Ministerpräsidenten nicht hoch. Bouffier steckt in der schwierigen Lage, dass er die Regierung erst drei Jahre führt. 2010 wechselte sein alles überragender Vorgänger Roland Koch in die Wirtschaft. Andere CDU-Ministerpräsidenten, die den Staffelstab mitten in der Wahlperiode erhielten, sind bei den ersten Wahlen zuletzt gescheitert - so Stefan Mappus in Baden-Württemberg oder David McAllister in Niedersachsen.

Kochs Schatten ist Bouffier über die Jahre nicht losgeworden. Dabei war er schon Vorsitzender der Jungen Union in Hessen, als der ehrgeizige Jüngling Koch erst dazustieß. Bouffier ließ dem Jüngeren den Vortritt, „unseren Anführer“ hat er ihn einmal genannt. Elf Jahre lang wartete er als Innenminister, bis die Staatskanzlei frei wurde, und musste sich schon als hessischer Prinz Charles verspotten lassen.

„Ich würde sagen: Jeder ist ein eigener Typ“, sagte Bouffier unlängst über Koch. In Parteifragen tickt Bouffier konservativer. Die Hessen-Union liebt Bouffier, während der scharfe Denker Koch eher geachtet und ein wenig gefürchtet wurde. Die großen Programme sind nicht Bouffiers Sache. Koch hat stets polarisiert, Bouffier versucht als Regierungschef eher zusammenzuführen. Zur Volksabstimmung über die Schuldenbremse holte er SPD und Grüne mit ins Boot. Beim hessischen Energiegipfel suchten alle Fraktionen einschließlich der Linken, dazu Industrie, Gewerkschaften und Umweltverbände, nach einem Weg zur Energiewende.

Auf einem anderen Blatt steht, dass der Jurist Bouffier immer wieder einen laxen Umgang mit Recht und Gesetz an den Tag gelegt hat. Er überstand mehrere Untersuchungsausschüsse, für die Opposition war er der „Skandalminister“. Zu Fall gebracht hat ihn nichts. „Volker Bouffier hat politisch überlebt, weil die Skandale ein Klacks waren im Vergleich zu dem, was er nach seinem Unfall durchgemacht hatte“, so deutet das Magazin „Cicero“ die Biografie des Hessen. Als 22-Jähriger überlebte Bouffier einen schweren Autounfall. Der Traum von der Basketball-Profikarriere war dahin, über zwei Jahre musste er mühsam wieder das Laufen lernen. Nachwirkungen spürt er bis heute.

Bouffier hat Koch auch als CDU-Bundesvize beerbt. Dabei steht er loyal zu Merkel. Die Sticheleien aus der konservativen Hessen-Union gegen die Vorsitzende haben aufgehört. Schließlich soll die populäre Kanzlerin helfen, den Ministerpräsidenten im Amt zu halten. Deshalb wurden die Landtagswahl auf den Tag der Bundestagswahl gelegt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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