Wahlanalyse
Merkels wahre Koalition steht bereits

Der Sieg der Union ist ein Sieg für die Wirtschaft. Diejenigen, die in Deutschland etwas unternehmen, haben Angela Merkel auf den Thron gehoben. Ihnen schuldet sie nun etwas.
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Die Szene ging so: Sigmar Gabriel tritt nach der Wahl als erster Chef einer der großen Parteien vor die Kamera. Neben ihm der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück. Gabriel hebt an und spricht: Er bedankt sich bei den Helfern – das, was man eben so sagt in so einer Situation. Gabriel ist sich sicher: Ganz Deutschland schaut in diesen Minuten auf ihn. Nach 30 Sekunden aber erlischt das Bild. Andere Kameras schalten sich ein, sie stammen aus dem Konrad-Adenauer-Haus. Angela Merkel ist hier ins Rampenlicht getreten. Sie weiß: Mit diesem Timing blendet sie die SPD aus.

Merkel beginnt ihre neue Herrlichkeit mit der Demütigung des Gegners. Sie kommt 35 Minuten nach Schließung der Wahllokale und nach einem Wahlerfolg, in dem die Kanzlerin ihre Union wieder auf Volksparteiniveau gehoben hat. Die Tat macht deutlich, dass hier jemand den Führungsanspruch erhebt und auf mögliche Juniorpartner wenig Rücksicht nehmen wird – selbst wenn es sich dabei um eine so altehrwürdige Partei handelt wie die Sozialdemokraten. Merkel spurt damit den Weg: Auch wenn eine Koalition sein muss – ihr Bündnispartner wird nichts zu lachen haben.

Für Deutschland ergibt sich damit ein klareres Bild als in den Wochen zuvor: Es geht nicht mehr um höhere Steuern, und es geht nicht mehr um Korrekturen in der Euro-Politik. Auf diesen Politikfeldern werden sich CDU/CSU durchsetzen. Allenfalls dort, wo sich diese beiden nicht grün sind, wird der Kurs neu abgesteckt. Auf Nebenkriegsschauplätzen also: etwa bei der Autobahnmaut.

Für Unternehmer ist das eine frohe Botschaft. Diejenigen aber, die in Unternehmen nur einen Mindestlohn verdienen, werden enttäuscht sein. Für den Euro ist es ebenfalls eine gute Botschaft – die alternativlose Strategie aus Zuckerbrot und Peitsche, die Deutschland unter Merkel gewählt hat, wird die Euro-Länder weiter begleiten. Und auch hierbei wird es enttäuschte Gesichter geben – vor allem in den Schuldenstaaten des Euro-Raums.

Bei aller Freude hier und Enttäuschung da – Merkel hat damit einen Koalitionspartner bereits an Bord geholt: Es ist die deutsche Wirtschaft. Diejenigen, denen das Wohlergehen der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter am Herzen lag, diejenigen sind es, die Merkel gewählt haben. Es sind die Angestellten am Bürotisch genauso wie die Mitarbeiter in der Werkstatt, es sind die, die dafür sorgen, dass in diesem Land etwas voran geht. Sie hoffen, dass eine starke Kanzlerin in ihrer dritten Legislaturperiode das Land nicht verwaltet sondern gestaltet. Sie zuallererst darf Merkel jetzt nicht enttäuschen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Wahlanalyse: Merkels wahre Koalition steht bereits"

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  • Nur eine rot rot grüne Koalition ist die einzige Waffe gegen die Union. Die Merkel hat vor ein paar Monaten einen ihrer Minister raus geschmissen, nur weil er eine Wahl verloren hat. So eine Frau darf nicht an der Macht bleiben.
    Die SPD würde mit einer großen Koalition auch die grünen im Stich lassen. Da nun die FDP ganz raus ist im Bundestag, hätten die grünen zusammen mit der linken kaum Gewicht in einer Opposition.

  • Toddy: Wer bis heute nicht begriffen hat, das wir als Exportnation eine starke EU brauchen und keine kaputt gesparten Vasallenstaaten, kann einem leid tun. Mit der AfD werden wir langfristig den Niedergang erleben. Das von dieser "Partei" benutzte Wahlplakat mit dem grimmigen Russen (hat die CDU in den 50ern und die NPD in den 90ern) spricht für sich, auch wenn es jetzt mit dem US Emblem "verziert wurde.

  • @ProKapitalismus

    Och...die Besitzstandwahrer und Ausbeuter, Räuber wie eh und jeh regen sich hier...tzzt...

    Warum stellen Sie denn nicht den Antrag die ach so "faulen" Arbeitslosen wieder wegzusperren. Das passt dann wenigstens zu Merkel. Die ja aus der DDR stammt. Wo man auch mißliebe Kritiker wegsperret und zur Zwangsarbeit für den Westen verdonnerte.

    Sie kleiner Menschenhasser können mir ja richtig leid tun. Christ sind sie wohl auch noch rein zufällig was...tzzt

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