Wahlgeheimnis Problematischer Trend zur Briefwahl

Seit Jahren steigt die Zahl der Briefwähler in Deutschland. Dieses Jahr könnte es sogar zu einem neuen Rekord kommen. Doch während die Wähler die Flexibilität schätzen, sorgen sich Experten um das Wahlgeheimnis.
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Das Risiko der Manipulation ist bei der Briefwahl deutlich höher als an der Urne. Wer tatsächlich das Kreuz macht, kann nicht überprüft werden. Quelle: dpa

Das Risiko der Manipulation ist bei der Briefwahl deutlich höher als an der Urne. Wer tatsächlich das Kreuz macht, kann nicht überprüft werden.

(Foto: dpa)

Köln/DüsseldorfSeit Jahren wählen immer mehr Deutsche per Briefwahl. Timo Stukenberg aus Köln hat sich dieses Jahr ebenfalls dafür entschieden. Der 23-Jährige Student macht derzeit ein Praktikum in Berlin und konnte nicht in seinem Wahlbezirk wählen. Da er sich außerhalb seines Wahlkreises aufhält, hat er schon vorab per Brief gewählt. „Die Bríefwahl war meine einzige Möglichkeit überhaupt zu wählen“, sagt er.

Doch nicht immer ist Abwesenheit wie bei Stukenberg der Grund für eine Briefwahl. Viele scheuen auch aus Bequemlichkeit den Gang zur Urne am gemütlichen Sonntag. Der Trend ist eindeutig: Während 1957 nur 5 Prozent der Bevölkerung lieber per Brief wählten, waren es 2009 schon fast 22 Prozent. In diesem Jahr wurde dann mit 13,3 Millionen Briefwählern ein neuer Höchststand erreicht. Bei der kommenden Bundestagswahl könnte es mehr als jeder Vierte sein.

In Köln etwa stieg die Zahl der Anträge um mehr als 30 Prozent gegenüber der vergangenen Bundestagswahl. Die Stadt musste deshalb externe Dienstleister mit dem Scannen und Drucken der Wahlbriefe beauftragen. Dabei kam es auch zu Problemen: Einige Wähler erhielten mehr als einen Wahlbrief. Bis jetzt seien davon aber nur 29 Fälle bekannt, heißt es bei der Stadt. Trotzdem kommt es zu Verzögerungen – die kommunalen Wahlämter stellt der Anstieg vor große Probleme.

„Wir haben derzeit über 150.000 Briefwahlanträge, viel mehr als bei der Wahl 2009“, sagt Inge Schürmann, Sprecherin der Stadt Köln. Der allgemeine Trend, „die Wahl schon mal zu erledigen“, werde weiter anhalten. „Das stellt gerade große Kommunen wie Köln vor Riesenprobleme. Der Postweg dauert deutlich länger. Außerdem ist der Aufwand für die Bearbeitung der Briefwahl deutlich höher“, sagt Schürmann.

Auch in Stuttgart ist die Anzahl der Briefwähler um mehr als ein Viertel angestiegen, in München um rund ein Fünftel, wie das Magazin „Spiegel“ berichtete. In Berlin wählten bis jetzt schon über 30 Prozent per Brief. In Bremen machen Mitarbeiter den Angaben zufolge Überstunden, um alle Anträge rechtzeitig bearbeiten zu können. Viele Städte haben zusätzliche Aushilfen eingestellt. Ein Indiz für eine höhere Wahlbeteiligung ist das indes nicht.

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22 Kommentare zu "Wahlgeheimnis: Problematischer Trend zur Briefwahl"

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  • Ich lebe in Asien, meine Briefwahlunterlagen sind bis heute noch nicht angekommen weil (nach erfolgreichem, zeitlich sehr fruehen Antrag meinerseits):
    "Guten Tag, Herr Mustermann,

    es tut uns leid, dass Ihre Briefwahlunterlagen nicht zugestellt werden konnten. I unserem Verfahren sind die Zeichen der abweichenden Versandanschrift leider begrenzt so dass der Zusatz #02-05 nicht mehr hineingepasst hat."

    Da hier die Briefkaesten keine Namensschilder haben, sondern nur mit dem genannten "Zusatz" "#02-05" der Brieftraeger den richtigen Briefkasten finden kann, und der "Zusatz" zwar korrekt im Antrag angegeben war, aber vom Sachbearbeiter absichtlich nicht hinzugefuegt wurde weil das "System es nicht hergab", wurde ich meiner Stimme beraubt!

    Ich empfinde das als ein Skandal!

    Seitens des Bundeswahlleiters heisst es nur lapidar:
    "Sehr geehrter Herr Mustermann,

    Für die Versendung der Briefwahlunterlagen sind ausschließlich die Wahlämter der Gemeinden zuständig. Da die Wahlunterlagen fristgerecht verschickt wurden, liegt der Postlaufweg außerhalb des Verantwortungsbereichs der deutschen Behörden.

    Sollten die Unterlagen im Laufe der nächsten Tage eintreffen, könnten Sie sich an die deutsche Auslandsvertretung wenden, die ggf. die Beförderung der Wahlunterlagen übernimmt. Hierzu sind die Botschaften allerdings nicht verpflichtet.

    Bedauerlicherweise kann ich Ihnen keine günstigere Nachricht übermitteln."

    Und ich habe nicht die geringste Chance irgendiwe rechtlich dagegen vorzugehen!

    Das Amt hat zwar einen zewiten Brief an die vollstaendige Adresse letzten Freitag losgeschickt, scheinbar aber nicht per express.

    Die beste Demokratie die man fuer Geld kaufen kann!...

  • Solange ich mein Testament rechtsgültig schriftlich verfassen kann, gibt es auch kein Problem beim schriftlichen Wählen (Brief). Die Manipulationsmöglichkeiten beim Auszählen der Stimmen sind genau so gross wie beim Wählen. Was soll also der Aufstand???? Nebenbei: In der Schweiz wird seit Jahren problemlos brieflich abgestimmt - und KEINE Kommune ist damit überfordert!

  • Das kann nur aus der Ecke der Christlich Dämonischen Union kommen.

  • Es lohnt sich nicht, sich aufzuregen.
    Hier trollen sich AfD-ler, die den gesamten öffentlichen Dienst für dumm und faul halten.
    Witziger Weise ist ihr Oberbonze ein 100%iges Gewächs des öffentlichen Dienstes und 30 Jahre Mitglied in einer der sogenannten "Blockparteien" gewesen.
    Diese einzigartige Abwesenheit von Selbstreflektion ist schon erstaunlich.
    Am Besten finde ich noch die AfD-ler, die dafür sind, dass nur noch die "guten" und "anständigen" wählen dürfen. Da schlage ich doch mal vor, dass nur noch Volljährige ab 21 mit Abitur wählen dürfen.
    Das dürfte die AfD unter 1% drücken...

  • @ Wutbuerger

    Was heisst niemand da. Du warst doch da. LOL
    Mensch wat bisse bekloppt.

  • Genauso wichtig wäre, dass das Volk beim Auszählen ab 18 Uhr aufpasst, damit keine den Blöckflöten nahestehende Pfote mal schnell einen Stapel AfD-Zettel verschwinden lassen kann. Bei der Lantagswahl letzten Sonntag war ausser den Wahlhelfern nach meiner Sichtprüfung niemand sonst anwesend!

  • Die Zunahme der Briefwahl ist gewollt, von den Blockparteien.
    Ich gehe ins Wahllokal, bin eventuell sogar Mitglied in einer Partei, hole mir die Unterlagen und begebe mich in die Wahlkabine.
    In der Zwischenzeit habe ich mehrere Bekannte begrüßt.
    In der Wahlkabine ist zu wenig Platz zum Ausbreiten der Wahlunterlagen. Wenn ich jetzt alle Informationen der Wahlunterlagen aufnehmen will, brauche ich weit mehr als 30 Minuten.
    Die anderen schauen schon komisch. "Der ist doch in der ???-Partei, warum braucht der so lange", der wählt wohl anders.
    Jetzt soll ich auch noch eine Verfassungsänderung (Bayern) beurteilen, habe keinerlei Vorabinformationen. Ich soll jetzt wissen, ist das eine populistische Verfassungsverwässerung oder gibt das Ganze wirklich Sinn ? Ich bin überfordert, habe keine Informationen, nicht mal Internet zur Recherche und keine Zeit, will aber in dieser wichtigen Sache qualifiziert abstimmen.

    Wer hat das Ganze wohl so organisiert, dass ein starker Druck entsteht, die bekannten Blockparteien schnell zu wählen und nichts wie raus. Mir nicht Bekanntes hat jetzt keine Chance.

    Deshalb mache ich Briefwahl, jetzt habe ich Zeit, kann mich informieren, kann recherchieren und beurteilen, auch die Verfassungsänderungen. Ich wähle möglichst vorzeitig, weil ich weiß, was die Politiker in den letzten Jahren gemacht haben. ich will mich den kurzzeitigen Manipulationen von Medien und Wahlkämpfern nicht unterwerfen.

    Was ich aber wirklich will, sind freie Wahlen, kein Listenzwang und freie Personenauswahl übers ganze Land.
    Warum darf ich das nicht ?

  • Mein Gott Walter. Worüber sich die Leute den Kopf zerbrechen. Leider haben die wirklich alternativ wählbaren Parteien eh' keine Chance in den Bundestag gewählt zu werden. Das Volk ist einfach zu träge für Alternativen. Wie z. B. beim Stromanbieter. Die vier
    Blockparteien machen das ganze sowieso unter sich aus. Also Wahlfälschung hin oder her, es bleibt eh' alles beim Alten! Unsere Steuergelder werden von den Banken weiterverzockt, von den armen EU-Staaten weiterverbraten und die s. g. Parlamentarier reiben sich die Hände an den ägyptischen Fleischtöpfen.

  • Und schon wieder einen Grund gefunden, daß Pflegepersonal zu diffamieren. Jetzt betätigen sie sich schon als Wahlfälscher. Es ist eine Unverschämtheit, was sich diese Berufsgruppe und Branche alles bieten lassen muß.Pflegenotstand? Kein Wunder, wenn jeder Schmierfink ungestraft und ohne Widerspruch ständig irgendwelchen Schwachsinn verbreiten darf.

  • Ist doch klar, die Wahlen werden nach DDR-Muster gefälscht, da sind sich die Blockparteien einig. Bekanntlich leben die meisten AfD-Anhänger in Pflegeheimen oder sind an Rollatoren oder sonstigen Gehhilfen gebunden. Dass diese Menschen auf Briefwahl setzen und sich dabei beim Ankreuzen von den freundlichen AfD-Wahlkampfhelfern unterstützen lassen wird dann beim Eintreffen der Wahlbriefe in den Wahlämtern schamlos ausgenutzt. Da warten sie dann, die Helferlinge der Blockparteien und wechseln die Stimmzettel aus, damit die AfD unter 40 Prozent gehalten wird. Wir sollten ganz massiv in die Öffentlichkeit gehen um ausländische Wahlbeobachter fordern. Aber auch hier muß man darauf achten keine aus den "Systemländern" zu bekommen. M.E. bieten sich nur Wahlbeobachter aus Nordkorea, dem Kongo, der Türkei und Andorra an. Wenn uns das nicht gelingt sollten wir uns am 22.9. ab 18 Uhr vor dem Reichstag versammeln und die Bande mit Knüppeln rausschmeißen. Wenn alles mit rechten Dingen zugehen würde gäbe es nur einen Kanzler: Herrn Professor Doktor Bernd Lucke, der Deutschland in eine gloreiche Zukunft führen würde, ach was, mit unserer Unterstützung wird er es. Alle Kraft für unsere AfD.

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