Wahlkampf-Abschluss

Steinbrück bezeichnet AfD als „Rattenfänger“

Schlechte Umfragen schiebt Peer Steinbrück beiseite. Bei der größten Kundgebung in diesem Wahlkampf gibt es sich der SPD-Kanzlerkandidat siegessicher - und geht mit den Eurokritikern der AfD hart ins Gericht.
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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei der SPD-Wahlkampfveranstaltung auf dem Alexanderplatz in Berlin. Quelle: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei der SPD-Wahlkampfveranstaltung auf dem Alexanderplatz in Berlin.

(Foto: dpa)

BerlinSPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ausdrücklich vor einer Wahl der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) gewarnt. „Sie sollten nicht irgendwelchen Rattenfängern am 22. September hinterherlaufen, was Europa betrifft“, sagte er am Donnerstagabend beim Wahlkampfendspurt der SPD mit rund 6000 Bürgern auf dem Alexanderplatz in Berlin.

Die Bewältigung der Eurokrise koste Geld und erfordere Solidarität. Deutschland müsse in Anlehnung an Willy Brandt „ein Volk guter Nachbarn“ bleiben. Er gehöre glücklicherweise schon zu einer Generation, „die nicht im Krieg verheizt worden ist“.

Bei einem Wahlsieg will der 66-Jährige dem Steuerbetrug in Deutschland den Kampf ansagen. „Wenn Sie wollen, dass die Kavallerie gegen Steuerbetrug gesattelt wird, dann müssen Sie mich wählen.“ Steinbrück spielte damit auf seine Zeit als Bundesfinanzminister an, als er der Schweiz im Kampf gegen deutsche Steuerhinterzieher mit der Kavallerie drohte. Er kündigte an, für Reformen zu sorgen, etwa im Bereich Pflege und beim Ausbau der Kita-Plätze in Deutschland.

„Frau Merkel fährt gerne Kreisverkehr“, kritisierte Steinbrück. Er wolle ein Land, das ökonomisch stark sei, weil es sozial gerecht zugehe. „Das Wir entscheidet über die Zukunft unserer Gesellschaft.“ SPD-Chef Sigmar Gabriel betonte, die FDP in ihrer jetzigen Form mache sich überflüssig. „Der stolze Liberalismus hat in Deutschland keine Heimat mehr. Und das ist der Grund, warum sie aus den Parlamenten fliegen.“ Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit warf Merkel Tatenlosigkeit vor: „Frau Merkel hat versucht, im Schlafwagen an der Macht zu bleiben“, meinte der SPD-Vize.

Laut Umfragen kann die SPD bei der Bundestagswahl auf einen klaren Zuwachs im Vergleich zu den 23 Prozent von 2009 hoffen - aber für Rot-Grün und einen Kanzler Steinbrück würde es nach bisherigen Umfragen nicht reichen. Daher wird intern bereits über die Haltung zu einer möglichen großen Koalition nachgedacht. Die Parteilinke sieht für Gespräche mit der Union überhaupt nur eine Basis, wenn SPD-Ziele wie Steuererhöhungen für Wohlhabende zur Finanzierung von Mehrausgaben im Bildungsbereich und 8,50 Euro Mindestlohn durchgesetzt werden.

  • dpa
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  • Herr Steinbrück, wer wie Sie zu seltsamen Gesten fähig ist, der scheut auch nicht davor, eine Partei, vor der Sie Angst haben, zu verunglimpfen. Schon allein wegen Ihres Benehmens undschlechten Beispiels für junge Menschen würde ich Sie nicht wählen. Meine Stimme hat die AfD; wir WählerInnen sind nicht so dumm, als dass wir uns von absurden Äußerungen Ihrerseits beeinflussen lassen.

  • nicht wählen zu gehen hieße die bisherigen Parteien in Ihrem Treiben zu legitimatisieren.Mit unseren Renten werden die EU Schulden bezahlt. Deutschland verarmt - scheint für die etablierten kein Thema zu sein. Für mich schon, daher AfD

  • Wo ist mein Beitrag geblieben?

  • Wer die AfD als Rattenfänger bezeichnet,geht davon aus, dass es sich bei den Wählern um " Ratten " handelt!
    Es ist erschreckend, wie niveaulos und diskriminierend mit dem politischem Mitbewerber umgegangen wird!
    Das führt dazu, jetzt erst recht die AfD zu wählen!

  • Jede/r sollte sich wirklich selber genau informieren und mit den Leuten sprechen. Viel wichtiger ist aber, was haben die 'etablierten PolitikerINNEN' alles 'verbrochen/Versprechen gebrochen/gelogen/unsoziale Maßnahmen eingeführt/ ... die sog. SCHEERE geht seit über 10 Jahren immer weiter auf! DAS IST FAKT!
    Wer nicht den demokratie-Abbau in diesem Land und unglaubliche Steuerverschwendungen erkennt, hat NICHTS kapiert. Schaut Euch die Leute bei der AFD an. Ich habe noch nirgends ehrlichere, vernünftigere Menschen 'auf einem Haufen' gesehen.

  • Das auch.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ AfD-Armut-fuer-Deutsche-Arbeiter

    Sie werfen einigen Lesern des Handelsblattes und einigen "AfD-Jüngern" Unwissenheit und geringe Bildung vor. Wie steht es denn um ihre eigene Bildung?

    1. Sie behaupten, die AfD fordere ein eingeschränktes Wahlrecht für sozialbedürftige Menschen. Im Wahlprogramm der AfD auf deren Internetseite noch auf dem Facebook-Profil der Partei findet sich eine derartige Position. Demnach scheint es sich um eine Erfindung von Ihnen zu handeln.

    2. Sie führen den "Hamburger Appell" auf und weisen auf die dortig angeblich niedergeschriebenen Ungerechtigkeiten für Arbeitnehmer hin. Dabei zitieren Sie in Wirklichkeit aus dem Artikel der "Welt" vom 22.04.2013 mit dem Titel "Alternative für Deutschland gerät in Turbulenzen". Den Hamburger Appell haben Sie scheinbar nicht gelesen. Darin steht, dass billigere Arbeitskräfte aus Asien und Osteuropa Deutschland dazu nötigen könnten, die Löhne zu senken. Schlussfolgerung: "Millionen von überwiegend gering qualifizierten
    Arbeitslosen finden seit Jahrzehnten zu den herrschenden Löhnen keine Beschäftigung – mit
    ungebrochen steigender Tendenz (..) Die unangenehme Wahrheit besteht deshalb darin, dass
    eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur durch niedrigere Entlohnung der ohnehin schon
    Geringverdienenden, also durch eine verstärkte Lohnspreizung, möglich sein wird. Eine
    Abfederung dieser Entwicklung ist durch verlängerte Arbeitszeiten, verminderten
    Urlaubsanspruch oder höhere Leistungsbereitschaft möglich." Die Autoren foderten, der Staat solle DAGEGEN vorgehen. (Quelle: http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/wiso_vwl_iwk/paper/appell.pdf).

    Es steht nichts davon im "Hamburger Appell", dass Urlaub auf wenige Tage reduziert werden soll und erst recht nicht, dass Geringverdiener "bis zu ihrem Tod" arbeiten müssen. Zudem ist das Dokument von 2005 und hat nichts mit dem Parteiprogramm der AfD zu tun.

    Vielleicht sollten Sie sich zunächst selbst bilden, bevor Sie anderen mangelnde Bildung vorwerfen.

  • Ich meinte natürlich das ihn kaum noch jemand möchte und er seine Kanzler Kohle an die "Backe" schmieren kann. ...;-)

  • Ach der Mann mit seiner Steuererhöhung bis 25% Mehrwertsteuer, ist nur sauer das ihn kaum keiner mehr möchte und er seine fette Kanzler Kohle an die packe schmieren kann.

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