Wahlkampf im Netz
Merkel-Rauten und singende Genossinnen

Kurz vor der Bundestagswahl geht der Kampf um Stimmen auch im Internet in die heiße Phase. In sozialen Netzen sind viele Politiker aktiv. Doch welche Botschaften sich online durchsetzen, können sie kaum steuern.
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DüsseldorfWas ist das bloß für ein lustiger Wahlkampf: Andrea Nahles von der SPD versucht sich im Bundestag an einer schiefen Version von Pippi Langstrumpf - und wird in kürzester Zeit zum Youtube-Star. Das Team von Angela Merkel (CDU) plakatiert ein riesiges Wahlplakat am Berliner Hauptbahnhof mit ihrer typischen Handhaltung. Kurzerhand macht das Netz aus dieser Merkel-Raute per Photoshop eine witzige Bilder-Zusammenstellung: Auf dem Merkelrauten-Tumblr werden Körper zu den Händen der Kanzlerin montiert. Da hält Mr. Bean seinen geliebten Teddy fest, Philipp Rösler im Joggingdress seine Bild-Zeitung (als Anspielung auf die USA-Reise des FDP-Wirtschaftsministers) und der Joker von Batman schaut bedrohlich auf sein Wahlvolk hinab.

Vermutlich würde die FDP ihren jüngsten Faux-Pas auch gerne aus dem kollektiven Netzgedächtnis löschen: Die Liberalen nutzten dieselbe Familie für ihre Wahlwerbung wie auch die NPD sowie und ein finnischer Werbespot für Quark:

Geht es nach den Politikern, würden sie logischerweise lieber ihre positiven Wahlkampfslogans verbreiten. Doch dass ein Bild oder Statement im Netz populär wird, entsteht durch eine eigene Dynamik. So passierte es etwa mit der „Schlandkette“ der Bundeskanzlerin beim TV-Duell und beim Ausspruch ihres Kanzleramtsministers Ronald Pofalla, der die NSA-Affäre kurzerhand eigenhändig für beendet erklärte. Während die Bildersammlung „Pofalla beendet Dinge“ noch den Protest der Netznutzer über die Abwiegelung der Überwachungsaffäre ausdrückt, diente die Schlandkette bei Twitter bloß der Erheiterung. Diesen humorige Umgang kann man kritisieren, doch ist er auch eine Begleiterscheinung des Wahlkampfes im Netz. Es wird zunehmend selbstverständlich für die Parteien, sich in Sozialen Netzwerken zu präsentieren - und genauso wird der Spott über manche Themen nicht mehr bloß am Stammtisch, sondern im Internet verbreitet.

Denn auch die Trends zur Wahl sind im Netz präsent: Die Seite Twitterwahlen.de wertet Empfehlungs-Tweets aus und soll ein Stimmungsbild vermitteln. Ähnlich funktioniert das Tool Twitterbarometer des Bloggers und Autors Sascha Lobo: Es soll die „politische Stimmungslage im digitalen Deutschland“ erfassen. Die Krux dabei: Netzaffine Parteien wie die Piraten sind in diesen Umfragen meist deutlich überrepräsentiert. Ebenso die Unterstützer der Alternative für Deutschland, deren Facebook-Seite derzeit so schnell wächst, wie von keiner anderen Partei - während die klassischen Wähler von CDU oder SPD sich eher nicht an diesem Stimmungsbild beteiligen.

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Wie Steinbrück Werbung für einen Schülersprecher machte

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  • @Hofmann M: was nutzt ein Parteiprogramm bei den Etablierten, wenn sie sich nachweislich nicht mal an Koalitionsverträge halten? Erinnern Sie sich noch an Lügen-Merkel? Kein Ausstieg aus der Atomenergie, keine Abschaffung der Wehrpflicht, eine Steuerreform.... und alles das hat die Lügen-Kanzlerin bekanntlich auch exakt so umgesetzt, oder etwa nicht? Es wird Zeit, der Dame und ihren liderlichen Claqeusen am 22.09. den politischen Hosenboden stramm zu ziehen und zwar kräftig!

  • BIN NICHT DER EINZIGE , der das BILD VERSTANDEN HAT . ABER die WERDEN NIE SCHREIBEN . . . UND wer SCHWEIGT IST MITTÄTER UND STIMMT JA , DURCH SCHWEIGEN , SCHWEINEREI ZU und DURCH UNTERLASSEN . . .

  • @HofmannM @elly @Wechselwähler:
    So sehe ich das auch - das ganze Gelaber der etablierten Parteien und deren Spitzenkandidaten sind ein schwerwiegender Anschlag auf meinen Verstand. ICH WILL KEIN INHALTSLEERES GELABER MEHR - ich will, daß was im Interesse des BÜRGERS getan wird. Und deshalb wähle ich ebenfalls die AfD. Nicht nur, daß es einen Schuß vor den Bug gibt - dann könnte ich auch die Linke wählen. Nein - dass sich was ÄNDERT! FÜR den Bürger und vor allem im Interesse der politischen Kultur.

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