Wahlkampf transparent

„Chefs verdienen das 300-fache des Durchschnitts“

„ Früher hat ein Vorstandschef das Dreißigfache der Durchschnittseinkommen verdient, heute bekommt er das Dreihundertfache “ , sagt Peer Steinbrück. Hat er Recht? Handelsblatt Online macht den Lügendetektor-Test.  
12 Kommentare
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück provoziert mit seinen Aussagen einen neuen Test.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück provoziert mit seinen Aussagen einen neuen Test.

Aussage: Früher hat ein Vorstandsvorsitzender das Zwanzig- oder Dreißigfache der Durchschnittseinkommen in einem Unternehmen verdient, heute verdient er das Zweihundert- oder Dreihundertfache. Das hat mit Leistung nichts mehr zu tun. Wirtschaftliche Eliten haben eine Vorbildfunktion - und darüber sollten wir reden.

Das sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Interview mit dem Magazin Focus. Hat er damit wirklich recht? Handelsblatt Online prüft nach.

Faktenlage:

Tatsächlich sind die Vorstandsgehälter in den vergangenen 25 Jahren überproportional stark gestiegen. Eine Auswertung des Berliner Wirtschaftsprofessors Joachim Schwalbach für die 30 Dax-Konzerne zeigt: Zwischen 1987 und 2010 stieg das Verhältnis der Pro-Kopf-Gehälter zwischen Vorstand und Mitarbeitern im Schnitt vom 14- auf das 49-fache. Der bisherige Höchststand wurde 2007 erreicht. Im Jahr vor der Finanzkrise lag das Verhältnis beim 54-fachen.

Die Spanne bei den einzelnen Unternehmen ist breit. Besonders drastisch war das Missverhältnis beim Autobauer Volkswagen und beim Einzelhandelskonzern Metro. Bei VW lagen die durchschnittlichen Vorstandsgehälter im Jahr 2010 beim 103-fachen der durchschnittlichen Pro-Kopf-Gehälter – bei Metro lagen sie sogar beim 132-fachen.

Steinbrücks Aussage bezieht sich auf die Gehälter der Vorstandschefs. Lange Zeit mussten die Unternehmen diese nicht einzeln ausweisen, sondern nur einen Posten für die Vorstandsgehälter insgesamt. Wie viel jedes einzelne Mitglied des Vorstands verdiente, war daraus nicht ersichtlich. Deshalb lassen sich für früher nur die durchschnittlichen Gehälter des Gesamtvorstands vergleichen. Inzwischen weisen die Dax-Konzerne jedoch auch die Gehälter der Vorstandschefs einzeln aus.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn verdiente 2010 das 191-fache des durchschnittlichen Pro-Kopf-Gehalts bei Volkswagen, damit war er Spitzenreiter. Bei dem Vergleich gilt es zu bedenken, dass der Durchschnitt innerhalb des Unternehmens zählt. Bei der Deutschen Bank verdiente Josef Ackermann 2010 zum Beispiel rund neun Millionen Euro. Das war das 52-fache des durchschnittlichen Pro-Kopf Gehalts bei der Bank. Der Gehaltsschnitt bei der Deutschen Bank war einfach so hoch, dass Ackermanns neun Millionen Verdienst nicht so stark herausragte.

Bewertung:

In der Tendenz hat Steinbrück Recht, allerdings übertreibt er bei den Zahlen.

Testergebnis:

Bestanden

Den Lügendetektor-Test führt Handelsblatt Online in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institute unter Leitung von Professor Bert Rürup durch.

Startseite

Mehr zu: Wahlkampf transparent - „Chefs verdienen das 300-fache des Durchschnitts“

12 Kommentare zu "Wahlkampf transparent: „Chefs verdienen das 300-fache des Durchschnitts“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ): Die Wahrheit hat"s hier heute wieder mal sehr schwer und wird dem Klassenkampf geopfert.
    Z.B. daß "Manager", ob überbezahlt oder nicht, keine Unternehmer sind, sondern Angestellte ihrer Aktionäre.

  • "Wie Marx in einer Frage von so grundsätzlicher und entscheidender Bedeutung derart fehlgreifen konnte, ist schwer zu verstehen. Namentlich einem Forscher, der, wie Marx, sich geschichtlich zu orientieren pflegte, musste sich die Tatsache der Beobachtung und Prüfung geradezu aufdrängen, dass aller Regel nach die Handelsvölker die Arbeitsvölker unterwerfen, dass der Arbeiter gewöhnlich mitsamt seinen Produktionsmitteln, seinem Acker, Haus und Esel der Geldmacht verfällt. …und wie könnte man es verstehen, dass die Gesamtheit der Produktionsmittelbesitzer (Ausbeuter) in Deutschland und in Frankreich sich vor etwa 30 Jahren an den Staat wenden mussten, Hilfe erflehend durch Schutzzölle für Industrie und Landwirtschaft – wenn die Macht der Produktionsmittel hier nicht einer Übermacht, eben der Macht des Geldes, erlegen wäre?

    Das Geld ist alles andere als ein harmloses Äquivalent. Es ist, wie auch schon Lassalle sagte, das Kapital par excellence, es ist das Zaubermittel des Mehrwertes."

    Silvio Gesell, 1918

    Heute ließe sich darüber streiten, ob ein Herr Reithofer, Topmanager bei BMW, für seine 6,2 Mio. Euro Jahresgehalt genug gearbeitet hat, doch wenn es sich für BMW rechnet, sei es ihm gegönnt. Allerdings lässt sich nicht darüber streiten, dass die Familie Quandt, Hauptaktionär bei BMW, für ihre 650 Mio. Euro Rendite, die sie 2011 abkassierte, gar nicht gearbeitet hat. Es steht außer Frage, dass diese 650 Mio. Euro nicht verdient, sondern gestohlen wurden – gestohlen von vielen anderen Menschen, die für ihre jeweilige Arbeitsleistung unter normalen Umständen einen höheren Lohn verdient hätten. Wie konnte der Familie Quandt dieser Raubzug in aller Öffentlichkeit gelingen, ohne dafür angeklagt und von manchen sogar noch bewundert zu werden?

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/mammons-tempel.html

  • Korrekt, dann geht was! Nämlich das Bergab der deutschen Wirtschaft.

  • Verhaeltnis von 1 ('aermster' Angestellter) zu 4 (Chef) innerhalb des Unternehmens.
    Und fuer die Uebernahme des Risikos, gibt's anteilige +0.X zwischen Unternehmen in einer Produktionskette.
    Also, der Boss von VW wuerde 'nur' 4 mal so viel Schotter kassieren wie der aermste Angestellte von VW, wobei der VW Angestellte aber 1,X mal soviel verdienen wuerde wie ein Angestellter eines Lieferantenunternehmens, wobei natuerlich die X den Anteil des jeweiligen Teils am Gesamtpreis darstellen.

    Glaub, wenn man sich hinhockt und diese Grundidee versucht auszutuefteln, dann geht da scho was

  • Das sagt einer der dem Bundestag als "Volkvertreter" geschätzt 300 Tage fernbleibt um ca 2 Millionen an Honoraren zusätzlich zu seinen nicht gerade geringen Abgeordnetengehältern zu kassieren. Dazu kommen Honorare als Mitglied des Vortsands z.b bei Thyssen und West LB die allesamt mit seiner Hilfe vor die Wand gefahren wurden.
    Die Kunden der Stadtwerke Bochum dürfen das bezahlen.

    Halt doch die "Fresse" Peer Steinbrück würde manche Sozies lieber sagen.

  • Man sollte die Gehälter, die steuerlich als Betriebsausgaben abgesetzt werden, auf 500 000 Euro begrenzen. Alles was darüber hinaus geht, ist Sache der Firma, aber nicht der Steuerzahler.
    Es ist eine Perversität in Deutschland, und nicht nur hier, daß Vorstände mehrere Millionen Euro im Jahr plus eine extrem hohe Pensionszusage erhalten, wenn gleichzeitig im selben Betrieb Leute arbeiten, die nicht genügend Geld nach Hause bringen, um ihre Familie einigermaßen gut ernähren können.
    Ich bin wirklich erstaunt, daß sich das die deutsche Bevölkerung gefallen läßt.

  • Natürlich soll diese Aussage provozieren. Zumal Durchschnittseinkommen nicht sehr aussagekräftig sind. Nur der Medianwert wäre hier richtig. Denn im Durchschnittswert ist logischerweise auch das Gehalt des "Chefs" mit drin.
    Noch interessanter wäre es, die Entwicklung der Gehälter aufzuzeigen. Der Medianwert ist relativ gesunken, die Vorstandsgehälter exorbitant gestiegen.

  • DER DURCHSCHNITT LIEGT VIEL NIEDRIGER!

    Neben der schon in anderen Kommentaren angesprochenen Frage, auf welche Gruppe sich die Bezeichnung "Vorstandschefs" bezieht (z.B. DAX-Unternehmen, Aktien- oder Kapitalgesellschaften, ...) ist auch die Frage relevant, wer mit der Bezugsgruppe ("der Durchschnitt") gemeint ist.

    Zumindest aus den im Artikel enthaltenen Zitaten geht nicht hervor, daß der Durchschnitt des jeweiligen Unternehmens gemeint ist (dies mag aber aus dem Kontext der ursprünglichen Äußerungen hervorgehen, der mir nicht bekannt ist).

    Ohne weitere Konkretisierungen würde ich vom Durchschnitt DES BRUTTOEINKOMMENS ausgehen, das in Deutschland je nach exakter Definition und Quelle bei ca. 30.000 Euro per annum liegt; damit hätte Herr Steinbrück kaum noch, wenn überhaupt, übertrieben.

  • "„ Früher hat ein Vorstandschef das Dreißigfache der Durchschnittseinkommen verdient, heute bekommt er das Dreihundertfache “ , sagt Peer Steinbrück."

    Das sagt der Richtige!

    Peer Steinbrück hat bei WestLB kassiert, ohne dass er überhaupt hinging.

    Und die SPD geht mt ihm in den Kampf für ein besseres Deutschland? Man stelle sich vor, keiner ginge mehr zur Arbeit und er erhält trotzdem genug "Kohle"?

    Sollten wir nicht alle dem Vorbild Peer Steinbrück nacheifern, statt alles was er macht, auf eine Waagschale zu legen? So gut wie es Steinbrück geht, so wollen wir es auch!

  • ..................................
    ...WAHLKAMPFAUSSAGEN...
    LÜGEN ODER ÜBERTREIBUNGEN..??
    ..................................
    was ist sinn und zweck eines wahl-
    kampfes..??
    ..
    in erster linie die mobilisierung
    von unpolitischen, unkundigen aber
    wahlberechtigten bürgern..!!
    ..
    ca. 70% der wahlberechtigten inter-
    essieren sich weder für politik bzw.
    wirken an ihr aktiv mit..
    ..
    je bildungsferner, desto grösser der
    anteil der destinformierten und inter-
    essierten....aber auch nichtwähler..!!
    ..
    trotzdem kann diese bevölkerungsschicht
    über die zusammensetzung unserer parla-
    mente entscheiden, da ihr anteil an der
    gesamtbevölkerung immer grösser wird..
    ..
    das beeinflusst natürlich auch die wer-
    bung, die immer auf instinkte abzielt.
    ..
    hier liegt auch eine gefahr der verfüh-
    rung durch "stammtischparolen", die ex-
    treme parteien hoffähig machen könnten.
    ..
    fazit
    ..
    der wähler will im wahlkampf nur positive
    versprechen hören..!!
    realpolitische aussagen werden abgestraft.
    ..
    ..

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%