Wahlumfrage
Merkel ist „zölibatär“, Steinbrück ein „Trampeltier“

Bloß keine Veränderung: Die Deutschen wollen, dass alles gleich bleibt. Davon profitiert Kanzlerin Merkel – der „unberechenbare“ SPD-Herausforderer hat das Nachsehen. Doch die Umfrage offenbart noch andere Tendenzen.
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Köln/DüsseldorfDie Deutschen sind verliebt in die Gegenwart. Am Besten soll alles so bleiben wie es ist. Ohne weitere Zuwanderer, hektischen Aktivismus oder große Veränderungen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zur Stimmung im Land im Hinblick auf die Bundestagswahl. Das Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold hat mehr als 1000 Bundesbürger befragt. Zusätzlich wurden 52 Probanden einer tiefenpsychologischen Untersuchung unterzogen.

Vom Wunsch nach Stabilität profitiert Kanzlerin Angela Merkel. Sogar einige Sozialdemokraten setzen auf die Fortsetzung der Merkel-Ära. Immerhin 28 Prozent der SPD-Wähler und 29 Prozent der Grünen-Wähler verlassen sich auch künftig auf die Führung von Merkel durch die Krise. „Die Bevölkerung ist wie Frau Merkel, erst mal abwarten und aussitzen wie Kohl früher auch“, sagte ein Teilnehmer der Umfrage. Es plätschere alles so dahin, es sei nur wenig Bewegung im Lande, aber irgendwie werde es schon weiter gehen. Die meisten Wähler haben sogar das Gefühl, dass die Bundeskanzlerin ein „zölibatäres Leben“ führe, so die Studie. Demnach sei sie nur für die Bürger da und opfere sämtliche persönliche Leidenschaften und Interessen für das Gemeinwohl.

Während Merkel punktet, verliert Steinbrück. Die Befragten nennen ihn ein „Trampeltier im Porzellanladen“. Er sei unberechenbar. Beständigkeit wie bei Herausforderin Merkel? Fehlanzeige. Nur 66 Prozent der SPD-Wähler, also genau jene, die bei Peer Steinbrück ihr Kreuzchen machen werden, sagen, dass er Deutschland besser regieren könne als die Kanzlerin.

Auch nach dem TV-Duell am Sonntag hat sich daran nicht viel geändert: Die SPD hat in einer Wahlumfrage von Stern und RTL zwar ein Prozent zugelegt, dafür haben die Christdemokraten ein Prozent eingebüßt. Dennoch ist die CDU mit 40 Prozent nach wie vor und mit Abstand die stärkste Partei.

Dennoch bleibt Rot-Grün weiter hinter der schwarz-gelben Regierungskoalition zurück. Die Forschungsgruppe Wahlen gab am Donnerstag die neuesten Zahlen bekannt. Demnach käme Rot-Grün noch auf 36 Prozent. Union und FDP würden unverändert zusammen 47 Prozent erreichen.

Im Großen und Ganzen sei die Stimmung im Land wie auf einer „Plätscher-Party“. Die Politik soll die Versorgung und die kleinen Freuden des Alltags gewährleisten. Der Alltag werde auf Autopilot geschaltet, so die Autoren.

Es gibt jedoch noch eine weitere Besonderheit: Einige Befragte würden deutlich aggressiver als in den Umfragen der letzten Jahrzehnte auf „Zuwanderer und soziale Randgruppen“ reagieren, so die Autoren der Studie. Diese würden den Deutschen das Geld aus der Tasche ziehen. Diese Aggressivität führe auch, so die Studie, zu einer Sehnsucht nach einer deutschen Partei wie der „Alternative für Deutschland“ (AfD), die nationale Interessen vertrete, ohne gleich als „rechts“ zu gelten.

Raphael Moritz ist Handelsblatt Online Mitarbeiter.
Raphael Moritz
Handelsblatt / Freier Journalist

Kommentare zu " Wahlumfrage: Merkel ist „zölibatär“, Steinbrück ein „Trampeltier“"

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  • @ Gast

    Zitat : Fehlende mathematische Kenntnisse begünstigen diese Weltsicht.

    - können Sie diese Weltsicht auch belegen ? Oder haben Sie nur einen Fahren lassen ?

  • Hier im Forum gibt es ziemlich viele, die noch an den Weihnachtsmann. So etwa Leute, die sich VICARIO, ABWAHL oder FREIDENKER nennen.

    Fehlende mathematische Kenntnisse begünstigen diese Weltsicht.

  • „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
    Und der Spiegel antwortete:
    „Frau Bundeskanzlerin, Ihr seid die Beste und die Schönste hier, aber Eine,
    über den sieben Bergen bei den lieben Zwergen ist noch tausendmal besser
    und schöner als Ihr.“
    Als sie das hörte, kochte sie vor Wut und wollte sich dieses Mal etwas
    besonderes ausdenken.
    Mit DDR - Hexenkünsten lud sie alle Chefredakteure ins Kanzleramt und
    befahl ihnen, von fortan nur noch gutes über sie zu berichten.
    Von nun an berichteten die braven Redakteure und Journalisten nur das
    Beste und das was sie durften, - aber nicht das was sie eigentlich sollten.
    Journalisten lassen sich das bieten, Hänsel und Gretel nicht, aber das ist
    eine andere Geschichte!

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