Wegen Nichtraucherschutzgesetz
Lokalverbot für Grünen-Mitglieder

Ein Düsseldorfer Lokal wehrt sich gegen die Grünen, die ein Rauchverbot in allen Gaststätten in NRW durchgesetzt haben. Ein Schild verbietet Grünen den Eintritt. Ein persönlicher Wahlkampf – der nicht aussichtslos ist.
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DüsseldorfWenn Uta Steiner sich aufregt, fallen ihr die Haare ins Gesicht. Es geht um die Grünen, da passiert das öfter. Ihre Haare muss die Kneipen-Chefin dann wieder richten, indem sie mit beiden Zeigefingern ihre Strähnen nach hinten rückt. Ob sie die Grünen wählen werde? Steiner hält inne, richtet ihre Haare, fragt, ob die Nachfrage ernst gemeint sei und sagt: „Natürlich nicht, niemals, ich halte nichts von den Grünen. Gar nichts“, sagt die 60-Jährige.

Das Rauchverbot in den Gaststätten Nordrhein-Westfalens gilt seit Mai diesen Jahres. Seitdem brechen Steiner nach eigenen Angaben die Umsätze weg. Deswegen haben Mitglieder der Grünen nun Hausverbot in ihrem Lokal „Zum Franz“ in der Düsseldorfer Carlstadt. Am Eingang hat einer ihrer Stammgäste, wohlgemerkt ein Nichtraucher, ein Schild für sie befestigt: „Lokalverbot für Mitglieder der Partei Die Grünen – der Wirt.“

Für Steiner liegen die Gründe der schlechten Umfragewerte der Grünen genau an diesem Punkt: „Sogar die Nichtraucher regen sich darüber auf, dass die Kneipe leer ist. Es gibt null Kommunikation, null Lebensqualität.“ Für Raucher und Nichtraucher sterbe ihr zweites Wohnzimmer, so Steiner. Sie selbst raucht seit 40 Jahren etwa 30 bis 40 Zigaretten pro Tag.

Die Initiative zum aktuellen Nichtraucherschutzgesetz geht auf die Grünen zurück. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) erklärte, es gehe bei dem Gesetz nicht um Erziehung, sondern um den Schutz derjenigen, die sich nicht von einer Minderheit ihre Gesundheit ruinieren lassen wollen. Außerdem könne man am Beispiel Bayern erkennen, dass es kein Kneipensterben gebe, so Arif Ünal, Grünen-Sprecher für Gesundheit.

Damit hat das Land NRW nach Bayern nun das strengste Rauchverbot in Deutschland. Bisherige Ausnahmen für kleine Kneipen unter 75 Quadratmetern ohne Essensausgabe oder abgetrennte Raucherräume wurden gestrichen. Steiners Kneipe hatte von dieser Ausnahmeregelung profitiert, ihr Lokal misst etwa 50 Quadratmeter, Speisen bietet sie nicht an. Nun ist auch bei ihr der blaue Dunst verboten. Nach einer Umfrage von „Infratest dimap“ in NRW wünschen sich rund die Hälfte der Befragten kein Rauchverbot in den Gaststätten. 38 Prozent wünschten sich ein grundsätzliches Verbot.

Allerdings könnte es gegen das Verbot ein Volksbegehren geben. Die Initiative „NRW genießt“ hat nach eigener Aussage mehr als 4000 Unterschriften gegen das verschärfte Verbot gesammelt, die von den zuständigen Kommunen bereits bestätigt wurden, berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Damit hat das Bündnis die Mindestanzahl von 3000 Unterschriften geschafft, um ein solches Volksbegehren beantragen zu können. Nur das Wahlamt Köln muss die Unterschriftenlisten nochmals auswerten, weil es gültige Unterschriften fälschlicherweise strich. Das Bündnis wolle nicht zurück zum unbeschränkten Rauchen in der Gastronomie, sagte Christoph Lövenich, Sprecher von „NRW genießt“. Stattdessen wolle man Ausnahmen wie Raucherkneipen oder die Rauch-Erlaubnis im Karnevals-Zelt zurück. „Damit konnten sich alle arrangieren.“

„Die Umsätze sind schon jetzt um mehr als 30 Prozent gesunken. Für den Winter erwarten wir einen noch deutlicheren Einbruch“, sagt Thorsten Hellwig, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes NRW. „Die Leute wollen nicht raus in die Kälte und bleiben dann lieber zuhause.“

Jetzt stehen die meisten Raucher vor der Tür, so wie Gast Sascha Käfer. „Die Kneipe als Kulturgut geht verloren. Ein absolutes Rauchverbot ist einfach nicht richtig. Auch ich werde die Grünen nicht wählen“, sagt der 35-Jährige und zieht an seiner Zigarette. „Und jetzt regen sich die Anwohner auf, dass es draußen so laut ist. Ja warum? Weil wir draußen rauchen müssen.“ Auf jedem der Tische, die vor dem Lokal stehen, liegt mindestens eine Zigarettenschachtel.

Kneipen-Chefin Steiner will jetzt eigenen Wahlkampf gegen das Rauchverbot machen: „Wir gehen in den kommenden Wochen noch auf Demonstrationen gegen das Rauchverbot der Grünen“, sagt sie. Ohne Außengastronomie wäre sie längst pleite, sagt die 60-Jährige. Jetzt hofft Steiner auf ein Ende des Verbotes. „Die Bevormundung muss einfach aufhören!“ Trotz ihrer Aufregung: Wenn wirklich ein Grüner in ihrem Lokal ein Bier trinken wolle, „werde ich ihn nicht rauswerfen“, sagt sie. Vielleicht müsse er sich dann aber von ihr etwas anhören, sagt sie, richtet ihre Haare und lacht.

Raphael Moritz ist Handelsblatt Online Mitarbeiter.
Raphael Moritz
Handelsblatt / Freier Journalist

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  • Ich selbst bin Nichtraucher bzw. Gelegenheitspaffer. Ich fühle mich seit jeher unter Rauchern wohler als unter Gesundheitsfanatikern jeder Art, denn letztere gehen mir auf den Sack.
    Es ist den Gesundheitsaposteln unbenommen, sich in "gesunden" Lokalen mit Seinesgleichen gegenseitig anzunerven.
    Ich verzichte - gerne - auf die Gesellschaft aller "Empfindsamen" dieser Sorte! Und die meisten Raucher sicher auch.
    Aber die Gesundheitsfanatiker können, wie alle Fanatiker es nicht ertragen, daß andere ohne ihre guten Ratschläge leben möchten; sie wollen Macht über die Ketzer ausüben.

    Ich bin wütend, daß die BRD-Bürger heute solche Mennen sind, sich von Fanatikern in ihren Privatbereich hineinregieren zu lassen.

    Letztlich geht es doch wohl um die Vernichtung des "Stammtisches", wo das einfache Volk sich täglich zu Spiel und Geselligkeit traf und sich austauschte. Der Stammtisch ist höchst suspekt, denn hier wird auch diskutiert, eigene Meinung gebildet. Und die Meinung soll ungestört nur von der BILD oder der Glotze kommen.

    Verbietet die Verbeiter!

    Nobbi / KA

  • "07.09.2013, 09:21 Uhr Anonym"

    Mag sein!
    Ich bin übrigens schon immer überzeugter Nichtraucher.
    Der Rauch in Gaststätten hat mich früher auch gestört, und wenn es zu schlimm war, ist man da eben nicht mehr hingegangen, spätestens wenn man Kinder hat!
    Mir ging es in meinem Beitrag aber vor Allem um diese unerträgliche Bevormundung!
    Die ist inzwischen typisch für DE, nicht nur bei diesem Thema!

  • Dass das Gesetz gekommen ist, ist einzig und allein Schuld der Wirte - und nicht der Grünen.

    Vor dem neuen Gesetz der Grünen existierte kein Nichtraucherschutz in NRW: NRW war das Raucherparadies.

    Das lag daran, dass das alte, äußerst lasche Gesetz von den Betreibern sogar noch hintertrieben wurde. Beispiel Diskothek: Dort waren alle die Bereiche, weswegen man dort hingeht, als Raucherbereiche ausgewiesenen. Für die Nichtraucher blieben Treppenhäuser, Kassenbereiche, Vorräume und der unbeliebteste Raum vorzugsweise im Keller, in denen Schlage für die alten gespielt wurde. So kam man flächenmäßig auf einen größeren Bereich, trat den Nichtraucherschutz jedoch mit Füßen. Und selbst die vorgeschriebenen Türen wurde nicht geschlossen, sondern vorzugsweise mit großen Stand-Aschenbechern aufgehalten, so dass man selbst vor den Räumen im Qualm stand.

    Bitte jetzt nicht damit kommen, man kann ja aussuchen, wohin man geht: NRW ist ein Flächenland, in den meisten Orten gibt es höchstens eine Diskothek. Man hat also keine Wahl.

    Im übrigen beschwerne sich meienr erfahrung nur die "laten" bin slebter älter. Die Jungend nicht. Das Problem wird sich also biologisch lösen.

    Das Ende der Kneipen liegt m. E. auch nicht am Gesetz. Kneipen sind out. Welcher jugendlicher geht dort hin? Selbst zu meiner Jugend waren die schon out. Die Wirte haben verpasst, sich an die neuen Gewohnheiten anzupassen.

    Und wenn hier einer schriebt, früher war Rauch normal. Quatsch. Meine Augen haben schon als Jugendlicher davon getränt. Und dann die ekelhaft stinkende Kleidung wenn man abends aus war. Igitt! Wenn man nur eine Stunde weg war, musste sofort alles in die Wäsche.

    Die Wirte hatten jahrelang eine Chance, fair zu sein. Die haben sie nicht genutzt.

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