Werben um Koalitionspartner
Keiner will zur Damenwahl

Die FDP ist raus – nun braucht Merkel einen neuen Koalitionspartner. Doch während ihre Leute erste Avancen in Richtung Rot und Grün machen, geben die sich zurückhaltend. Wie mögliche Koalitionen aussehen könnten.
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BerlinNein, Mitleid hatten wohl nur die wenigsten an diesem Wahlabend in der CDU-Parteizentrale in Berlin. Die Union, nach dem historischen Wahlsieg besoffen vor Glück, feierte eine große Party, während unweit des Konrad-Adenauerhauses bei der FDP die Tränen flossen. Der kleine, wenig geliebte Koalitionspartner ist erstmals aus dem Bundestag geflogen. Fernsehbilder von weinenden Liberalen quittierten die bierseligen CDU-Gäste mit einem schadenfrohen „Oooh“.

Während der harte Kern an diesem Montag seinen Rausch ausschläft, geht es seit den Morgenstunden in den Gremien der CDU schon zur Sache. Was fangen wir an mit den sensationellen 41,5 Prozent der Stimmen? Da es knapp doch nicht für eine Alleinregierung reicht, muss Kanzlerin Angela Merkel nun einen neuen Koalitionspartner finden.

Nach dem Abgang der FDP bleiben der Union im Grunde nur noch zwei Möglichkeiten: eine Große Koalition mit der SPD. Oder die erste schwarz-grüne Regierung auf Bundesebene. Auf der anderen Seite könnte sich zumindest theoretisch noch eine linke Regierungsmehrheit finden und den Kanzler stellen, sollten sich SPD, Grüne und die Linkspartei zusammentun. Und wenn am Ende gar niemand koalieren will, blieben als letzte Möglichkeit sogar Neuwahlen. Die Szenarien im Einzelnen:

Große Koalition aus Union und SPD – wahrscheinlich

Diese Konstellation hatte bereits vor der Wahl als das Wahrscheinlichste gegolten – auch wenn die Union stets für Schwarz-Gelb und die Sozialdemokraten stets für Rot-Grün trommelten. Merkel wird aber gleichzeitig nachgesagt, im Zweifel die Roten den Gelben vorzuziehen. Die Zusammenarbeit mit der SPD von 2005 bis 2009 soll sie als angenehmer empfunden haben als die Ehe mit der FDP danach.

Trotzdem ist eine Neuauflage von Schwarz-Rot noch lange nicht ausgemacht. Wie Äußerungen mehrerer Unions-Spitzenleute am Montag zeigten, ist die Partei gespalten in der Frage, mit wem man eher koalieren könnte. So sprach sich am Morgen etwa Unionsfraktionschef Volker Kauder indirekt für ein schwarz-rotes Bündnis aus. „Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir in eine große Koalition gehen“, sagte der CDU-Politiker.

Die Kanzlerin denkt offenbar genauso. Merkel sprach von einem „ersten Kontakt“ mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, der aber ohne konkretes Ergebnis geblieben sei. Gabriel habe sie „verständlicherweise“ gebeten, dass die SPD zunächst am Freitag ihren Parteikonvent abhalten wolle.

Gemeinsamkeiten zwischen Union und SPD gibt es unter anderem in Europa-Fragen, überhaupt sind die beiden in der Außenpolitik nicht weit voneinander entfernt. Auch in vielen innenpolitischen Themen gibt es Überschneidungen, erst recht nachdem Merkel in den vergangenen Jahren programmatisch bei den Sozialdemokraten gewildert hatte.

Kommentare zu " Werben um Koalitionspartner: Keiner will zur Damenwahl"

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  • „Wir haben vor der Wahl gesagt, dass es Rot-Rot-Grün nicht gibt“

    „Ich seh's nicht mit der Union, ich seh's nicht mit der FDP, ich seh's auch nicht mit der Linkspartei.“

    Tja, schön blöd für die SPD. Aber das war natürlich alles vor der Wahl. Jetzt werden sie wahrscheinlich feig sein und werden dann von Mutti wieder auf ihre Zimmer geschickt.

    Hätte die SPD doch nur mal ein halbes Ei in der Hose, dann könnte sie die Sache jetzt in die Hand nehmen und regieren. Beweisen dass die Leute dort was wert sind, wenn die Politik die sie betreiben gut ist, wirds auch zur nächten Wahl wieder passen. Wenn sie sich jetzt (wieder) der Merkel unterjochen werdens nach der nächsten Wahl wohl keine 15% mehr sein.

  • ich WILL ABER JA , NEIN ODER HÄÄÄ SAGEN FÜR mich ALS SOUVERÄN und NICHT IRGENDWELCHE BEHAUPTENDE ZU WISSENDE , WAS ich WILL und MORALISCH ZULÄSST .
    Bin ich 0,00∞ 1 könnt ihr NUR 0 oder 1 sein für mich und ich las euch Wahl mir zu zeigen
    VERSTEHST DEMOKRATIE oder NUR DEMOKRATUR , WO NACH GEWISSEN MIT BESCHISSENER MORAL AUFGESUCHT UND NUR SELBSTBEWUSSTE SEIN DÜRFEN UND NIE ALLBEWUSSTE . . . UND FRAKTIONSZWANG . . . HAMMELSPRUNG KOSTET BEI DEMOKRATUR SOZIALSTUFE . . .
    Bin ich 0,00∞ 1 könnt ihr NUR 0 oder 1 sein für mich und ich las euch Wahl mir zu zeigen

    ODER BIN DOCH EIN TEIL VON JEDEN ?

  • Man sollte mit der 3% Mauer anfangen wie in der EU aber mit 5% halten wir wie bei dieser Wahl 15 Millionen Menschen draussen die kleine Parteien incl der FDP gewählt haben.

    Sonst wäre noch ein Vorschlag nicht mit 2 Stimmen zu wählen sondern mit 10 die man verteilen kann.

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