Bundestagswahl
Die Linke setzt zum Höhenflug an

Die Linke fordert einen sofortigen Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan und profitiert nun offenbar von der Debatte über den Luftangriff mit Dutzenden Toten bei Kabul: Gut zwei Wochen vor der Wahl legt die Partei in einer neuen Umfrage deutlich zu. Für Schwarz-Gelb sieht es hingegen schlecht aus. Angesichts der Umfragewerte forderte Unions-Fraktionsvize Bosbach die CDU zum Lagerwahlkampf auf.

pm/HB HAMBURG/BERLIN. In der im Mittwoch veröffentlichten wöchentlichen Forsa-Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders RTL und des Magazins „Stern“ gewinnt die Linkspartei im Vergleich zur Vorwoche vier Punkte hinzu und liegt nun bei 14 Prozent. Es ist für die Linke der beste Forsa-Wert in diesem Jahr. Die Erfolge bei den jüngsten Landtagswahlen dürften ebenfalls zu den guten Umfragewerten auf Bundesebene beigetragen haben. Forsa-Chef Manfred Güllner erklärte die starken Gewinne vor allem mit der Diskussion über rot-rote Bündnisse im Saarland und Thüringen. Wenn die SPD jetzt die Schleusen nach links öffne, mache sie die Linke salonfähig, sagte er dem Magazin „Stern“. Viele Wähler würden dann gleich zu den „radikalen Vereinfachern“ gehen. Union und FDP erreichen hingegen mit zusammen 49 Prozent den schlechtesten Forsa-Wert seit der zweiten Januarwoche.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) forderte seine Partei auf, sich im Wahlkampf verschärft mit dem rotrotgrünen Lager auseinanderzusetzen. „Es hat keinen Sinn, sich nur am Vorsprung vor der SPD zu berauschen“, sagte Bosbach dem Handelsblatt. „Es hat keinen Zweck zu sagen, wir dürfen keinen Lagerwahlkampf führen, wenn sich bei der Bundestagswahl nun mal zwei Lager gegenüberstehen.“ Bosbach machte deutlich, dass die Beteuerungen der SPD, im Bund nicht mit der Linken zu koalieren, wenig glaubhaft seien. „Die nächste SPD-Fraktion im Bundestag dürfte deutlich linker sein als die bisherige. Die, die gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken sind, werden dies daher nicht verhindern können“, sagte Bosbach.

Die Stärkung der Linkspartei in den jüngsten Umfragen überrasche ihn nicht, so Bosbach weiter. „In der zu Ende gehenden Wahlperiode haben wir den Menschen viel Unpopuläres zugemutet – dies nutzten hemmungslose Populisten aus.“ Die Diskussion um den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan beflügele die Linke zusätzlich. „Das Drama vom vergangenen Freitag ist weiter Wasser auf die Mühlen derer, die damit skrupellos Stimmung machen, so Bosbach zum Handelsblatt.

Nach der Forsa-Umfrage erreichen SPD, Grüne und Linke gemeinsam 45 Prozent, ein Punkt mehr als in der Woche zuvor. Ihr Rückstand auf Schwarz-Gelb verkürzt sich dank des Zugewinns der Linken von 6 auf 4 Punkte. Der Umfrage zufolge müssen Union, SPD und Grüne leichte Verluste verkraften. Die Union fällt um einen Punkt auf 35 Prozent und liegt damit auf dem Niveau ihres Wahlergebnisses von 2005, als sie 35,2 Prozent der Stimmen erhielt. Die Aufholjagd der SPD bleibt weiter aus: Die Partei verschlechterte sich um einem Punkt auf 21 Prozent. Die Grünen rutschten um zwei Punkte auf zehn Prozent ab. Die FDP liegt weiterhin bei 14 Prozent. Sonstige Parteien erhalten sechs Prozent. Nach einer Forsa-Analyse könne die Linke inzwischen in allen westlichen Bundesländern bei der Wahl am 27. September mit mehr als fünf Prozent rechnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) büßte bei den Deutschen an Beliebtheit ein. Auf die Frage, wen sie direkt zum Kanzler wählen würden, entschieden sich 53 Prozent für die CDU-Chefin, vier Punkte weniger als in der Vorwoche. Für SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier würden 20 Prozent stimmen, zwei Punkte mehr als in der Woche zuvor.

In der Allensbach-Umfrage für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Mittwoch legte die Linkspartei zwei Punkte auf 11,5 Prozent zu. Union, SPD und Grüne büßen gegenüber der Vorwoche je einen halben Punkt ein, die FDP einen Punkt. Demnach könnte die Union mit 35 Prozent rechnen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, ihr Wunschpartner FDP mit 13 Prozent. Die SPD sackt auf 22,5 Prozent ab, die Grünen auf 13 Prozent. Ein schwarz-gelbes Bündnis käme demnach auf 48 Prozent, das linke Lager auf 47 Prozent.

Für die Sonntagsfrage befragte Forsa 2502 Bundesbürger zwischen dem 1. und 7. September, die Allensbach-Umfrage wurden zwischen dem 26.8. und 2.9. erhoben.

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