Bundestagswahl
Mehrheit für Schwarz-Gelb, Klatsche für SPD

Bei der Bundestagswahl zeichnet sich eine Mehrheit für Schwarz-Gelb ab. Die Union bleibt stärkste Kraft, die FDP konnte zulegen. Eindeutiger Verlierer der Wahl ist die SPD, sie wird in die Opposition gehen müssen.

HB BERLIN. Nach vier Jahren großer Koalition bahnt sich in Deutschland ein Regierungswechsel zu Schwarz-Gelb an. Dank eines sensationellen FDP-Ergebnisses bei der Bundestagswahl am Sonntag kann Kanzlerin Angela Merkel (CDU) künftig voraussichtlich mit ihrem Wunschpartner regieren - obwohl die Union nach der ersten Hochrechnung von ARD und ZDF erneut schwach abschnitt. Mit Überhangmandaten wurde Schwarz-Gelb eine klare Parlamentsmehrheit vorhergesagt. Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier fuhr das schlechteste Ergebnis seit 1949 ein. Sie muss nach elf Jahren an der Regierung in die Opposition.

Die FDP unter ihrem Vorsitzenden Guido Westerwelle holte das beste Ergebnis ihrer Geschichte und kann erstmals seit 1998 wieder mitregieren. Grüne und Linke erzielten ebenfalls zweistellige Rekordergebnisse, können angesichts der höchsten Verluste der SPD bei einer Bundestagswahl Schwarz-Gelb aber nicht verhindern. CDU-Chefin Merkel wurde als sechster Regierungschef nach Konrad Adenauer (CDU), Willy Brandt, Helmut Schmidt (beide SPD), Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) im Amt bestätigt. Die Union konnte aber nicht von den hohen Popularitätswerten der Kanzlerin profitieren.

Nach den von der ARD ermittelten Zahlen kommen CDU und CSU auf 33,4 Prozent der Stimmen nach 35,2 Prozent vor vier Jahren. Nach den Zahlen des ZDF entfallen auf die Union 33,5 Prozent.

Die SPD rutschte auf 22,7 (ZDF: 23,3) Prozent nach 34,2 Prozent 2005. Es ist das schlechteste Ergebnis der Sozialdemokraten bei einer Bundestagswahl überhaupt. Drittstärkste Kraft bleibt die FDP, der Wunschpartner von Kanzlerin Angela Merkel und der Union. Die Liberalen legten in der ARD-Hochrechnung auf 14,8 Prozent zu von 9,8 Prozent (ZDF: 14,6).

Die Grünen verbesserten sich auf 10,6 (ZDF: 10,2) Prozent nach 8,1 Prozent. Die Linkspartei kam auf 12,5 (ZDF: 12,9) Prozent und erreichte ihr bestes Ergebnis auf Bundesebene. Vor vier Jahren hatte die Vorgängerpartei PDS 8,7 Prozent erzielt.

Die Wahlbeteiligung fiel mit rund 72 Prozent auf den niedrigsten Stand bei einer Bundestagswahl. Vor vier Jahren hatte sie 77,7 Prozent betragen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erfreut über die Chance einer schwarz-gelben Koalition gezeigt. „Wir haben etwas Tolles geschafft. Wir haben es geschafft, unser Wahlziel zu erreichen, eine stabile Mehrheit in Deutschland zu schaffen in einer neuen Regierung“, sagte die CDU-Chefin nach der Bundestagswahl am Sonntag. Sie wolle dennoch Kanzlerin aller Deutschen sein.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier will nach der schweren Niederlage der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl Oppositionsführer werden. Dies kündigte der Außenminister am Sonntagabend in Berlin an. „Ich habe diese Verantwortung als Spitzenkandidat gern getragen, und deshalb sage ich gerade an diesem bitteren Abend: Ich werde aus der Verantwortung nicht fliehen“. Er dankte ausdrücklich allen Unterstützern im Wahlkampf und den Wählern. Er versicherte ihnen, die Stimme für die SPD sei keine verlorene Stimme gewesen. Zwar werde Schwarz-Gelb eine Mehrheit im Bundestag künftig haben. Die SPD werde aber eine starke Opposition sein.

CDU/CSU und FDP hatten sich trotz gegenseitiger Attacken im Wahlkampf zu einem Regierungsbündnis bekannt. Union und Sozialdemokraten kündigten an, die vierjährige Zusammenarbeit nicht fortsetzen zu wollen. Allerdings sorgte SPD-Finanzminister Peer Steinbrück mit dem Satz für Wirbel, eine Fortsetzung der großen Koalition wäre "kein Unglück". Kanzlerin Merkel sagte im Wahlkampf: "Die große Koalition wird es nicht mehr geben."

Insgesamt waren am Sonntag 62,2 Millionen Bundesbürger zur Wahl aufgerufen. Für die 598 Sitze im Bundestag, die durch Überhangmandate zunehmen können, bewarben sich 3556 Kandidaten. Zugelassen waren 27 Parteien. Angesichts von 20 bis 30 Prozent unentschlossenen Wählern hatten die Parteien bis zuletzt um ihre Gunst gebuhlt.

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