Bundestagswahl
Online-Wahlkampf: Viel Lärm um Nichts

Twitter, Facebook, Youtube - die Parteien nutzen zur Bundestagswahl viele Wege im Internet um neue Wähler anzusprechen. Internetexperten und Wahlforscher bezweifeln jedoch, dass die Kampagnen den Ausgang der Bundestagswahl beeinflussen. Die Online-Kampagen motiviere vor allem die eigenen Anhänger.

BERLIN. Im Internet zählt Karl-Theodor zu Guttenberg noch nicht zu den politischen Stars. Sogar seine eher unprätentiöse Chefin Angela Merkel übertrifft ihn bei Facebook mit 17 000 zu 9 000 Fans um Längen. Auch die anderen Spitzenkandidaten der Parteien tummeln sich in den sozialen Netzwerken des Internets, rühmen sich ihrer zahlreichen Sympathisanten und werten nicht zuletzt deshalb ihren bisherigen Online-Wahlkampf als Erfolg. Internetexperten und Wahlforscher bezweifeln jedoch, dass die Kampagnen den Ausgang der Bundestagswahl beeinflussen.

Konkrete Zahlen über den bisherigen Erfolg der Onlinekampagnen der Parteien gibt es nicht. Thorsten Schneider-Haase vom Marktforschungsinstitut TNS-Emnid schätzt diesen aber als gering ein: "Der Einfluss auf entscheidende Zielgruppen wie Wechselwähler, Unentschlossene oder politisch Desinteressierte ist fast nicht vorhanden." Und Bürger, die Websites von Parteien und soziale Netzwerke nutzen, seien in der Regel politisch interessiert und ließen sich nicht ohne weiteres beeinflussen.

Auch Forsa-Chef Manfred Güllner beurteilt die Wirkung der Internetkampagnen negativ: "Diese haben den etablierten Parteien nicht genutzt." Natürlich sei das Internet als Kommunikationskanal ein Muss. Aber Effekte auf die Bundestagswahl erwartet er nicht. Das Internet könne nur helfen, die Anhänger bei Laune zu halten. Dies gelte vor allem für die SPD, die bei der letzten Europawahl ein Problem hatte, ihre potenziellen Wähler zu motivieren, an die Wahlurne zu gehen.

Der Grund für die relative Wirkungslosigkeit des Wahlkampfs im Internet: Die deutschen Parteien hinken mit ihren Onlineauftritten meilenweit hinterher. "Die Parteien haben ihre verstaubten Kommunikationskonzepte auf dem Papier einfach digitalisiert," kritisiert Wahlforscher Güllner. Wichtig sei vor allem die direkte Kommunikation mit dem Bürger - und die finde trotz aller Bemühungen der Parteien in Deutschland nicht statt. Dabei habe der jetzige Präsident der USA, Barack Obama, im letzten Jahr doch gezeigt, wie man es richtig macht.

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