Bundestagswahl
Trittin will Grünen-Spitzenkandidat werden

Bundeskanzler Jürgen Trittin - dieses Szenario wird zwar eher nicht eintreten. Dennoch stellen die Grünen auch im kommenden Jahr einen eigenen Kandidaten auf. Trittin will zumindest helfen, Schwarz-Gelb zu stürzen.
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BerlinGrünen-Fraktionschef Jürgen Trittin will Spitzenkandidat für die Bundestagswahl werden. "Ich trete an und möchte einer der beiden Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen sein", sagte er dem Magazin "Der Spiegel". Trittin wollte sich in dem am Wochenende veröffentlichten Interview nicht dazu äußern, welche der möglichen Bewerberinnen Renate Künast, Claudia Roth oder Katrin Göring-Eckardt er als Partnerin in der Doppelspitze bevorzugen würde. "Mit allen Frauen, über deren Kandidatur bisher spekuliert wird, kann ich gut zusammenarbeiten", sagte er. Als Wahlziel gab Trittin aus, die schwarz-gelbe Koalition abzulösen. Sollte es nach der Bundestagswahl nicht für eine rot-grüne Regierung reichen, erwarte er eine große Koalition. Ein Regierungsbündnis mit der Union lehnte Trittin ab.

Ob die beiden Spitzenkandidaten der Grünen durch eine Urabstimmung unter den Mitgliedern oder den nächsten Parteitag bestimmt würden, hänge von der Zahl der Bewerbungen ab, sagte Trittin. Wenn es nur zwei Bewerbungen gebe, reiche vielleicht eine Parteitagsentscheidung. Allerdings sei nicht sicher, dass er durchkomme. Vielleicht wolle die Partei auch zwei Frauen an der Spitze. "Ich bin als Mann nicht gesetzt", sagte der 58-Jährige.

Als Wahlziel gab Trittin aus, das Ergebnis der letzten Bundestagwahl von 10,7 Prozent deutlich zu verbessern, damit es für die Ablösung der schwarz-gelben Koalition reiche. Ein konkretes prozentuales Wahlziel lehnt er ab. Er habe sich schon lange abgewöhnt, "mir irgendwelche Zahlen vor die Nase zu halten".

Eine weitere Regierungsoption neben einer rot-grünen Koalition sieht Trittin für die Grünen nicht. Für ein Bündnis mit der Union gebe es keine Basis wegen der Uneinigkeit der Unionsparteien in der Europapolitik. Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel habe keine Kontrolle über die CSU in Bayern, die vollends zu einer antieuropäischen Regionalpartei verkümmere. "Und ich kann mir nicht vorstellen, mit einer antieuropäischen Partei wie der CSU eine Regierung zu bilden", sagte der Grünen-Fraktionschef. "Im September 2013 gibt es entweder eine eigene Mehrheit von SPD und Grünen, oder es gibt eine Rückkehr zur großen Koalition", sagte er voraus. Eine rot-grüne Minderheitsregierung dürfte ebenso wenig funktionieren wie eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.

In den jüngsten Umfragen sind SPD und Grüne zwar stärker als Schwarz-Gelb, aber noch deutlich von einer eigenen Mehrheit entfernt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundestagswahl: Trittin will Grünen-Spitzenkandidat werden"

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  • Das mit dem Dosenpfand war ja nun wirklich der größte Knaller den sich ein Politiker erlauben konnte es hat sich ja nun rausgestellt das Mehrweg viel Umweldschätlicher ist.
    Am besten er tritt zurück und bringt nicht nochmehr schaden über uns.

  • An @Oeko-Bauer
    Die Einführung von Dosenpfand war so überflüssig wie ein Blinddarm. Hätte sich Trittin um die Endlagerfrage für den Atomabfall gekümmert, würden wir mit „Wohlwollen“ an Herrn Trittin denken. Da hätte ein Grüner sich ein Denkmal setzen können.

    Das mit dem Dosenpfand ging daneben und kostet den Handel viel Geld, was täglich auf uns Verbraucher umgelegt wird.

    So Leute braucht die grüne Welt nicht.

  • @Energieelite
    Ich dachte, die Pöstchenzuschieberei ist nur unter den Genossen der SPD üblich.

    Herr Trittin ist vollkommen unglaubwürdig, er hat in seiner Zeit (7 Jahre) als Umwelt-, Naturschutz- und Reaktorsicherheitsminister nix nachhaltiges auf die Beine gebracht.

    Nur die Solarindustrie wurde damals mit Hilfe der Grünen und SPD und dem „Geld des kleinen Mannes als Stromabnehmerkunde“ bis an die Ober-Kante gefördert, jetzt zahlen die kleinen Leute die Zeche mit der Stromabgabe etc. Auf diese Leistungen brauchen die damaligen Regierungsparteien mit dem Grünen Herrn Trittin an der Spitze nicht stolz zu sein.

    Im Rückblick ist es beschämend, was von den großen Erwartungen aus dieser Zeit übrig geblieben ist. Nur die jetzige Regierung ist dabei, den Energiewirrwahr (auch unter Kohl) ein Ende zu bereiten. Dies wäre Aufgabe der Grünen in ihrer Mit-Regierungszeit gewesen für nachhaltige Energie zu sorgen. Wenn ich an die Atom-Endlagersache unter den 7 Jahren Verantwortung von Herrn Trittin denke, wird mir schlecht. Ein guter Grüner hatte in dieser Zeit tragfähige und glaubwürdige Konzepte erarbeiten können, wenn das Engagement und das Können vorhanden gewesen werden.

    Wenn ein Grüner im Bundestag, Regierung etc. als Vordenker sitzt, sollte er als Vorbild „immer“ auf Dienstwagen, Flugzeug etc. verzichten. Wenn sich die Grünen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht anfreunden können, sollten sie Vorbild sein und ihren Privatwagen für Dienstfahrten nutzen. Entschädigung 0,30 Euro pro Entfernungskilometer, so wie für uns auf dem Weg zur Arbeit.

    Von Gehalt und Pensionen sollten gerade die Grünen und die Genossen auf mindestens 50% verzichten und diese Gelder der EU spendieren. Das wäre echte, gelebte Solidarität mit Griechenland, Spanien, Italien etc. Das würde bestimmt gut ankommen und hätte Vorbildfunktion in der EU für andere EU-Politiker.

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