Bundestagswahl
Umfrageergebnisse sind nicht die Welt

Nur noch 22 Prozent? Dort sieht eine Forsa-Umfrage die SPD. Der jüngste Deutschlandtrend der ARD sieht kaum besser aus. Ganz ruhig, sagen Experten: Solche Umfragen sind wenig aussagekräftig und beeinflussen Wähler nicht.
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BerlinDer Parteienforscher Jürgen Falter hält den Umgang der meisten Medien mit Wahlumfragen für „bewusst fahrlässig“. Kleine Veränderungen in den Ergebnissen der Sonntagsfragen würden viel zu oft als Sensationsergebnis verkauft, kritisiert der Mainzer Professor. „Da wird aus einem Prozentpunkt ein Riesenballon gemacht, dabei stellt ein Prozentpunkt nie eine signifikante Veränderung dar.“ Die Umfragen zur Bundestagswahl lägen seit Monaten im gleichen Bereich, „die berichteten Schwankungen sind eher Zufallsschwankungen“.

Wahlumfragen seien Stimmungsbilder, keine Verhaltensprognosen - und zudem keine exakte Wissenschaft, warnte Falter. „Umfragen sind immer Kunsthandwerk: viel Handwerk, aber auch ein bisschen Kunst, Fingerspitzengefühl, Pi mal Daumen.“

Am Mittwoch hatte eine Forsa-Umfrage für Aufsehen gesorgt, der zufolge die SPD nur noch auf 22 Prozent der Wählerstimmen käme. Das ist deutlich weniger als bei anderen Instituten. Im Willy-Brandt-Haus unterstellt man dem Institut tendenziöse Zahlen. Auch der Medienjournalist Stefan Niggemeier erhob diesen Vorwurf.

Dass es Unterschiede zwischen den Ergebnissen einzelner Institute gibt, erklärt Falter mit unterschiedlichen Verfahren. „Das sind immer behandelte Ergebnisse“, sagte der Politikwissenschaftler. „Zum Beispiel erreichen die Institute bei Umfragen über Festnetztelefon mehr Witwen und Heimarbeiter und weniger Jugendliche, Monteure oder Fernfahrer.“ Deshalb würden die Daten gewichtet, um dennoch ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten.

Allerdings stellt Falter fest: „Forsa misst die SPD fast durchgehend deutlich niedriger.“ Dabei liege das Ergebnis jedoch fast immer noch innerhalb des Zufallsfehlers. Sprich: Unter Berücksichtigung der üblichen Fehlertoleranz von plus/minus 2,5 Prozentpunkten bei den Umfragewerten liegen die Ergebnisse gar nicht so weit auseinander. Forsa müsse sich allerdings schon die Frage stellen lassen, warum nur der Wert der SPD so stark abweiche.

Eigentlich sei es sinnvoller, einen Mittelwert der einzelnen Ergebnisse heranzuziehen. „Das Problem ist: Damit wird Politik gemacht“, sagte der Wissenschaftler. Dabei sei allerdings nicht klar, wie die Umfragen sich letztlich auswirken: „Profitiert die Union, wenn sie überschätzt wird? Oder wirkt das eher demotivierend für ihre Anhänger?“ Im Saldo dürften sich die Umfragen nach Einschätzung Falters kaum auf das Wahlergebnis auswirken, „weil Mobilisierungs- und Demobilisierungseffekte sich tendenziell aufheben“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundestagswahl: Umfrageergebnisse sind nicht die Welt"

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  • Die Fehlerbreite liet bei +/- 3.5 Prozent für Großparteien, also können Umfragewerte durchaus um 7 Prozent auseinanderliegen und alles ist ok. Aber die echten Zahlen veröffentlicht ja eh niemand, es wird das Rohmaterial immer noch willkürlich gewichtet, falls es komisch aussieht. Aufschlussreich:
    http://suite101.de/article/sein-und-schein-bei-wahlumfragen-a131830

  • Und wo ist diese Welt? Ich zeige euch! Ein kurzer Ausflug.

    Kennt ihr, liebe deutsche Ureinwohner,
    den Bezirk Wedding in Berlin? Noch nein. Herzlich willkommen! Hier - in Wedding - wurden auf der kleinen Fläche Hunderte Tausende nicht integrierter Ausländer, Alkoholiker, Drogenabhängigen und Händler, Psychisch-Kranken und Spielsüchtigen gesammelt. Nein, besser klingt: wurden konzentriert. Das Teil des Bezirkes um den Leopold Platz muss unbedingt in "Konzentrations-Bezirk Wedding" umbenannt werden.

    In 1,5 km südlich befindet sich das neue Gebäude des BfVs. Die Regierung im Untergrund will alles beobachten und genießen, vielleicht, auch wetten: wie schnell pro Stunde Kriminalität im experimentellen Bezirk steigt, wie viel Morde pro Tag werden fixiert.

  • Nur der Wahltag zählt. Sicher ist, dass 6 Stimmen meiner Familie an die AfD gehen. Ich habe genug von der bevormundenden EU, vom Euromurks, von der Entwertung meiner Notgroschen, der Rentenvorsorge und Lebensversicherung. Ich habe genug von den Steuerverschwendungen (Drohnen, Militär etc.), ich habe genug von den unermesslich hohen Strompreisen und gestiegenen Kommunalabgaben. Alle Altparteien haben versagt. Deutschland braucht Neues!

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