AfD-Eklat um Petry
Die Spaltung hat begonnen

Wer gedacht hat, die AfD wäre nach ihrem Wahlerfolg in Feierlaune, wurde eines Besseren belehrt. Noch bevor sich die Fraktion konstituiert, erklärt Parteichefin Petry ihren Rückzug. Es ist ein Eklat mit Ansage.
  • 27

BerlinSchon das Wetter am Morgen nach dem Wahltriumph der AfD verheißt nichts Gutes. Der Himmel über Berlin ist grau, es ist nasskalt und regnerisch. An solchen Tagen plant man besser keine Feier, könnte sie doch ins Wasser fallen. Und genau so kommt es auch, als die AfD-Führung und die Spitzenkandidaten Punkt 9 Uhr den großen Saal der Bundespressekonferenz betreten.

Eine Stunde lang wollen Frauke Petry, Jörg Meuthen, Alexander Gauland und Alice Weidel den Hauptstadtjournalisten Rede und Antwort stehen. Doch es kommt anders, als viele gedacht haben. Es dauert nur wenige Minuten, bis sich ein ziemlicher Sturm aufbaut, der mit einem Paukenschlag endet. Plötzlich sitzen nur noch drei AfDler auf dem Podium. Petry, die kurz zuvor gut gelaunt mit einem an die Presse gerichteten freundlichen „Guten Morgen“ hereingekommen war, hat das Weite gesucht. Es ist ein Eklat mit Ansage.

In nur wenigen Minuten leitet Petry ihren Abgang ein, der zugleich ein Abschied aus der neuen AfD-Fraktion im Bundestag ist. Zu groß ist die Kluft zwischen dem, was Petry will und was die anderen wollen. Die AfD-Politikerin spricht über das fulminante Wahlergebnis ihrer Partei, an dessen Zustandekommen, sie einen nicht unwesentlichen Anteil hatte. Und das ohne gemeinsame Auftritte mit dem Führungstandem Gauland und Weidel. Petry meisterte ihren Wahlkampf quasi im Alleingang und errang als Spitzkandidatin der sächsischen AfD ein Direktmandat. Ihre Landespartei überholte sogar die CDU und ist nun die stärkste Kraft im Freistaat.

Dieser Erfolg zeige, so Petry, dass die Bürger „eine neue Kraft in diesem Land dringend suchen“. Opposition zu sein, sei eine „große Aufgabe“, fügt sie hinzu und umriss sogleich, worauf es letztlich aus ihrer Sicht ankommen muss. Der Anspruch müsse sein, eine Regierungsübernahme im Jahr 2021 vorzubereiten. Und ihr inhaltlicher Anspruch bestehe darin, endlich programmatische Inhalte, die die AfD habe, nun auch „personell zu untersetzen“. Denn bei den Wählern sollten diese Angebote ankommen „und nicht, wie leider in der Vergangenheit selbstverschuldet, Positionen, die mit er Realität nicht viel gemein haben“. Schnell wird klar: Dieser Seitenhieb soll die anderen auf dem Podium treffen. Denn vom derzeitigen AfD-Führungspersonal scheint sie nicht viel zu halten.

„Es gibt einen inhaltlichen Dissens in der AfD. Diesen sollten wir nicht totschweigen“, poltert Petry gegen ihre Parteikollegen los. Um dann klar auszusprechen, was sich schon seit Monaten abgezeichnet hatte. So wie sich die AfD in der Vergangenheit präsentiert habe, könne sie allenfalls in der Opposition erfolgreich sein. Das aber passe nicht zu ihrem Anspruch. Sie wolle vielmehr den Übergang hin zur Regierungsfähigkeit „aktiv“ gestalten, wie sie sagt. Ihr geht es um „Realpolitik im guten Sinne einer künftigen Politik“. Chancen auf eine Umsetzung mit Gauland, Weidel & Co. sieht sie aber nicht, weshalb sie der künftigen AfD-Fraktion nicht angehören will.

Damit verfestigt sich der Eindruck, dass die Partei in ihrem derzeitigen Zustand kaum eine Zukunft haben dürfte. Eine Spaltung ist nun fast schon unausweichlich geworden. Das Vorspiel dazu fand vor wenigen Monaten auf dem Kölner Wahlparteitag der AfD statt. Petry musste seinerzeit eine schwere Schlappe einstecken. Danach mied sie den Kontakt zu Weidel und Gauland. Auch an Telefonkonferenzen des Bundesvorstands nahm sie so gut wie nicht mehr teil. Damals in Köln rückte genau das in den Fokus, was Petry immer deutlicher kritisierte, der ungeklärte Umgang mit den Rechtsauslegern in der Partei.

Petry scheiterte in Köln aber mit dem Versuch, die AfD auf einen „realpolitischen“ Kurs einzuschwören. Stattdessen setzten sich Gauland und Weidel mit ihrer „fundamentaloppositionellen“ Strategie durch. Kurz vor der Bundestagswahl wurden die Rivalitäten noch einmal deutlich sichtbar, als Petry in einem Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“  auf Distanz zu den beiden ging. Auf die Frage, ob sie sich darüber ärgere, wenn Gauland  mit seinen Aussagen zur Wehrmacht oder Co- Weidel mit einer ihr zugeschriebenen  „Reichsbürger“-Mail Schlagzeilen auslöse, sagte sie, sie verstehe, „wenn die Wähler entsetzt sind“.

Gauland ließ das freilich nicht stehen, obwohl Co-Bundeschef Jörg Meuthen die Marschrichtung vorgegeben hatte, nicht darauf zu reagieren. Er schoss öffentlich zurück und warf Petry vor, in den letzten Tagen des Wahlkampfes die eigenen Leute „in Zweifel“ gezogen zu haben. Aus Petrys Zweifeln ist mit ihrem Paukenschlag in der Bundespressekonferenz nun so etwas wie ein Schlussstrich geworden.

Kommentare zu " AfD-Eklat um Petry: Die Spaltung hat begonnen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Verhalten von Petry ist nicht kommentierbar, da keinerlei realitätsbezogenes Verhalten erkennbar ist.

  • Diese Spaltungen hat es bei allen "rechten" Parteien in Deutschland gegeben. Angetrieben werden diese vom System und den Systemmedien die bewusst einzelne Politiker zu Abspaltungen motivieren. Wieweit diese Aktivitäten koordiniert sind kann ich nicht beurteilen.

    Das System und die Qualitätsmedien spielen gerne "guter" Rechter und "böser" Rechter. Lucke hatte man gesagt, dass wenn er den rechten Flügel der AfD hinauswirft, er kein Böser mehr sei. Am Ende wurde er abgespalten und die Qualitätsmedien haben ihn dann im Nichts stehen gelassen. Politiker sind regelmässig mit grossem Sendungsbewusstsein, Eitelkeit, Selbstüberschätzung, geringen analythischen Fähigkeiten und enormen Egoismus ausgestattet und leicht für solche Spiele zu gewinnen. Fr. Petry ist offensichtlich empfänglich für solche eigentlich durchsichtigen Spiele. Man kann hoffen dass die Dame spätestens nach der nächsten Wahl ins Privatleben zurückkehrt.

    Ein weiterer Grund dass dieses Spiel am besten bei "rechten" Parteien funktioniert ist, dass diese Parteien jung sind und bislang keine "bwährten" Kader haben die sich über diverse Pöstchen und Posten hochgearbeitet und sich der Hand die sie füttert bewusst sind.

  • Manchmal, Herr Caruso, wundert man sich, etwa warum radikalisiert sich ein Moslem, obwohl er gut von der Stütze lebt. Bei solchen Kommentaren wird einem aber das menschliche Spannungsfeld klar, denn eigentlich, kann man manches selbst nicht ertragen. Endlich wieder fernsehn ohne Belästigung ist doch ein Lichtblick. Burka mit Sonnenbrille statt Hosenanzug, wir schaffen das.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%