AfD im Bundestagswahlkampf Willkommen in der Wagenburg

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Wahlkampf zwischen Volksfest und Empörung

Gelacht wird bei diesen Veranstaltungen eher selten, zu groß ist die Wut. Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke die AfD-Direktkandidatin bei einem Wahlkampf-Auftritt für die Berliner Kandidatin Jeannette Auricht die Parteifreundin versehentlich als „Ivonne“ anspricht. Schließlich muss er selbst ertragen, dass ihn Satiriker immer wieder „Bernd Höcke“ nennen.

Zu denjenigen, die sich aus der Wagenburg herauswagen, gehört die Spitzenkandidatin der AfD in Berlin, Beatrix von Storch. Die für ihre schrillen Tweets berühmt-berüchtigte Abtreibungsgegnerin traf sich zum Streitgespräch mit dem Rapper Bushido. Von Storch kritisierte Bushidos schwulenfeindliche Texte. Der Deutsche mit tunesischem Vater warf ihr vor, die AfD suche den Erfolg „auf Kosten von Ausländern und Islam-Anhängern“. Trotzdem verabschiedete man sich freundlich.

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wartet in Jena auf ihren Wahlkampf-Auftritt. Tradition und Identität sind Punkte des AfD-Wahlprogramms. Quelle: dpa
Wahlkampf AfD

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wartet in Jena auf ihren Wahlkampf-Auftritt. Tradition und Identität sind Punkte des AfD-Wahlprogramms.

(Foto: dpa)

Die größte Aufmerksamkeit versprechen aber immer noch die klassischen TV-Formate. Vor allem wenn man, wie kürzlich Alice Weidel, während der laufenden Sendung unter Protest das Studio verlässt oder kurzfristig absagt.

Obwohl die AfD keine Gelegenheit auslässt, über die „Zwangsfinanzierung“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schimpfen, nahmen Spitzenpolitiker der Partei zuletzt viele Talkshow-Einladungen an. Gerade im Vorfeld der Bundestagswahl böten diese Runde die Möglichkeit, die eigene Position „vor allem in Abgrenzung zu den Mitbewerbern“ einem breiten Publikum näherzubringen, sagt AfD-Chefin Frauke Petry. „Über die Qualität einzelner Formate, auch in Abhängigkeit von Moderatoren, Podiumsgästen und ausgewähltem Publikum, kann man natürlich streiten“, fügt sie - etwas spitz - hinzu.

Eingeladen werden meist die Spitzenkandidaten. Doch auch Petry und der zweite Parteivorsitzende Jörg Meuthen sind im Wahlkampf aktiv. Meuthen scherzt bei seinen Veranstaltungen, poltert gegen das „Gruselkabinett der Altparteien“ und genießt die Euphorie der Menge. Petrys Auftritte haben weniger Volksfest-Charakter. Auch die Beobachtungen der AfD-Chefin im Wahlkampf sind nüchterner.

Sie bilanziert: „Das riesige Interesse an unseren Veranstaltungen war beeindruckend - in Plauen im Vogtland haben an einem Abend 1 300 Gäste die Festhalle gefüllt. Das allein ist ein Zeichen für enormen Zuspruch zu unseren Positionen insgesamt.“ Die Besucher ihrer Veranstaltungen hätten vor allem Fragen „nach der Gewährleistung von Sicherheit und nach sozialer Absicherung - vor allem im Alter“ mitgebracht.

  • dpa
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