AfD-Plakat mit Franz Josef Strauß

Strauß-Kinder empört über AfD-Wahlwerbung mit ihrem Vater

Ein AfD-naher Verein wirbt für die Partei mit Plakaten, die das Konterfei von Franz Josef Strauß tragen. Dessen Kinder sind empört und sprechen von „erschreckend dumpfer Herzlosigkeit und Menschenverachtung“.
Update: 08.09.2017 - 15:07 Uhr 11 Kommentare
Ein AfD-Plakat mit dem Bild von Franz Josef Strauß sorgt für große Empörung bei seiner Familie. Quelle: Screenshot
Strauß-Plakat

Ein AfD-Plakat mit dem Bild von Franz Josef Strauß sorgt für große Empörung bei seiner Familie.

(Foto: Screenshot)

BerlinDie Kinder des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, Max Josef Strauß, haben empört auf die Vereinnahmung ihres Vaters für AfD-Wahlkampfzwecke reagiert. „Mein Vater war über Jahrzehnte Parteivorsitzender der CSU, er hat diese Partei zutiefst geprägt und niemals etwas anderes als CSU gewählt“, sagte die EU-Abgeordnete dem Handelsblatt. „Diese Plakate sind der unanständige Missbrauch meines toten Vaters, der sich nicht mehr wehren kann, für billige Wahlkampfzwecke einer obskuren Partei.“

Auch ihr Bruder Max Josef Strauß übte scharfe Kritik. „Wenn die eigene Partei keine vorzeigbaren Personen hat, versucht man es mit dem Missbrauch des Ansehens verstorbener Persönlichkeiten.“ Das sei anscheinend die Methode dieses „obskuren Hilfsvereins“ der AfD. „Mein Vater war ein CSUler mit Herz und Seele, der Parteien rechts von ihr immer scharf abgelehnt hat“, sagte Strauß dem Handelsblatt.

„Mein Vater würde auf gar keinen Fall AfD wählen“, sagte auch Strauß-Sohn Franz Georg. „Denn er hatte das, was er selbst einen „moralischen Violinschlüssel“ nannte“, betonte er im Gespräch mit den Zeitungen „Münchner Merkur“ und „tz“ und sagte über seinen Vater: „Er war ein christlicher Konservativer, kein „Rechter“.“

Die Strauß-Kinder reagierten damit auf ein Plakat mit der Aufschrift „Franz Josef Strauß würde AfD wählen“, das der „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“ plakatieren lässt. Geplant ist, die Plakate mit dem Bild des 1988 verstorbenen CSU-Politikers nur in Bayern aufzuhängen.

„Die AfD zeigt eine erschreckend dumpfe Herzlosigkeit und Menschenverachtung, die dem tief im Christentum verankerten Wesen meines Vaters völlig fremd waren“, sagte Max Josef Strauß. Zu seinen Lebzeiten seien die Republikaner des Franz Schönhuber mit der heutigen AfD vergleichbar, die er, Franz Josef Strauß, „immer entschieden bekämpft hat“.

Der Vorsitzende und Sprecher des Vereins, der frühere CSU-Politiker David Bendels, begründete die Verwendung des Strauß-Motivs mit dem volksnahen Charakters des einstigen bayerischen Regierungschefs. Strauß habe zudem wie kaum ein anderer Politiker der Bundesrepublik für einen glaubwürdigen, authentischen, konsequenten und unabhängigen Politik-Stil gestanden, „den heute viele Millionen Wählerinnen und Wähler vermissen“, sagte Bendels.

Die Unterstützung der AfD durch den Verein, die auch schon in Landtagswahlkämpfen stattgefunden hat, ist umstritten. Kritiker sehen darin eine illegale Parteienfinanzierung. Doch rechtlich ist das derzeit kaum zu beanstanden, was aus Sicht von Experten auf eine Lücke in den Transparenz-Vorschriften für Parteien zurückzuführen ist. Die Finanziers der durch den Verein betriebenen Wahlkampfhilfe können verborgen bleiben, während Spenden an Parteien ab 10.001 Euro offen gelegt werden müssen. Lobby Control fordert daher schon seit langem, dass Wahlwerbung durch Dritte den gleichen Transparenzregeln unterliegen soll wie andere Parteispenden.

Das wird inzwischen auch im politischen Berlin so gesehen. SPD und Grüne jedenfalls wollen das Parteiengesetz nachschärfen, um die AfD-Unterstützer auszubremsen. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass das Transparenzgebot im Parteiengesetz „ausgehebelt“ werde, sagte kürzlich der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka dem Handelsblatt. „Ich denke, spätestens in der nächsten Wahlperiode müssen wir darüber reden, wie solche Winkelzüge verhindert werden können.“

Im Mittelpunkt der Plakat-Kampagne, die jetzt starten soll, stehen laut Bendels die Themen „Sicherung der deutschen Grenzen“ und „Bekämpfung des Asylbetrugs“, „Islamisierungs-Stopp“ sowie die konsequente „Abschiebung von illegalen Migranten“. Getragen wird die Kampagne, die vom Duktus an NPD-Wahlkampagnen erinnert, den Angaben zufolge von „kleineren und größeren Spenden aus dem Unterstützerkreis“.

Die Nutzung des Konterfeis von Franz Josef Strauß dürfte wohl kein juristisches Nachspiel haben. Der Strauß-Sohn will jedenfalls auf rechtliche Schritte verzichten. Jeder könne auch folgenlos behaupten, Willy Brandt, Herbert Wehner und Helmut Schmidt würden heute CSU wählen. „Das ist zwar inhaltlich abstrus, aber als Meinungsäußerung zulässig“, sagte er.

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11 Kommentare zu "AfD-Plakat mit Franz Josef Strauß: Strauß-Kinder empört über AfD-Wahlwerbung mit ihrem Vater"

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  • Bekommt jetzt Herr Neuerer Unterstützung durch die Redaktion des HB?

    Oder was ist der Grund dafür, dass auf einmal die Niederlage der Stadt Rottweil gegen die AfD wegen der verweigerten Nutzung der Stadthalle kommuniziert wird?

    Bemerkenswert an der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshof ist vor Allem die Bezugnahme auf das GG.

    "Der AfD die Halle an dem Termin zu überlassen, sei auch wegen der im Grundgesetz verankerten wichtigen Rolle von Parteien im Allgemeinen angemessen, entschied das Gericht."

  • Was aber ist, wenn Jesus Kinder gehabt hat?

    Haben die dann göttliche Gene?

    Wenn ich so lese, wer sich so alles als gottgleich sieht und aufführt, wie gottgefällig Meinungsbildung betrieben wird - dann könnte ein Teil der Überlieferung wiederum stimmen.

  • Da könnte was dran sein.

    Denke ich an die Jungfrau Maria und daran, dass der Überlieferung nach Josef nicht der biologische Vater sein soll - ja dann ....

  • Es gibt so viele, die sich über Unzulänglichkeiten empören. Vielleicht sind das genau eben die, die die Nachkommen des Wiederauferstandenen sind. Wer weiß, 2000 Jahre sind eine lange Zeit. Da kann auch das Gegenteil des Kenntnisstands richtiger sein.

  • @Novi Prinz

    Ich denke, bestimmt nicht die Scheinheiligen, die sich mit dem C als Anfangsbuchstaben im Parteinamen schmücken.

    Das Problem bei Ihrer Frage ist nur – es wurde nicht überliefert, dass Jesus Kinder hatte, deren Nachfahren sich heute „empören“ könnten.

  • Die Frage ist doch : Was oder welche Partei würde Jesus wählen ?

  • Ton im Fernsehen wird unangenehmer und rauher und nicht Räuber sollte es heißen.

  • Es ist halt eine neue Partei mit auch etlichen Spinnern. Allerdings wird geduldet, dass denen ihre Büros und Dienstautos abgefackelt werden. Bedrohung ist nur einer kleiner Oberbegriff.

    Mit allen Mitteln will man diese Partei scheinbar verhindern.

    Wie fies man mit denen umgeht, konnte man deutlich in der letzten ZDF-Sendung von Slomka sehen. Diese Moderatorin Schnitt der AfD-Alice-zumindest versuchte sie es- das Wort ab. Anschliessende überflüssige dumme Bemerkungen und Unterstellungen von angeblichen Politprofis taten ihr übriges.

    Die Provokation war eindeutig von fast allen Seiten und das Echo ließ nicht lange auf sich warten. Es war leider voraussehbar, man merkte der jungen Frau an, dass sie genervt war.

    Man sollte sich aber schämen in einem freien, liberalen und toleranten Land das sich Demokratie nennt und so mit den Menschen umgegangen wird, die schlicht und einfach als Ökonomen Zahlen und Fakten benennen

    Die traurige deutsche Geschichte scheint für viele Menschen heute noch ein unüberwindbares Traumata zu sein und Andersdenkende keinen Platz haben sollen.

    Schlicht und einfach gibt es Menschen die sich im eigenen Land selbst zwischenzeitlich als Ausländer fühlen, Opfer von den Migranten odr Flüchtlingen werden. Opfer von Einbrecherbanden, Opfer von Terror und Anschlägen.

    Und es gibt Menschen die noch den Mut haben wahrlich die Finger in die offene Wunde zu legen.

    Diese Gegenreaktionen und Verweise auf Rechte, Nazis und Populisten u.a. sollten uns zeigen, dass die Wunde offenbar sogar zwischenzeitlich weh tut.

    Und wer sich noch in der Realität bewegt, sieht täglich wie primitiv und leicht schon vielen Migrierten bei einer Eskalatioen mit denen das Wort "Nazi" über die Lippen geht.

    Und wir schauen täglich zu, wie der Ton nun auch im Fernsehen immer unangenehmer und Räuber wird.

    Die Menschen auf der Gass' und an öffentlichen Plätzen, Verkehrsmitteln und ohne Personenschutz und Panzerfahrzeuge sind nicht nur diese Kraftausdrücke gewohnt.






  • Ich denke mal, wenn er die Empörung
    (so sie denn stimmt)
    seiner Nachkömmlinge lesen könnte,
    würde er sie nachträglich enterben!

  • Also ich wäre genauso empört, denn schliesslich ist klar, daß FJS mit seinen Anischten deutlich rechts der AfD einzuordnen war. Von FJS stammt der Satz:

    "Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben!"

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/streit-um-strauss-satz-cdu-und-csu-waren-sich-nicht-immer-gruen-14257524.html

    Wahrscheinlich ist die Empörung deswegen so groß, weil das gerade passiert.

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