AfD-Plakat mit Franz Josef Strauß
Strauß-Kinder empört über AfD-Wahlwerbung mit ihrem Vater

Ein AfD-naher Verein wirbt für die Partei mit Plakaten, die das Konterfei von Franz Josef Strauß tragen. Dessen Kinder sind empört und sprechen von „erschreckend dumpfer Herzlosigkeit und Menschenverachtung“.
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BerlinDie Kinder des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, Max Josef Strauß, haben empört auf die Vereinnahmung ihres Vaters für AfD-Wahlkampfzwecke reagiert. „Mein Vater war über Jahrzehnte Parteivorsitzender der CSU, er hat diese Partei zutiefst geprägt und niemals etwas anderes als CSU gewählt“, sagte die EU-Abgeordnete dem Handelsblatt. „Diese Plakate sind der unanständige Missbrauch meines toten Vaters, der sich nicht mehr wehren kann, für billige Wahlkampfzwecke einer obskuren Partei.“

Auch ihr Bruder Max Josef Strauß übte scharfe Kritik. „Wenn die eigene Partei keine vorzeigbaren Personen hat, versucht man es mit dem Missbrauch des Ansehens verstorbener Persönlichkeiten.“ Das sei anscheinend die Methode dieses „obskuren Hilfsvereins“ der AfD. „Mein Vater war ein CSUler mit Herz und Seele, der Parteien rechts von ihr immer scharf abgelehnt hat“, sagte Strauß dem Handelsblatt.

„Mein Vater würde auf gar keinen Fall AfD wählen“, sagte auch Strauß-Sohn Franz Georg. „Denn er hatte das, was er selbst einen „moralischen Violinschlüssel“ nannte“, betonte er im Gespräch mit den Zeitungen „Münchner Merkur“ und „tz“ und sagte über seinen Vater: „Er war ein christlicher Konservativer, kein „Rechter“.“

Die Strauß-Kinder reagierten damit auf ein Plakat mit der Aufschrift „Franz Josef Strauß würde AfD wählen“, das der „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“ plakatieren lässt. Geplant ist, die Plakate mit dem Bild des 1988 verstorbenen CSU-Politikers nur in Bayern aufzuhängen.

„Die AfD zeigt eine erschreckend dumpfe Herzlosigkeit und Menschenverachtung, die dem tief im Christentum verankerten Wesen meines Vaters völlig fremd waren“, sagte Max Josef Strauß. Zu seinen Lebzeiten seien die Republikaner des Franz Schönhuber mit der heutigen AfD vergleichbar, die er, Franz Josef Strauß, „immer entschieden bekämpft hat“.

Der Vorsitzende und Sprecher des Vereins, der frühere CSU-Politiker David Bendels, begründete die Verwendung des Strauß-Motivs mit dem volksnahen Charakters des einstigen bayerischen Regierungschefs. Strauß habe zudem wie kaum ein anderer Politiker der Bundesrepublik für einen glaubwürdigen, authentischen, konsequenten und unabhängigen Politik-Stil gestanden, „den heute viele Millionen Wählerinnen und Wähler vermissen“, sagte Bendels.

Die Unterstützung der AfD durch den Verein, die auch schon in Landtagswahlkämpfen stattgefunden hat, ist umstritten. Kritiker sehen darin eine illegale Parteienfinanzierung. Doch rechtlich ist das derzeit kaum zu beanstanden, was aus Sicht von Experten auf eine Lücke in den Transparenz-Vorschriften für Parteien zurückzuführen ist. Die Finanziers der durch den Verein betriebenen Wahlkampfhilfe können verborgen bleiben, während Spenden an Parteien ab 10.001 Euro offen gelegt werden müssen. Lobby Control fordert daher schon seit langem, dass Wahlwerbung durch Dritte den gleichen Transparenzregeln unterliegen soll wie andere Parteispenden.

Das wird inzwischen auch im politischen Berlin so gesehen. SPD und Grüne jedenfalls wollen das Parteiengesetz nachschärfen, um die AfD-Unterstützer auszubremsen. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass das Transparenzgebot im Parteiengesetz „ausgehebelt“ werde, sagte kürzlich der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka dem Handelsblatt. „Ich denke, spätestens in der nächsten Wahlperiode müssen wir darüber reden, wie solche Winkelzüge verhindert werden können.“

Im Mittelpunkt der Plakat-Kampagne, die jetzt starten soll, stehen laut Bendels die Themen „Sicherung der deutschen Grenzen“ und „Bekämpfung des Asylbetrugs“, „Islamisierungs-Stopp“ sowie die konsequente „Abschiebung von illegalen Migranten“. Getragen wird die Kampagne, die vom Duktus an NPD-Wahlkampagnen erinnert, den Angaben zufolge von „kleineren und größeren Spenden aus dem Unterstützerkreis“.

Die Nutzung des Konterfeis von Franz Josef Strauß dürfte wohl kein juristisches Nachspiel haben. Der Strauß-Sohn will jedenfalls auf rechtliche Schritte verzichten. Jeder könne auch folgenlos behaupten, Willy Brandt, Herbert Wehner und Helmut Schmidt würden heute CSU wählen. „Das ist zwar inhaltlich abstrus, aber als Meinungsäußerung zulässig“, sagte er.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Bekommt jetzt Herr Neuerer Unterstützung durch die Redaktion des HB?

    Oder was ist der Grund dafür, dass auf einmal die Niederlage der Stadt Rottweil gegen die AfD wegen der verweigerten Nutzung der Stadthalle kommuniziert wird?

    Bemerkenswert an der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshof ist vor Allem die Bezugnahme auf das GG.

    "Der AfD die Halle an dem Termin zu überlassen, sei auch wegen der im Grundgesetz verankerten wichtigen Rolle von Parteien im Allgemeinen angemessen, entschied das Gericht."

  • Was aber ist, wenn Jesus Kinder gehabt hat?

    Haben die dann göttliche Gene?

    Wenn ich so lese, wer sich so alles als gottgleich sieht und aufführt, wie gottgefällig Meinungsbildung betrieben wird - dann könnte ein Teil der Überlieferung wiederum stimmen.

  • Da könnte was dran sein.

    Denke ich an die Jungfrau Maria und daran, dass der Überlieferung nach Josef nicht der biologische Vater sein soll - ja dann ....

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