AfD-Streit vor der Bundestagswahl
Gauland weist Petry zurecht

AfD-Chefin Petry hat mit Aussagen über den Zustand ihrer Partei den Zorn von Spitzenkandidat Gauland auf sich gezogen. Im Fernsehen weist er sie zurecht. Andere Funktionäre bringen harte Konsequenzen ins Spiel.
  • 57

BerlinKurz vor der Bundestagswahl ist in der AfD ein heftiger Streit über die Ausrichtung der Partei entbrannt.  Auslöser sind Äußerungen von Bundesparteichefin Frauke Petry. In einem Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“  warnte sie vor den Folgen mancher problematischer Aussagen von Parteifunktionären.

Auf die Frage, ob sie sich darüber ärgere, wenn AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland  mit seinen Aussagen zur Wehrmacht oder Co-Spitzenkandidatin Alice Weidel mit einer ihr zugeschriebenen  „Reichsbürger“-Mail Schlagzeilen auslöse, sagte sie, sie verstehe, „wenn die Wähler entsetzt sind“.

Gauland erklärte dazu in der Wahl-„Schlussrunde“ von ARD und ZDF: Was Petry gesagt habe, „halte ich für völlig falsch“. Er könne nicht sehen, dass Wähler der Partei den Rücken kehrten, wenn die Prozente in Umfragen nach oben gingen. „Irgendwo stimmt da die Logik nicht“, so Gauland. Er wisse nicht, was Petry zu ihren Aussagen bewegt habe. Und er fügte hinzu: „Man sollte in den letzten Tagen des Wahlkampfes die eigenen Leute nicht in Zweifel stellen.“

Für die AfD kommt der Streit zur Unzeit. Co-Parteichef Jörg Meuthen soll deshalb auch versucht haben, eine öffentliche Debatte darüber zu unterbinden. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ soll er, nachdem sich mehrere Funktionäre an ihn gewandt hatten, in der Partei die Devise ausgegeben haben, in der Öffentlichkeit „kein Sterbenswort über Petrys Verhalten zu verlieren“.

Meuthen soll dies mit der Sorge begründet haben, der Vorgang könne der AfD kurz vor der Bundestagswahl einen „empfindlichen Schaden“ zufügen. Immerhin hätten Petrys Äußerungen so verstanden werden können, als warne sie vor der Wahl ihrer eigenen Partei. Laut FAZ soll mancher AfDler, der bei Meuthen angerufen hat, „außer sich vor Zorn“ gewesen sein. Es sei sogar von einem möglichen Parteiausschlussverfahren gegen Petry die Rede gewesen.

Dabei zweifelt Petry nicht an einem Wahlerfolg für ihre Partei. „Ich gehe davon aus, dass die AfD auf jeden Fall zweistellig wird“, sagte sie. In Sachsen liege man momentan bei knapp unter 20 Prozent. Man habe allerdings schon mal mehr Zuspruch gehabt. „Doch die parteiinternen Konflikte gehen natürlich nicht spurlos an der AfD und den Menschen vorüber“, betonte die AfD-Chefin. „Wenn nicht klar ist, wohin die Partei steuert, verunsichert das die Wähler.“

Kommentare zu " AfD-Streit vor der Bundestagswahl: Gauland weist Petry zurecht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.



  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • G. Nampf22.09.2017, 15:47 Uhr
    @ Reiner Blumenhagen22.09.2017, 15:08 Uhr
    "Wenn ein stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD davon spricht, Menschen zu zerstückeln und zu essen oder Sex mit 10jährigen zu haben (Holger Arppe),..."

    Das ist ja hochinteressant, das die AfD "so einen" in der eigenen Partei hat, wo sie doch so gerne auf "solche" in anderen Parteien mit dem Finger zeigt....
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Herr Arppe wurde zwischenzeitlich aus der AfD e n t s o r g t !
    s.a. Ehemaliger AfD-Politiker muss nicht mit Ermittlungen rechnen
    Link : http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/afd-holger-arppe-gewalt-chat-ermittlungen

    Der nicht unwesentliche Unterschied ist, dass die AFD Herrn Arppe
    e n t s o r g t e und Alt-Parteien ehemalige NSDAP-Kader nicht
    e n t s o r g t e n !

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%