Bundestagswahl 2017
Merkel schließt Zusammenarbeit mit der AfD aus

Im Umgang mit der AfD hat Angela Merkel schon vor langer Zeit den Kurs vorgegeben: Eine Zusammenarbeit der CDU mit der Partei lehnt die Kanzlerin strikt ab. In Magdeburg gab es jetzt eine Ausnahme. Die AfD freute sich.
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Berlin/MagdeburgBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Zusammenarbeit der Union mit der AfD im neuen Bundestag ausgeschlossen. Der „Welt am Sonntag“ sagte sie, „dass die AfD für uns kein Partner für irgendeine Form der Zusammenarbeit sein kann“. Die Union müsse vielmehr versuchen, jeden einzelnen AfD-Wähler zurückzugewinnen. „Das erfordert Geduld mit den Sorgen der Menschen und den Versuch, sie immer wieder mit konkreten Lösungen für konkrete Probleme anzusprechen“, sagte Merkel.

Im Landtag von Sachsen-Anhalt hatte am vergangenen Donnerstag die Mehrheit der CDU-Fraktion für einen Antrag der AfD gestimmt. Damit wurde eine Enquete-Kommission zur Untersuchung von Linksextremismus auf den Weg gebracht. Aus den anderen Parteien kam Kritik an der Zustimmung von Teilen der CDU.

Die AfD zeigte sich dagegen hochzufrieden. „Das ist ein Dammbruch und ein Meilenstein in der Entwicklung der AfD“, sagte der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion in Magdeburg, André Poggenburg, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Dass ein Großteil der CDU-Abgeordneten für den Antrag gestimmt habe, zeige, dass seine Strategie der „Fundamentalopposition“ erfolgreicher sei als der von Parteichefin Frauke Petry propagierte „realpolitische Kurs“. Poggenburg gehört dem 2015 von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke gegründeten rechtsnationalen Flügel der Partei an.

Auch AfD-Anhänger hatten Wahlkampfauftritte der Bundeskanzlerin mehrfach durch Zwischenrufe und Dauerpfeifen gestört, erst am Samstag wieder in Quedlinburg beim CDU-Wahlkampfauftakt für Sachsen-Anhalt. Zu sehen waren dort AfD-Plakate sowie handgemalte Schilder mit Parolen wie „Merkel muss weg“. „Manche glauben, dass man die Probleme der Menschen in Deutschland mit Schreien bewältigen und lösen kann. Ich glaube das nicht und gehe davon aus, die Mehrheit heute hier auf diesem Platz auch nicht“, sagte die Kanzlerin dazu.

In einem Interview der „Welt am Sonntag“ sagte Merkel, in einer Demokratie dürfe sich jeder nach eigenem Gutdünken darstellen. „Es ist wichtig, dass wir nicht ganze Orte meiden, weil es dort Schreihälse gibt.“

Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir warf der AfD mangelnde Vaterlandsliebe vor. „Die wollen doch am liebsten ein Putin-Regime hier“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Ich habe den Eindruck, ich liebe meine Heimat mehr als diese Gestalten.“

Gleichzeitig forderte Özdemir im Umgang mit möglichen AfD-Wählern ein weniger herablassendes Verhalten: „Wir sollten manchmal etwas weniger arrogant auftreten. Wir sollten das Gespräch auch mit den Leuten suchen, die gegen uns sind. Wir müssen mit der AfD streiten und wenn möglich den Streit gewinnen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundestagswahl 2017: Merkel schließt Zusammenarbeit mit der AfD aus"

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  • Die AfD radikalisiert sich von Monat zu Monat. Erinnert sich noch jemand? Früher war das die Partei von Lucke und Henkel. Ein Anti-Euro Partei. Dann wurde es eine Anti-Asyl-Partei. Dann eine Anti-Ausländer-Partei.

    Mitlerweile ist sie eine Marionette der weltweiten Alt-Right-Bewegung. Von Moskau mit Propaganda, Hackerangriffen und Big-Bullshit unterstützt. Für die totale Donaldisierung der Welt. Abschaffung der westlichen Demokratien ist das Ziel. Lesen sie bei Steve Bannon und Alexander Dugin nach.

  • Auch ich schließe eine Zusammenarbeit mit Merkel aus. Deshalb z. B. kein Kreuz am 24.09 – weder für die, noch für diejenigen, die mit der zusammenarbeiten.

    Falls es noch keinem aufgefallen ist, sowohl Merkel als auch Schulz meiden einen Wahlkampfauftritt in Dresden.

    Verständlich – denn ein solcher Auftritt wäre für Merkel nun wirklich die „Krönung“ auf ihrer derzeitigen „Pfeifkonzert-Tournee“ in Deutschland.

    Wie kommt es nur, dass die im Westen genauso wie im Osten ausgepfiffen und ausgebuht wird – und die Massenmedien vermelden nur „Pfeifkonzerte“ im Osten?

    Lesen bildet – und wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wenn man dann noch analysieren und selbständig denken kann….

  • @ Herr Thomas Maidan

    Mein lieber Maidan , zum einen haben die Bürger im Osten 2 Diktaturen mitmachen müssen und sind dann in der Kapital Diktatur gelandet, Das war hart!

    Es gab auch keine Wiedervereinigung sondern einen Beitritt , damit drohte zuletzt
    auch der Deutsch sprechende Teil Belgien. Eine Wiedervereinigung wäre wenn beide Seiten eine neue Verfassung ausgearbeitet hätte und man nicht alles zerschlagen hat,
    selbst was gut war. Die Jugendlager hätte man heute für arme Kinder und weniger
    arme Kinder schön nutzen können und Eltern entlasten .

    Daher gibt es auch keinen Nationalfeiertag , da Merkel den Nationalstaat abgesprochen hat und es kein zurück dahin gibt.

    Es war daher nur ein Treffen von Deutschen von hüben und drüben und Gästen
    mehr nicht.

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