Bundestagswahl 2017
Rekord bei der Briefwahl erwartet

Bei der Bundestagswahl werden wohl so viele Wähler per Brief abstimmen wie noch nie. Union und SPD wollen bis zur letzten Minute kämpfen. Die Bürger raten der SPD, bei einer klaren Niederlage in die Opposition zu gehen.
  • 0

Berlin/Wiesbaden Der Anteil der Briefwähler bei der Bundestagswahl steuert auf einen Rekord zu. Alle Bundesländer verzeichnen einen Anstieg der Nachfrage nach Briefwahl-Unterlagen, zumindest in größeren Städten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch ergab. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte fast jeder Vierte (24,3 Prozent) von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, vor dem Wahltag per Brief sein Kreuz zu machen.

Der Unterschied zwischen beantragten Unterlagen und tatsächlichen Briefwählern ist nach Einschätzung von Wahlforschern sehr gering. Sie rechnen ebenfalls mit so vielen Briefwählern wie nie.

Im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa melden viele Städte eine Rekord-Nachfrage an Briefwahl-Unterlagen. Am stärksten zeigt sich der Trend in Aachen, wo nach Angaben der Kommune schon fast jeder Dritte sein Kreuz gemacht hat. In München haben gar mehr als 35 Prozent einen Wahlschein beantragt - ein Plus von fünf Prozentpunkten.

Trotz vieler vorzeitig abgegebener Stimmen wollen Union und SPD bis zur letzten Minute um Wähler werben. Die CDU rief ihre Mitglieder unter dem Motto „100 Stunden lang, 100 Prozent Wahlkampf“ zu einer besonderen Kraftanstrengung auf. Generalsekretär Peter Tauber appellierte in einer Mail an die 430 000 Parteimitglieder, keine Stimme zu verschenken: „Zweitstimme ist Kanzlerinnenstimme.“

Auch die SPD lässt nichts unversucht, um auf den letzten Metern vor der Wahl unschlüssige Bürger zu überzeugen. Dafür werden prominente Sozialdemokraten in einem 72-Stunden-Social-Media-Endspurt bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntag, 18.00 Uhr, rund um die Uhr Anfragen beantworten - per Mail, Telefon, auf Facebook und bei Twitter. Die Aktion läuft unter dem Motto „Wach bleiben und kämpfen für mehr Gerechtigkeit“ und startet am Donnerstag um 18.00 Uhr mit einem Live-Interview mit Generalsekretär Hubertus Heil, danach wird zu einem Auftritt von Martin Schulz geschaltet.

Der SPD-Kanzlerkandidat glaubt, dass seine Partei bis zur Wahl den großen Umfragen-Rückstand zur Union noch verkürzen kann. Die Behauptung, es gebe keine Wechselstimmung, sei falsch: „Die Union baut massiv ab in den Umfragen“, sagte Schulz dem TV-Sender RTL. Es gebe bei den Wählern eine enorme Verunsicherung. „Ich glaube, dass wir sehr wohl einen Last-Minute-Swing haben.“

In aktuellen Umfragen liegt die SPD zwischen 20 und 23 Prozent. CDU und CSU kommen auf 36 bis 37 Prozent.

Drei von vier Deutschen raten der SPD einer Umfrage zufolge, im Falle einer deutlichen Niederlage bei der Bundestagswahl in die Opposition zu gehen. 74 Prozent der Befragten äußerten sich in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Zeitung „Die Welt“ entsprechend. Nur 19 Prozent sprachen sich dafür aus, dass die SPD bei einer klaren Pleite dennoch erneut eine große Koalition mit der Union anstreben sollte. Auch unter den SPD-Anhängern ist die Lust auf eine neuerliche Koalition mit CDU/CSU unter diesen Voraussetzungen demnach klein: 71 Prozent der Befragten in dieser Gruppe votierten dagegen.

Gefragt nach ihrem Lieblings-Koalitionspartner, blieb Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch vage. „Ich weiß nur, dass ich weder mit der Linken noch mit der AfD koalieren möchte“, sagte Merkel in einem Gespräch mit dpa-Reporterin Anja Stein für die „Radiozentrale“, die im Auftrag von 47 Privatradios die Aktion „Hörer fragen Kandidaten“ veranstaltet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundestagswahl 2017: Rekord bei der Briefwahl erwartet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%