Bundestagswahl „Die AfD soll sich auf was gefasst machen“

Junge Deutsche interessieren sich nicht für Politik? Dieser Vorwurf ist alt und falsch. Immer mehr junge Menschen gründen politische Initiativen – aus Sorge um den Zustand der Demokratie in Deutschland.
37 Kommentare
Immer mehr junge Menschen in Deutschland gründen Organisationen, die sich gegen rechtspopulistische Parteien richten. Quelle: dpa
Junge Menschen gegen rechts

Immer mehr junge Menschen in Deutschland gründen Organisationen, die sich gegen rechtspopulistische Parteien richten.

(Foto: dpa)

BerlinWenn die deutschen Bürger in einem Monat an die Wahlurne gehen, stimmen sie über die politische Zukunft eines Landes ab, das umzingelt ist von rechtsnationalistischen Populisten. Ungarn hat Victor Orban, Polen Jaroslaw Kaczynski, die Niederlande Geert Wilders, Frankreich Marie le Pen, Österreich die FPÖ, die Schweiz die SVP, Großbritannien den Brexit-Befürworter, Russland hat Putin, die Türkei Erdogan und die USA Donald Trump.

Die internationale Gemengelage voller pöbelnder Populisten macht vor den deutschen Landesgrenzen nicht halt. Über die sozialen Medien wird rechtes und nationalistisches Gedankengut auch nach Deutschland infiltriert und landet geradewegs in den Köpfen vieler deutscher Bürger und Wähler. Sie wählen die AfD, die sich vier Jahre nach ihrer Gründung am 24. September aller Wahrscheinlichkeit nach den Weg in den deutschen Bundestag geschimpft haben wird. Laut aktuellen Prognosen dürfte die AfD auf etwa neun Prozent der Stimmen kommen und damit die drittstärkste Kraft werden.

Wie konnte es nur soweit kommen? Es gibt viele Erklärungsversuche. Doch Erklärungsversuche – das reicht zahlreichen jungen Menschen in Deutschland nicht mehr. Sie wollen etwas gegen den Rechtspopulismus im Land tun. Ausgerechnet die Generation Y, die sich für Politik jahrelang nicht interessiert hatte, ist um den Zustand der Demokratie im Land besorgt.

Die Studentin hat zusammen mit Freunden ein Jahr vor den Bundestagswahlen „Kleiner Fünf“ gegründet. Quelle: www.kleinerfuenf.de
Paulina Fröhlich

Die Studentin hat zusammen mit Freunden ein Jahr vor den Bundestagswahlen „Kleiner Fünf“ gegründet.

(Foto: www.kleinerfuenf.de)

Immer mehr Organisationen entstehen, die von jungen Menschen gegründet werden. „DEMO“, „Informationen für Deutschland“, „Kleiner Fünf“, „Polis 180“, „#ichbinhier“, „Kaffee & Kapital“, um nur einige zu nennen. Sie alle eint der Kampf gegen den Rechtspopulismus und für die Demokratie in Deutschland. „Die junge Generation ist teilweise aufgewacht“, erklärt Paulina Fröhlich von Kleiner Fünf.

Fröhlich ist 25 Jahre alt. Ein Jahr vor den Bundestagswahlen hat sie zusammen mit Freunden die Initiative „Kleiner Fünf“ gegründet. „Die Bundestagswahl ist das Narrativ unserer Gründung“, erklärt Fröhlich. Ihr Ziel ist klar: Rechte Parteien vom Bundestag fernhalten. Ihr Mittel: Argumente. „Junge Menschen, die beim Abendessen sitzen und Magenschmerzen bekommen, wenn sie sich anhören müssen, wie ihre Eltern auf Argumente der AfD hereinfallen oder wenn auf Familienfesten oder im Freundeskreis abfällige Bemerkungen über Flüchtlinge aufkommen – für diese Menschen wollen wir da sein und sie mit Argumenten unterstützen.“

Mehr Parteien, mehr Kandidaten, neue Wahlkreise
Wer darf wählen?
1 von 10

Wahlberechtigt sind 29,8 Millionen Männer und 31,7 Millionen Frauen – insgesamt 61,5 Millionen Menschen. Das sind rund 400.000 weniger als bei der Wahl 2013. Eine große Bedeutung haben erfahrungsgemäß die Älteren. Bereits 2013 stellten die Ab-60-Jährigen mit 21,3 Millionen gut ein Drittel aller potenziellen Wähler – es sind fast doppelt so viele wie die Unter-30-Jährigen. (Quelle: Deutsche Presse Agentur)

Wer darf wählen?
2 von 10

Wie schon 2013 gibt es auch in diesem Jahr rund drei Millionen Erstwähler. Bundeswahlleiter Dieter Sarreither sagte bei der Vorstellung einer aktuellen Statistik am Dienstag in Berlin, die Parteien täten gut daran, die Erstwähler gezielt anzusprechen: „Man kann sie aktivieren.“ Die 30- bis 59-Jährigen wiederum stellten knapp die Hälfte der Wahlberechtigten. Für die Wahl im Herbst haben sich bisher rund 37.000 im Ausland lebende Deutsche in ein Wählerverzeichnis eingetragen - doppelt so viele wie 2013 zu diesem Zeitpunkt.

Welche Rolle spielen Wähler mit ausländischen Wurzeln?
3 von 10

Zuletzt rückte der Aufruf des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, weder Union, SPD noch Grüne zu wählen, die Wähler mit ausländischen Wurzeln in den Blick. Wahlleiter Sarreither geht von rund 720.000 Wahlberechtigten mit türkischem Hintergrund aus.

Hat der Boykottaufruf Folgen?
4 von 10

Laut einer Erhebung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration vom November haben die Türkischstämmigen eine recht stabile Bindung an die SPD (69,8 Prozent). Insgesamt hatten vor vier Jahren 5,8 Millionen Wahlberechtigte einen Migrationshintergrund. Als Partei ihrer Wahl nennen Zuwanderer laut dem Rat zu 40,1 Prozent die SPD, es folgen die Union (27,6), die Grünen (13,2) und die Linke (11,3).

Welche Parteien treten an?
5 von 10

Es gibt einen Rekord von 42 Parteien — so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Sieben dieser Parteien wurden erst in diesem oder im vergangenen Jahr gegründet: Allianz Deutscher Demokraten, Bündnis Grundeinkommen, Demokratie in Bewegung, Die Grauen — Generationenpartei, Die Urbane — Eine Hiphop-Partei, Mieterpartei, V-Partei — Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer.

Welche Bewerber treten an?
6 von 10

Insgesamt sind es 4828 Kandidaten — so viele wie seit 1998 nicht mehr. Wahlleiter Sarreither wertet das als klaren Hinweis gegen Politikverdrossenheit. Beruflich tätig sind mit 1757 die meisten in den Bereichen Unternehmensorganisation/Recht/Verwaltung, gefolgt von Gesundheit/Soziales/Lehre/Erziehung (683). 520 Bewerber verzeichnet der Wahlleiter unter dem Punkt Wiederkandidatur — sie kandidieren also erneut für den Bundestag. 348 Kandidaten sind Studenten, Azubis oder Schüler.

Wer ist der jüngste, wer der älteste Kandidat?
7 von 10

Mit 1323 Bewerbern gehört ein Großteil der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen an. Der jüngste Bewerber wird nach eigenen Angaben erst einige Tage vor der Wahl 18: der in Berlin geborene Schüler Floris Beer, der für Die PARTEI in Fürstenwalde antritt. Die älteste Kandidatin ist die 89-jährige ehemalige Autorin und Schauspielerin Barbara Rütting, die für die V-Partei für Veränderung in Bayern antritt.

Kleiner Fünf bietet neben diversen Workshops auch sogenannte Facebook-Bots an, die Menschen mit Argumentationshilfen in Diskussionen über rechtspopulistische Positionen versorgen. Unter dem Hashtag #wasverlierstdu will Kleiner Fünf zur Diskussion einladen. „Wir wollen statt politischer Sprachlosigkeiten zwischen den Bürgern einen Dialog herstellen. Es soll diskutiert werden und zwar mit radikaler Höflichkeit“, erzählt Fröhlich. Um nicht in einer Facebook-Filterblase zu verschwinden, wurden Vorkehrungen getroffen. „In unserem Team arbeiten auch Menschen, die die Algorithmen hinter der Facebook-Filterblase verstehen und brechen können“, erklärt die Studentin. Über 6500 Menschen folgen Kleiner Fünf auf Facebook.

130 Menschen engagieren sich ehrenamtlich für Kleiner Fünf. Die Organisation finanziert sich vor allem durch viele kleine private Spenden. Unternehmensspenden hingegen fragen sie nicht an. „Geholfen hat uns eine Förderung der Bewegungsstiftung in Höhe von 15.000 Euro. Das war sozusagen der Startschuss für Kleiner Fünf“, erklärt Fröhlich die Entstehungsgeschichte. Mit dem Geld konnte beispielsweise die Internetpräsenz aufgebaut werden.“

Trotz aller Bemühungen: Die AfD im Bundestag wird Kleiner Fünf nicht verhindern können. Entmutigen lässt sich Paulina Fröhlich davon aber nicht. „Wir werden nicht verzagen. Die AfD und andere recht Parteien sollen sich auf was gefasst machen“, droht Fröhlich in Richtung der Partei.

DEMO-Gründerin war schon bei Maybritt Illner
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bundestagswahl - „Die AfD soll sich auf was gefasst machen“

37 Kommentare zu "Bundestagswahl: „Die AfD soll sich auf was gefasst machen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Allein schon die Menge der Postings, die sich hier an einem Montag-Morgen ab 9 Uhr für die AfD aussprechen, zeigt, dass die meisten AfD Anhänger offenbar Rentner sind. Selbst Arbeitslose hocken um diese Zeit in ihren Maßnahmen oder machen 1-Euro Jobs.

    Diese Veralterung des politischen Wutbürgertums ist bedenklich. Das sind Menschen, die irgendwie die goldenen 60er-Jahre zurück haben wollen, als man als Realschüler einen lebenslangen Job bei einer Bank, Versicherung oder im Gartenbauamt bekommen konnte - und davon sogar eine ganze Familie ernähren konnte. Diese Leute sind nun ein wenig muffig, dass heute die Leistungsgesellschaft etwas knackiger organisiert ist. Nun hocken sie in ihren Einfamilienhäusern, glotzen auf den Passat, fliegen nach Cran Canaria - und haben eine MORDSWUT auf "das System"... So sehen die AfD-Wähler aus. Glaubt mir, ich kenne ein paar...

  • Alternative Fakten, politische Geisterfahrer, unglaubwürdiges Verhalten, Mauscheln mit Moskau, Lügen und lächerliches Auftreten, Ahnungslosigkeit, wie man sich eine Krawatte bindet - Donald Trump macht vor, was Alt-Right in der Realität bedeutet. Wer glaubt, einzig wegen ausländerfeindlichen Gefühlen, diese Leute an die Macht bringen zu müssen, der begeht einen wirklich ernsten Fehler.

  • die Wahl wird nicht von jungen Wähler entschieden, sondern gerade von den älteren Wählern, die sich Sorgen um die Zukunft Deutschland machen.
    Den jungen Menschen fehlt offensichtlich der Weitblick, daher können oder wollen sie sich nicht vorstellen, das durch die linke Politik unserer Altperteien, Deutschland samt den Deutschen untergehen wird.
    Insofern ist nur gut, das es "besorgte Bürger mit Weitsicht gibt!

  • Ich empfehle zu dem Thema jedem den Spiegel-Bestseller "Kontrollverlust" von Thorsten Schulte vor der Bundestagswahl zu lesen!
    Klartext! Informativ! Entlarvend! Zieht daraus dann die richtigen Schlüsse!

  • Gemäß „ARD-„Deutschlandtrend“ sind von den Befragten:

    „Zwölf Prozent waren der Meinung, die neue Regierung solle sich primär um die Klärung der Einwanderungsfragen, die Neudefinition des Asylrechtes und die Schaffung eines Einwanderungsgesetzes kümmern.

    Neun Prozent hielten es für wichtig, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich verringert, eine Reichensteuer eingeführt wird und soziale Ungerechtigkeiten und Armut bekämpft werden.

    Für sieben Prozent stand demnach die innere Sicherheit mit Terror- und Kriminalitätsbekämpfung im Vordergrund.“



    Wie ich finde, korrespondieren die Fragen zur Einwanderung und zur inneren Sicherheit.


    Wer die Werte addiert, kommt auf 19 %, die ohne weiteres mit dem Thema „Schutzsuchende“ zu tun haben.

  • Herr Leo Löwenstein25.08.2017, 12:04 Uhr

    Sie werden so weitermachen. Die sind selber in sich gefangen. Das System krankt. Und es wird am Symptom gedocktert. Beispiel : Der Patient hat eine Lungenentzündung und ruft mir gehts scheisse ich muss mich ins Bett legen. Was machen die ? Sie schlagen Ihn unmächtig schneiden ihm die stimmbänder raus und sagen jetzt gehts dem Patient wieder gut!

  • Wenn die regierenden Parteien so weiter machen wie bisher, wird die AfD in 4 Jahren eher zweutstärkste Partei werden, verschwinden wird sie nicht.

    Die negativen Auswirkungen der unkontrollierten Einreise von unbekannten Menschen mit ungeklärter Herkunft wird in 5-10 Jahren deutlich größer sein, als es sich die ganzen Linken erhoffen. Dann wird der Ausschlag größer werden.

    Nur ein konsequentes Gegensteuern, Abschiebung sämtlicher ausländischer Straftäter und krimineller im ersten Schritt.

    Sämtliche Wirtschaftsflüchtlinge, die hier keine Arbeit finden (innerhalb von 3 Jahren), denen muss die Unterstützung gekappt werden und die Ausweisung aus unserem Land, sie können es gerne woanders probieren.
    Wir können nicht die Welt alimentieren und hier mit einem hohen Standard zum Nulltarif versorgen.
    Das Asyl muss Asyl bleiben und ist keine verkappte Einwanderungshilfe.
    Ohne Papier keine Geldzuwendungen, nur Unterkunft und Essen, fertig. Erst wenn die Identität eindeutig geklärt ist und entsprechende Papier vorliegen, kann es losgehen.
    Bei der Integration sind deutliche Forderungen an die Zuzöglinge zu stellen, werden diese nicht erfüllt, werden wie bei Hart IV einfach Sanktionen verhängt, bis hin zur Ausweisung.
    Von Menschen, die ja nur ihr Leben retten wollten, kann ich das erwarten. Alle anderen haben hier nichts verloren.

    Wirklich gut integrierte können bleiben (Sprache, Wertegemeinschaft, Arbeit), alle anderen müssen gehen.

    Mit dem gesparten Geld könnte man vor Ort in den Herkunftsländern ein vielfaches erreichen. Aber nicht mit der Gießkanne, nur bei Herkunftsländern, die auch mitziehen.

  • G. Nampf - 25.08.2017, 09:11 Uhr

    Da wäre ich mir nicht so sicher. Die sind so ideologisch veblendet und schieben das der AfD in die Schuhe, weil die ja die armen Bereicherer so unter Druck setzen und dadurch nicht richtig integriert fühlen blabla und so weiter

    Was ist das für eine Religion, bei denen die Männer ihre Hose nicht mehr unter Kontrolle haben, sobald sie bei Frauen offene Haare sehen ......

  • Mein Buch wird voller und voller. Viel Stoff von unserem System!

  • Dazu eine Meldung von Bild.de v. 23.08.

    „Terror gegen Dresden ISIS bedroht Frauenkirche!“

Alle Kommentare lesen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%