Zum Bundestagswahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Bundestagswahl
„Die AfD soll sich auf was gefasst machen“

Junge Deutsche interessieren sich nicht für Politik? Dieser Vorwurf ist alt und falsch. Immer mehr junge Menschen gründen politische Initiativen – aus Sorge um den Zustand der Demokratie in Deutschland.
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BerlinWenn die deutschen Bürger in einem Monat an die Wahlurne gehen, stimmen sie über die politische Zukunft eines Landes ab, das umzingelt ist von rechtsnationalistischen Populisten. Ungarn hat Victor Orban, Polen Jaroslaw Kaczynski, die Niederlande Geert Wilders, Frankreich Marie le Pen, Österreich die FPÖ, die Schweiz die SVP, Großbritannien den Brexit-Befürworter, Russland hat Putin, die Türkei Erdogan und die USA Donald Trump.

Die internationale Gemengelage voller pöbelnder Populisten macht vor den deutschen Landesgrenzen nicht halt. Über die sozialen Medien wird rechtes und nationalistisches Gedankengut auch nach Deutschland infiltriert und landet geradewegs in den Köpfen vieler deutscher Bürger und Wähler. Sie wählen die AfD, die sich vier Jahre nach ihrer Gründung am 24. September aller Wahrscheinlichkeit nach den Weg in den deutschen Bundestag geschimpft haben wird. Laut aktuellen Prognosen dürfte die AfD auf etwa neun Prozent der Stimmen kommen und damit die drittstärkste Kraft werden.

Wie konnte es nur soweit kommen? Es gibt viele Erklärungsversuche. Doch Erklärungsversuche – das reicht zahlreichen jungen Menschen in Deutschland nicht mehr. Sie wollen etwas gegen den Rechtspopulismus im Land tun. Ausgerechnet die Generation Y, die sich für Politik jahrelang nicht interessiert hatte, ist um den Zustand der Demokratie im Land besorgt.

Immer mehr Organisationen entstehen, die von jungen Menschen gegründet werden. „DEMO“, „Informationen für Deutschland“, „Kleiner Fünf“, „Polis 180“, „#ichbinhier“, „Kaffee & Kapital“, um nur einige zu nennen. Sie alle eint der Kampf gegen den Rechtspopulismus und für die Demokratie in Deutschland. „Die junge Generation ist teilweise aufgewacht“, erklärt Paulina Fröhlich von Kleiner Fünf.

Fröhlich ist 25 Jahre alt. Ein Jahr vor den Bundestagswahlen hat sie zusammen mit Freunden die Initiative „Kleiner Fünf“ gegründet. „Die Bundestagswahl ist das Narrativ unserer Gründung“, erklärt Fröhlich. Ihr Ziel ist klar: Rechte Parteien vom Bundestag fernhalten. Ihr Mittel: Argumente. „Junge Menschen, die beim Abendessen sitzen und Magenschmerzen bekommen, wenn sie sich anhören müssen, wie ihre Eltern auf Argumente der AfD hereinfallen oder wenn auf Familienfesten oder im Freundeskreis abfällige Bemerkungen über Flüchtlinge aufkommen – für diese Menschen wollen wir da sein und sie mit Argumenten unterstützen.“

Kleiner Fünf bietet neben diversen Workshops auch sogenannte Facebook-Bots an, die Menschen mit Argumentationshilfen in Diskussionen über rechtspopulistische Positionen versorgen. Unter dem Hashtag #wasverlierstdu will Kleiner Fünf zur Diskussion einladen. „Wir wollen statt politischer Sprachlosigkeiten zwischen den Bürgern einen Dialog herstellen. Es soll diskutiert werden und zwar mit radikaler Höflichkeit“, erzählt Fröhlich. Um nicht in einer Facebook-Filterblase zu verschwinden, wurden Vorkehrungen getroffen. „In unserem Team arbeiten auch Menschen, die die Algorithmen hinter der Facebook-Filterblase verstehen und brechen können“, erklärt die Studentin. Über 6500 Menschen folgen Kleiner Fünf auf Facebook.

130 Menschen engagieren sich ehrenamtlich für Kleiner Fünf. Die Organisation finanziert sich vor allem durch viele kleine private Spenden. Unternehmensspenden hingegen fragen sie nicht an. „Geholfen hat uns eine Förderung der Bewegungsstiftung in Höhe von 15.000 Euro. Das war sozusagen der Startschuss für Kleiner Fünf“, erklärt Fröhlich die Entstehungsgeschichte. Mit dem Geld konnte beispielsweise die Internetpräsenz aufgebaut werden.“

Trotz aller Bemühungen: Die AfD im Bundestag wird Kleiner Fünf nicht verhindern können. Entmutigen lässt sich Paulina Fröhlich davon aber nicht. „Wir werden nicht verzagen. Die AfD und andere recht Parteien sollen sich auf was gefasst machen“, droht Fröhlich in Richtung der Partei.

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  • Allein schon die Menge der Postings, die sich hier an einem Montag-Morgen ab 9 Uhr für die AfD aussprechen, zeigt, dass die meisten AfD Anhänger offenbar Rentner sind. Selbst Arbeitslose hocken um diese Zeit in ihren Maßnahmen oder machen 1-Euro Jobs.

    Diese Veralterung des politischen Wutbürgertums ist bedenklich. Das sind Menschen, die irgendwie die goldenen 60er-Jahre zurück haben wollen, als man als Realschüler einen lebenslangen Job bei einer Bank, Versicherung oder im Gartenbauamt bekommen konnte - und davon sogar eine ganze Familie ernähren konnte. Diese Leute sind nun ein wenig muffig, dass heute die Leistungsgesellschaft etwas knackiger organisiert ist. Nun hocken sie in ihren Einfamilienhäusern, glotzen auf den Passat, fliegen nach Cran Canaria - und haben eine MORDSWUT auf "das System"... So sehen die AfD-Wähler aus. Glaubt mir, ich kenne ein paar...

  • Alternative Fakten, politische Geisterfahrer, unglaubwürdiges Verhalten, Mauscheln mit Moskau, Lügen und lächerliches Auftreten, Ahnungslosigkeit, wie man sich eine Krawatte bindet - Donald Trump macht vor, was Alt-Right in der Realität bedeutet. Wer glaubt, einzig wegen ausländerfeindlichen Gefühlen, diese Leute an die Macht bringen zu müssen, der begeht einen wirklich ernsten Fehler.

  • die Wahl wird nicht von jungen Wähler entschieden, sondern gerade von den älteren Wählern, die sich Sorgen um die Zukunft Deutschland machen.
    Den jungen Menschen fehlt offensichtlich der Weitblick, daher können oder wollen sie sich nicht vorstellen, das durch die linke Politik unserer Altperteien, Deutschland samt den Deutschen untergehen wird.
    Insofern ist nur gut, das es "besorgte Bürger mit Weitsicht gibt!

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