Bundestagswahl
„Die AfD soll sich auf was gefasst machen“

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Informationen für Deutschland: Plakate statt Facebook

Nele Wolfram ist 23 Jahre alt, David Nonhoff 25. Zusammen mit zwei Freunden haben die Berliner zwei Monate vor der Bundestagswahl die Kampagne „Informationen für Deutschland“ gegründet – und gehen dabei einen völlig anderen Weg. Während „Kleiner Fünf“ und „DEMO“ vor allem auf den Social-Media-Kanälen aktiv sind, versucht ihre Kampagne die Menschen ganz klassisch mit gedruckten Plakaten zu erreichen. Ein Grund dafür sind die sogenannten Filterblasen bei Facebook. „Deswegen haben wir uns bewusst für Plakate entschieden“, erklärt Studentin Nele.

Zwei Wochen vor den Bundestagswahlen wollen sie 1200 Plakate im Großraum Berlin aufhängen. Dafür haben sie in den vergangenen Wochen 22.000 Euro eingesammelt. Das Geld kommt von zwei Unternehmen, der Baustofflogistik in Berlin und dem Großhändler für Gastronomietechnik, AfG Berlin, sowie aus einer Crowdfunding-Kampagne, die etwa 11.500 Euro eingebracht hat.

Die Plakate sind schlicht gehalten. Sie wollen durch ihre Unauffälligkeit auffallen und nicht im Kunterbunt der Werbeplakate untergehen. Auf den Plakaten wollen sie verschiedene Zahlen in Relation setzen. Beispielsweise wie hoch die entgangenen Steuereinnahmen durch Cum-Ex-Geschäfte waren und was im Vergleich dazu der Bund im vergangenen Jahr für Geflüchtete Menschen in Deutschland ausgeben musste. Damit begeben sich die jungen Berliner zwar auf dieselbe verkürzende Argumentationsweise, wie beispielsweise die AfD. Aber „die AfD wirbt zum Beispiel auch mit ‚Bikini statt Burka‘. Das hat keinerlei Informationsgehalt und zielt lediglich auf Emotionen ab“, meint David Nonhoff. „Wir dagegen wollen sachlich bleiben, was nicht heißt, dass wir die Menschen auch auf der Emotionsebene erreichen wollen.“

Obwohl es „Informationen für Deutschland“ noch nicht lange gibt, scheinen die jungen Berliner den Nerv rechter Gruppierung getroffen zu haben. „Wir haben jetzt schon erste Hasskommentare auf unseren Online-Kanälen bekommen“, erzählt David. Für die beiden ein gutes Zeichen auf dem richtigen Weg zu sein. „Sollte die Plakataktion gut ankommen und es unsere finanzielle Lage erlauben, können wir uns vorstellen künftig auch außerhalb von Berlin Plakate aufzuhängen“, blickt Nele in die Zukunft.

Die drei Initiativen sind jung und die Bundestagswahl ist bereits in 30 Tagen. Sie haben verschiedene Ansätze aber dasselbe Ziel. Erreichen werden sie es in der kommenden Legislaturperiode nicht. Dafür sind sie derzeit schlichtweg noch zu klein. Insgesamt folgen den drei Organisationen auf Facebook etwas mehr als 12.000 Menschen. Mit den Millionen von AfD-Wählern können sie es nicht aufnehmen – noch zumindest. Die jungen Menschen hinter den Initiativen, Paulina Fröhlich, Mareike Nieberding, Nele Wolfram und David Nonhoff, sehen in ihren Initiativen eine Entwicklung, die weitergehen wird – AfD im Bundestag hin oder her.

Roman Tyborski
Roman Tyborski
Handelsblatt / Volontär

Kommentare zu " Bundestagswahl: „Die AfD soll sich auf was gefasst machen“"

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  • Allein schon die Menge der Postings, die sich hier an einem Montag-Morgen ab 9 Uhr für die AfD aussprechen, zeigt, dass die meisten AfD Anhänger offenbar Rentner sind. Selbst Arbeitslose hocken um diese Zeit in ihren Maßnahmen oder machen 1-Euro Jobs.

    Diese Veralterung des politischen Wutbürgertums ist bedenklich. Das sind Menschen, die irgendwie die goldenen 60er-Jahre zurück haben wollen, als man als Realschüler einen lebenslangen Job bei einer Bank, Versicherung oder im Gartenbauamt bekommen konnte - und davon sogar eine ganze Familie ernähren konnte. Diese Leute sind nun ein wenig muffig, dass heute die Leistungsgesellschaft etwas knackiger organisiert ist. Nun hocken sie in ihren Einfamilienhäusern, glotzen auf den Passat, fliegen nach Cran Canaria - und haben eine MORDSWUT auf "das System"... So sehen die AfD-Wähler aus. Glaubt mir, ich kenne ein paar...

  • Alternative Fakten, politische Geisterfahrer, unglaubwürdiges Verhalten, Mauscheln mit Moskau, Lügen und lächerliches Auftreten, Ahnungslosigkeit, wie man sich eine Krawatte bindet - Donald Trump macht vor, was Alt-Right in der Realität bedeutet. Wer glaubt, einzig wegen ausländerfeindlichen Gefühlen, diese Leute an die Macht bringen zu müssen, der begeht einen wirklich ernsten Fehler.

  • die Wahl wird nicht von jungen Wähler entschieden, sondern gerade von den älteren Wählern, die sich Sorgen um die Zukunft Deutschland machen.
    Den jungen Menschen fehlt offensichtlich der Weitblick, daher können oder wollen sie sich nicht vorstellen, das durch die linke Politik unserer Altperteien, Deutschland samt den Deutschen untergehen wird.
    Insofern ist nur gut, das es "besorgte Bürger mit Weitsicht gibt!

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