Bundestagswahl So extrem sind die Kandidaten der AfD

Der Einzug der AfD in den Bundestag gilt als sicher. Doch wen genau will die Partei in den Bundestag schicken? Was fordern diese Menschen – und warum? Eine Dokumentation.
  • Sebastian Leber
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Alice Weidel und Alexander Gauland stehen oft im Rampenlicht der Partei. Quelle: dpa
Spitzenkandidaten

Alice Weidel und Alexander Gauland stehen oft im Rampenlicht der Partei.

(Foto: dpa)

Der Spitzenkandidat hält sich nicht mehr zurück. Auf einem AfD-Treffen erklärt er: Deutsche haben „das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Doch was ist mit den Kandidaten, die weniger im Rampenlicht stehen als Alexander Gauland? Was sind das für Menschen, die diese Partei in den nächsten Bundestag schicken möchte? Wer sich auf Facebook mit ihnen anfreundet, ihre Posts und Kommentare liest, Aufzeichnungen ihrer Reden anhört, bekommt ein eindrückliches Bild.

Dubravko Mandic (geb. 1980, Rechtsanwalt)
Der Direktkandidat im Wahlkreis Tübingen sympathisiert mit der rechtsextremen Identitären Bewegung, schwärmt auf Facebook von einem „entstehenden rechtsradikalen Netzwerk zwischen AfD und Identitärer Bewegung“. Mandic glaubt, seine Partei unterscheide sich von der NPD „vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte“.

Hält Menschen, die die Forderung „Deutschland den Deutschen“ ablehnen, für Verräter. Fordert die Einführung des Straftatbestandes „Volksthumsleugnung“. Flüchtlingen zu helfen, ist für ihn nichts anderes als „moderner Reichsarbeitsdienst“. Behauptet, Deutschland stehe seit sieben Jahrzehnten unter „Besatzung durch die USA“. Nannte Barack Obama einen „Quotenneger“.

Thomas Seitz (geb. 1967, Staatsanwalt)
Direktkandidat im Wahlkreis Emmendingen-Lahr. Vor seinen Freunden auf Facebook nennt er Flüchtlinge „Migrassoren“, den Propheten Mohammed einen „sadistischen Blutsäufer und Kinderschänder“. Findet es richtig, „Menschen mit schwarzer Hautfarbe auch weiterhin Neger zu nennen“.

Benjamin Nolte (geb. 1982, Ingenieur)
Fiel 2009 bei einem bundesweiten Burschenschaftstreffen auf, als er einer gemäßigten Kölner Verbindung, die ein dunkelhäutiges Mitglied in ihren Reihen hatte, eine Banane schenkte. Wechselte später zur Burschenschaft Danubia, einer Verbindung, die vom bayerischen Verfassungsschutz als „rechtsextremistische Organisation“ eingestuft wird und mehrere NPD-Größen sowie den Holocaust-Leugner Horst Mahler zu Gast hatte. Kandidiert auf der Landesliste Bayern

Peter Boehringer (geb. 1969, Kaufmann und Autor)
Die Nummer zwei auf der Landesliste Bayern ist ein Freund von Verschwörungstheorien: glaubt an die Existenz geheimer, global operierender Eliten, die im Hintergrund an einer sogenannten „New World Order“ (NWO) arbeiten - einer neuen Weltordnung. Die Gesellschaft solle dabei so verändert werden, dass die Eliten sie besser kontrollieren können. Auf Facebook erklärt Boehringer, in Deutschland steuere die NWO bereits die Bundesregierung, habe aber auch die evangelische Kirche, die Bahn, die CSU, die Grünen in Baden-Württemberg, diverse Hilfsorganisationen sowie die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft infiltriert.

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“
Alexander Gauland
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„Wir sollten eine Einwanderung von Menschen, die unserer kulturellen Tradition völlig fremd sind, nicht weiter fördern, ja wir sollten sie verhindern. (...) Es gibt kulturelle Traditionen, die es sehr schwer haben, sich hier zu integrieren. Von dieser kulturellen Tradition möchte ich keine weitere Zuwanderung. Diese kulturelle Tradition ist im Nahen Osten zu Hause.“

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland am 28. Januar 2015 im „Tagesspiegel“.

Alexander Gauland
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„Ich glaube einfach, dass der Islam in seiner heutigen Form nicht integrierbar ist in eine westliche Gesellschaft, viele Einzelne schon, der Islam nicht.“

Alexander Gauland am 13. April 2016 in der „Zeit“.

Albrecht Glaser (links) und Alexander Gauland
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„Das Minarett und der Ruf des Muezzin sind für uns Ausdruck eben jenes politischen Anspruchs an die Gesellschaft, den wir nicht haben wollen.“

Alexander Gauland am 2. Mai 2016 im Deutschlandfunk.

Beatrix von Storch
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„Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist.“

Partei-Vize Beatrix von Storch am 17. April 2016 in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Beatrix von Storch
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„Die größte Bedrohung für Demokratie und Freiheit geht heute vom politischen Islam aus.“

Beatrix von Storch am 19. April 2016 in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Jörg Meuthen
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„Ich will, dass auch für meine Enkel hier zuhause noch das Geläut der Kirchenglocken das geistliche Geräusch ist, das sie hören, und nicht der Ruf des Muezzins.“

Der AfD-Co-Vorsitzende Jörg Meuthen am 25. April 2016 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Frauke Petry im Hofbräukeller
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„Solange der Bau und Betrieb von Moscheen nicht nur dem gemeinsamen Gebet, sondern auch der Verbreitung der auf die Beseitigung unserer Rechtsordnung gerichteten islamischen Lehre dient, ist er zu untersagen. Dem können auch abweichende Beteuerungen islamischer Geistlicher nicht entgegenstehen, denn der Koran lässt zur Erreichung seiner Ziele gegenüber Außenstehenden auch Lüge und Täuschung zu.“

(Ein aus Niederbayern lancierter Gegenantrag zum Leitantrag für das Parteiprogramm der AfD.

Die Vereinten Nationen werden laut Boehringer ebenfalls von der NWO gesteuert - dort seien allerdings auch die Freimaurer aktiv. Glaubt außerdem, die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten seien Teil einer gesteuerten Invasion. Die Flüchtlinge würden für die Überfahrt nach Europa Geld erhalten, etwa aus Saudi-Arabien. Ziel sei, Europa zu islamisieren. Hat beim rechtslastigen Kopp-Verlag ein Buch veröffentlicht, verbreitet Beiträge der rechten „PI-News“.

Die meisten AfD-Hardliner, die ihr Gedankengut offen äußern, sind Männer. Viele fühlen sich der Pegida-Bewegung eng verbunden und versprechen, deren Stimme ins Parlament zu tragen. Manche treten bei den Protesten auch selbst als Redner auf.

Wilhelm von Gottberg (geb. 1940, Beamter im Ruhestand)
Nannte den Völkermord am europäischen Judentum in einem Essay im „Ostpreußenblatt“ ein „wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen“. Stimmte einer Aussage des italienischen Neofaschisten Mario Consoli zu, wonach „immer mehr Staaten die jüdische ,Wahrheit über den Holocaust unter gesetzlichen Schutz“ stellten. Der Holocaust solle demnach „ein Mythos bleiben, ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bleibt“. In seiner Bewerbungsrede beim AfD-Parteitag im Februar forderte er, den „Kult mit der Schuld zu beenden“. Kandidiert auf der Landesliste Niedersachsen.

Thomas Göbel (geb. 1971, Maler- und Lackierermeister)
Glaubt, AfD und Pegida verfolgten die gleichen Ziele. Erklärte im Juni bei einem Pegida-Auftritt in Dresden, die deutsche Volksgemeinschaft sei krank und leide „unter einem Befall von Schmarotzern und Parasiten“, welche dem deutschen Volk „das Fleisch von den Knochen fressen“ wollten. Sagt, es werde auf die „historische Schuld“ der Deutschen gepocht, damit „diejenigen, die nichts erlitten haben, auch in Zukunft weiter abkassieren können von denen, die nichts verbrochen haben“.

Behauptet auf Facebook, die Bundesregierung hole Flüchtlinge absichtlich ins Land und setze sie als „Migrationswaffe“ ein, um eine „Vermischung“, „Umvolkung“ und letztlich den „Volkstod“ der Deutschen zu erreichen. Möchte jeden Bundestagsabgeordneten, der für die „Ehe für alle“ gestimmt hat, vor Gericht stellen lassen. Glaubt, die „Ehe für alle“ sei in Wahrheit gar nicht für Homosexuelle gemacht, sondern ein weiterer Schritt zur „Islamisierung des Landes“. Wahres Ziel sei die Legalisierung der Mehrfachehe, womöglich auch der Kinderehe, um es den muslimischen Flüchtlingen recht zu machen. Kandidiert auf der Landesliste Sachsen.

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15 Kommentare zu "Bundestagswahl: So extrem sind die Kandidaten der AfD"

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  • Köstlich auch dieser Stefan Scheil. Nennt den deutschen Überfall auf Russland einen Präventivkrieg. Besonders witzig wird die braune Soße, wenn man sich vor Augen führt, dass solche Parteien auch noch vom Meisterstrategen Putin unterstützt werden. Nach dem hirnrissigen Motto: Nationalisten aller Länder vereinigt Euch!



    (Auch mit Kaczynski könnte dieser Bruder im Geiste bestimmt angeregt über die deutsch polnische Geschichte fachsimpeln.)

  • Dubravko Mandic könnte ziemlich schnell wieder seinen Bundestagsplatz leer räumen müssen, wegen verschiedener Delikte im rechtsradikalen Milieu. Er wird mit einigen Anzeigen rechnen müssen, die gute Aussicht haben, eine rechtskräftige Verurteilung nach sich zu ziehen.

  • Wenn man sich das intellektuelle Profil dieser Leute ansieht, versteht man plötzlich auch, wie die Kommentare zustande kommen, die hier von Leuten wie Marc Hoffmann und Herrn Spiegel abgelassen werden. Diese sonderbaren System-Abschaffungspläne kannte man früher nur von linken Spinnern. Bei den Rechten kommt dieser geballte Bullshit nun noch schlimmer und lautstärker (Trump!) daher. Gepaart mit den immensen Geldvermögen der rechten Eliten, bringt das eine beängstigende Wucht mit sich. Frau Weidel ist ja auch im Dienst der Allianz Invest, einer international agierenden Investment-Bank, welche man im Volksmund "Heuschrecke" nennt. das sind die wahren Feinde des arbeitenden Volkes. Revolution von oben. Und dann Steuern zahlen in der Schweiz.

  • Herr Holger Narrog

    Diese Systemathik gehört doch zum System der systemathisch gesteuerten kollektiven Meinungsbildung.

    Wie geht das noch einmal? Oft genug einfach etwas behaupten?

    Died Wirkung meine ich gestern Abend in der Kandidaten-Show bei dem extremen Herrn Gauland festgestellt zu haben. Es fehlte im jeglliche Offensivkraft, um seine Gegner öffentlich gezielt in die Schranken zu verweisen.

    Selbst beste Gelegenheiten nutzte er nicht, wie z. B., als KGE ihm dreist vorhielt, er wolle diese Özoguz nach Anatolien entsorgen, weil sie Türkin ist.

    Dazu hätte er unmißverständlich klarstellen können, dass er diese Person wegen deren Behauptung "es gäbe keine deutsche Kultur" angegangen ist.

    Vor großem Pubklikum hat er es versäumt, diese Grüne an die Wand zu nageln und sie aufzufordern zu sagen, ob KGE die Meinung der Özoguz teilt oder nicht.
    Sie soll sich dazu für die dazu schweigenden Grünen klar äuußern.

    Diese großartige Gelegenheit, Wählerstimmen für die Grünen zu dezimieren, hat er leider nicht genutzt.

  • Wenn man den Text liest sollte man meinen, dass die Kandidaten der bösen Oppositionspartei Babies mit Migrationshintergrund zum Frühstück speisen.

    3 Tage vor der Wahl hätte ich mich gewundert wenn etwas anderes gekommen wäre.

    Soweit mir bekannt stammen viele der Kandidaten aus dem rechten Flügel der CDU. Für den Text hat man vermutlich Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, oder die ungeschicktesten Sätze aus Reden und Texten herausgepickt.

  • „Nicht persönlich werden?“

    Was haben Sie dagegen, wenn ich dem Neuen eine hervorragende Qualifizierung bescheinige, auf die das HB, so wie ich es beschrieben habe, anscheinend großen Wert legt – ansonsten würden Sie ihm ja wohl kaum Gelegenheit dazu geben? Was also ist daran also „persönlich werden?

    Was ist daran persönlich, wenn ich das an dem Beispiel Boerhinger abgelieferte „Arbeitsergebnis“ zum Anlass nehme, auf den am gleichen Tag den zu Ihrem Verlagshaus gehörenden WiWo erschienenen Artikel mit völlig konträrem Inhalt verweise und ein Fazit ziehe?

    Oder hat Ihr Spezialist diesen Artikel studiert und seine „Beurteilung“ zu dem „Extremen“ Boerhinger etwas geändert? Nichts dergleichen.

    Fakt ist demnach - Sie haben nicht aus dem behaupteten Grund gelöscht!

    Gelöscht haben Sie, weil Ihnen meine klar ausgedrückte und begründete Meinung nicht passt.

    Meine Meinung dazu: Armseliges Verhalten.


    Das HB hat einen neuen „Spezialisten“? Soll er Herrn Neuerer unterstützen oder ist Herr Neuerer gar ermüdet von der Produktionsmenge seiner tendenziösen „Berichterstattung?

    Sei es, wie es sei.

    Die hervorragende Qualifizierung des „Neuen“ kann man seinen zahlreichen Verknüpfungen zu „soll“ Verbindungen, „soll“ gesagt haben und wird ihm zugesprochen, usw., erkennen.

    Zu seinen „Erkenntnissen“ betreffend Peter Boehringer (geb. 1969, Kaufmann und Autor) kann man nur lakonisch feststellen – bei diesem „Journalisten“ bringt wohl ein Lesen des heutigen Artikels in der WiWo Lektüre „Die schmutzigen Gesetze der Macht„ auch nichts.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Man kann natürlich auch noch mehr Zuwanderungen und die Flüchtlingr unterstützen. Ganz einfach die Balkanroute zusätzlich öffnen.

    Herzlich Willkommen.

  • 6Parteien im Bundestag. Das gibt lebhafte Debatten. Vor allem aus der Opposition.
    Das haben sich die "Volksparteien" wohl etwas einfacher vorgestellt.

  • Achso, für all die Intelligenzallergiker hier im Forum, das war Sarkasmus.

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