Bundestagswahl
So hat Deutschland gewählt

Damit hat Deutschland nicht gerechnet: Während Union und SPD eine historische Wahlschlappe erleben, wird die AfD drittstärkste Kraft. Und wirbelt die alteingesessene Parteienlandschaft ordentlich durcheinander.
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BerlinDass die Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag einziehen würde, war den meisten klar. Dass sie es aber mit 12,6 Prozent als drittstärkste Kraft tut, das hat am Sonntagabend für Furore gesorgt. Besonders CDU/CSU und SPD haben Stimmen an die rechtspopulistische Partei verloren.

Wie die einzelnen Wahlkreise in Deutschland abgestimmt haben, zeigt aber auch, wo die AfD besonders punkten konnte. Auffällig: Die Partei spaltet das Land wieder in Ost und West. Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall gerät in den neuen Ländern das politische Gefüge aus der Zeit der Wiedervereinigung ins Wanken.

Die CDU unter Angela Merkel konnte sich zwar auch jetzt noch als stärkste Kraft (28,2 Prozent) in den neuen Bundesländern halten, aber die AfD ist im Osten mit 22,5 Prozent nicht weit entfernt. Im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erzielt sie ihr bestes Ergebnis überhaupt: 35,5 Prozent und ein Direktmandat für Frauke Petry. In Sachsen ist die rechtsnationalistische Partei sogar erstmals stärkste Kraft.

Zu verdanken hat die AfD dieses Ergebnis unter anderem 24 Gemeinden, in denen mehr als 40 Prozent der Wähler mit der Zweitstimme AfD wählten. In Dorfchemnitz, im Landkreis Mittelsachsen waren es sogar fast die Hälfte aller Wahlberechtigten. Hier stimmten 47,4 Prozent der Menschen für die AfD. Die Linke, die sich lange als Volkspartei des Ostens präsentierte, hat deutlich verloren und ist in den neuen Bundesländern auf Platz drei gerutscht.

Über die Hintergründe und Erklärungsansätze wird in den kommenden Tagen und Wochen viel debattiert werden. Dass es in Ostdeutschland mehr Sympathien für rechtsradikale Überzeugungen gibt, ist durch Studien belegt. Forscher der Uni Leipzig hielten 2016 fest, dass sich rechtsextreme Einstellungen „grundsätzlich in allen Bevölkerungsgruppen“ finden.

Im Westen zeigt sich trotzdem ein anderes Bild. Hier kommt die AfD auf Rang drei, ganz knapp vor der FDP. Mit fast 34 Prozent schneidet die Union in den alten Bundesländern zwar deutlich besser ab, hat im Vergleich zur letzten Bundestagswahl aber mehr als acht Prozent verloren. Auch die SPD gehört mit einem Verlust von knapp fünf Prozent zu den Verlierern im Westen. Die übrigen Parteien konnten allesamt zulegen, allen voran die AfD (+6,6) und die FDP (+5,8).

Insgesamt sind FDP und AfD klarer Sieger der Bundestagswahlen: Sie konnten in allen Bundesländern teils massiven Zuwachs verzeichnen. Die AfD ist in 13 Ländern sogar die am stärksten gewachsene Kraft. Die FDP sichert sich diese Kategorie zumindest in Hamburg (+ 6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (+ 7,9 Prozent) und Schleswig-Holstein (+ 7 Prozent). Die AfD wächst in den meisten Ländern dagegen zweistellig. Am stärksten in Sachsen (+ 20,3 Prozent), Sachsen-Anhalt (+ 15,5 Prozent) und Thüringen (+ 20,6 Prozent), dem Landesverband des umstrittenen AfD-Politikers Björn Höcke.

Aber auch die Grünen zählen zu den Gewinnern der Wahl. Sie konnten mit 9,3 Prozent immerhin ihr zweitbestes Ergebnis seit Gründung einfahren – und vor allem deutlich mehr als die Umfrageinstitute prognostiziert hatten. Ein besseres Ergebnis gab es nur im Jahr 2009. Da wählten fast elf Prozent der Deutschen grün.

Union und SPD hingegen verloren ausnahmslos in jedem Bundesland. Für die Sozialdemokraten besonders bitter: Ausgerechnet in ihrer Hochburg, im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen, fuhren sie dramatische Verluste ein. Im Schnitt verlor sie in Wahlkreisen wie Gelsenkirchen und Unna bis zu sieben Prozent. Insgesamt kam die SPD in NRW auf 26 Prozent (- 6 Prozent). SPD-Landeschef Michael Groschek nannte das Abschneiden der Sozialdemokraten „eine historische Niederlage“. Die Partei sei in einer „existenziellen Krise“. Sie müsse im Bund – wie auch seit einigen Wochen schon in NRW – die Rolle der Oppositionsführerin annehmen.

Kommentare zu " Bundestagswahl: So hat Deutschland gewählt"

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  • Herr Peter Kastner25.09.2017, 18:34 Uhr

    Frau Merkel springt auf alles. Hauptsache die bleibt oben!

  • Merkel betrachtet ihren Hofstaat, die CDU mit Deutschland im Anhang wahrscheinlich schon auf Dauer von ihr persönlich gepachtet.
    Ihr Regierungsprogramm heißt: Ich bin Kanzlerin und alles andere ist nachrangig.
    Wenn eine Koalition mit dem Räuber Hotzenplotz nötig würde, würde sie auch das machen. Den Zeitpunkt, wo sie noch freiwillig von Hof gehen kann, hat sie verpasst.
    Sie wird dann vom Hof gejagt werden.

  • Kaum lob ich das Handelsblatt. Schon kommt die Zensurkeule. Ist doch nicht zu fassen!

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