Bundestagswahl Streit über zweites TV-Duell eskaliert

Über ein mögliches zweites TV-Duell zur Bundestagswahl ist ein heftiger Streit entbrannt. Nach der Absage aus der CDU-Zentrale erhebt SPD-Kanzlerkandidat Schulz nun schwere Vorwürfe gegen Kanzlerin Merkel.
Update: 13.09.2017 - 15:23 Uhr 21 Kommentare
Beim ersten TV-Duell kamen viele Thema nicht zur Sprache. Quelle: Reuters
Merkel und Schulz.

Beim ersten TV-Duell kamen viele Thema nicht zur Sprache.

(Foto: Reuters)

BerlinÜberraschend kam das Nein der Kanzlerin zu einem zweiten TV-Duell nicht. Angela Merkel hatte sich in dieser Frage schon früh festgelegt. Und ihre Ablehnung mit dem Argument verteidigt, dass in Deutschland die Bundeskanzler nicht direkt gewählt werden. „Insofern sollte mit Blick auf die kleineren Parteien die Zuspitzung auf nur zwei Personen eher die Ausnahme im Fernsehwahlkampf sein.“

Ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) ließ sich davon aber nicht beirren. Er schrieb Merkel einen Brief, bat sie nach dem ersten Duell am 3. September um ein zweites. Die Antwort kam postwendend und deutlich. „Zu dem Thema ist alles gesagt“, erteilte die CDU-Zentrale dem Wunsch von Schulz eine Abfuhr.

Führende SPD-Politiker reagierten empört. Und auch Schulz ließ es sich nicht nehmen, kräftig gegen Merkel auszuteilen. Vor allem, dass die Absage nicht von ihr persönlich kam, sondern direkt aus dem Konrad-Adenauer-haus ärgert ihn. „Ich bin erstaunt, dass ich dem Bundeskanzleramt einen Brief schreibe, an die Kanzlerin persönlich - und das Adenauerhaus kommentiert das und lehnt das ab“, sagte Schulz am Rande eines Wahlkampfauftrittes in Heppenheim. „Ich bin immer noch davon ausgegangen, dass das Bundeskanzleramt nicht die Parteizentrale der CDU ist, sondern eine Einrichtung, die dem Land dient“, meinte Schulz. „Offensichtlich nicht. Diese Überlappung von Parteiinteressen und Staatsaufgaben, die geht so nicht.“

Offenkundig ist, dass Schulz' Kalkül nicht aufging. Denn wie er war Merkel mit dem Verlauf des ersten Duells nicht wirklich zufrieden. Sie und Schulz waren zwar intensiv zu Flüchtlingen, Integration und der Türkei-Politik befragt worden. Themen wie die Digitalisierung, Rente, Bildung oder Pflege waren von den vier Moderatoren jedoch gar nicht oder nur kurz angesprochen worden.

In dem Brief an die Kanzlerin schreibt Schulz denn auch, auch Merkel selbst habe ja die Themenauswahl beklagt. „Die Bürgerinnen und Bürger verdienen eine umfassende Debatte um die zentralen Zukunftsfragen unseres Landes. Aus diesem Grunde fordere ich ein zweites TV-Duell vor der Bundestagswahl. Ich bin jederzeit dazu bereit.“

Der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer hält indes die Forderung von Schulz für unglaubwürdig. „Ich bin mir sicher, dass Martin Schulz kein zweites Duell fordern würde, wenn er das erste gewonnen hätte“, sagte der Professor an der Freien Universität zu Berlin dem Handelsblatt. Zudem sei er „selbst zum Teil daran Schuld, dass die Zeit für manche Themen nicht mehr ausreichte“, fügte Niedermayer hinzu. Schulz habe etwa „Zeit damit verschwendet, das abgedroschene Maut-Thema wieder hervorzuholen, als es eigentlich um die Rente ging“.

Schulz steht aber mit seinem Wunsch nach einem weiteren TV-Duell nicht allein. Im Netz formieren sich derzeit viele Befürworter. Eine kurz nach dem ersten Duell gestartete Online-Petition mit dem Titel „Für ein zweites TV-Duell mit relevanten Themen, die Menschen wirklich betreffen!“ wurde bereits von knapp 26.000 Unterstützern unterschrieben.

Angestoßen wurde die Petition von Bastian Kenn, einem Juso-Mitglied der rheinland-pfälzischen SPD. Das erste TV-Duell zwischen Merkel und Schulz habe ihn „sehr enttäuscht“, begründet er seine Position. „Fünf Minuten zu sozialer Gerechtigkeit und Innenpolitik reichen mir nicht. Anstatt der Diktion rechtspopulistischer Gruppen zu folgen, fordere ich eine Diskussion über die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft.“

Dann erinnert der SPD-Nachwuchspolitiker daran, dass schon RTL-Moderator Peter Kloeppel am Ende des ersten Duells ein zweites vorgeschlagen habe. „Dem schließe ich mich an! Wir brauchen ein zweites Duell über Themen, die Menschen wirklich wichtig sind.“

Auch die Fernsehsender halten zwei Rededuelle nach wie vor für die beste Lösung im TV-Wahlkampf. „Das ZDF hat sich angesichts der Themenfülle immer für zwei Duelle eingesetzt. Unsere Einladung steht“, teilte der Sender in Mainz am Mittwoch mit. Die Kanzlerin habe in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ am Donnerstag Gelegenheit, sich persönlich dazu zu äußern.

ARD-Chefredakteur Rainald Becker erklärte, man habe sich schon im Vorfeld zwei TV-Duelle gewünscht. "Dies kann aber nur dann realisiert werden, wenn beide Kandidaten dazu bereit sind, und das war und ist offensichtlich nicht der Fall.“

RTL-Chefredakteur Michael Wulf wäre mit einem zweiten Duell einverstanden: „Wir hatten bereits im März an die Politik adressiert, dass wir uns zwei Duelle wünschen würden, um der Fülle an Themen gerecht werden zu können“, sagte er am Mittwoch. „Dazu stehen wir voll und ganz, denn offene Fragen gibt es auch nach 95-minütigen Duell Anfang September mehr als genug. Klares Signal deshalb aus Köln: Wir stehen bereit.“

Sat.1-Sprecherin Diana Schardt erklärte: „Wir haben von Anfang an für zwei Duelle plädiert. Dies wurde bekanntlich abgelehnt. Die Bundeskanzlerin war und ist offensichtlich nur zu einem TV-Duell bereit. Sollte sich dies ändern, sind wir selbstverständlich bereit.“

Alle vier Sender hatten das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz parallel übertragen.

An Merkels Entscheidung dürfte sich aber wohl nichts mehr ändern. Entsprechend verärgert reagierten deshalb auch andere Sozialdemokraten. Dass Merkel kneife, komme nicht überraschend. „Wenn man keine Positionen hat, fällt es eben schwer, diese öffentlich zu vertreten“, sagte Parteivize Ralf Stegner dem Handelsblatt. Merkel scheue die direkte Auseinandersetzung mit Schulz über Themen, die für Wähler von „immensem Interesse“ seien, wie Lohngerechtigkeit, Rente, Bildung, bezahlbarer Wohnraum oder Digitalisierung. „Das ist ein Armutszeugnis“, sagte Stegner.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf Merkel „mangelnden Respekt vor den Bürgerinnen und Bürgern und der demokratischen Auseinandersetzung“ vor. Die Kanzlerin verweigere die Debatte über die Zukunft der Bildung, der Rente, der Pflege und der Digitalisierung.

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21 Kommentare zu "Bundestagswahl: Streit über zweites TV-Duell eskaliert"

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  • Ich habe mit 48 Jahren meinen gut dotierten Job in einem Ministerium gekündigt. Im Sommer/Herbst 2015, die Flüchtlingskatastrophe rollte ungebremst über uns hinweg, war ich im neu gegründeten Referat für Asylpolitik als Referentin tätig. Ehrlich gesagt, ich war total entsetzt, wie die Bevölkerung nicht beunruhigt wird.

    Ich hatte viele Gründe zu kündigen, bin ausgestiegen und nach Griechenland ausgewandert. Dies ist sicher nicht die Lösung für jeden, aber wer Interesse hat, findet unter https://vorruhestand.blog zahlreiche Tipps.

  • Mit einem anderen, qualifizierten Kandidaten o.k., könnte noch mal interessant sein. Aber nicht mit dem peinlichen Herrn Schulz. Den hat der unsägliche Sig. Berlusconi groß gemacht, aber nicht groß genug für das Kanzler-Amt. Der hat es einfach nicht und der interessiert nicht.

  • Merkel kneift. Offensichtlich hat sie nichts mehr zu sagen!
    Sie möchte wohl nicht darauf angesprochen werden, dass sie z.B. der SPD eine Neiddebatte vorwirft, wo es doch um mangelnde Gerechtigkeit z.B. beim Kindergeld geht:
    Unions-Kindergeld: Geringverdiener +25, Spitzenverdiener +60€ = Umverteilung a là Union (von unten nach oben)!
    Daher: ‪Kein Kreuz in die Raute!‬
    ‪https://youtu.be/dOa-fcp74uU‬

  • Wer will diese Rentner zum zweiten Mal sehen. Dieser Mensch müßte dement sein und damit die Voraussetzung zur eigenen Kanzler-Kandidatur erfüllen. In diesem Sinne, ich wähle Nezfix.

  • Wie sie alle rumheulen. Natürlich wird Merkel keinen zweiten Termin mehr wahrnehmen. Zum einen ist der Wahltermin bereits in 11 Tagen. Und sie liegt um Längen in Führung. So weit vorne, dass die SPD da nie mehr im Leben auch nur ansatzweise ran kommt.

    Zum anderen sind die Themen wie Rente oder Bildung zwar nett, Aber entweder derzeit nicht lösbar (Rente; das Thema wird in 10-15 Jahren gelöst werden, wenn der Druck da ist; das Umlagesystem braucht keine vorsorglichen Entscheidungen) oder nicht zuständig (Bildung ist Ländersache; es sei denn, die würden das freiwillig abgeben was unwahrscheinlich ist). Digitalisierung? Nicht das Problem einer Mehrheit. Was da gesagt würde versteht eh kaum einer - und erst recht nicht Merkel und Schulz... Lohngerechtigkeit? Was ist damit gemeint? Die real gar nicht existente Gender-Pay-Gap? Die Tatsache, dass jemand mit Studium in einem Mangelberuf deutlich mehr verdient, als jemand der ungelernt Hilfsarbeiten verrichtet?

    Nein, die Themen des ersten Duells (Umgang mit den illegal Eingereisten, innere Sicherheit, muslimischer Terror,...) war schon richtig. Das sind Dinge, die in den kommenden 4 Jahren gelöst werden können und müssen. Dafür kann man jetzt sein Kreuz machen.

    Ach ja, und natürlich antwortet das Adenauerhaus auf diese Anfrage von Schulz. Denn seine Anfrage richtet sich an die Parteivorsitzende und Spitzenkandidatin der CDU. Nicht an die Bundeskanzlerin. Denn Wahlkampf macht sie als CDU-Spitzenkandidatin. Das Kanzleramt oder die Bundeskanzlerin hätte gar nicht antworten dürfen. Aber das ist Herrn Schulz sicher nicht klar. Denn er hat ja überhaupt kein Amt. Sondern ist nur SPD-Vorsitzender und ansonsten... Privatmann.

  • Ich würde enthusiastisch Auseinadersetzungen erwarten, die so spannend und uninformativ sind, dass ich mir lieber was auf Netflix ansehe.

  • .......brauchen wir das?......brauchen wir jetzt noch.....dramatische Auseinandersetzungen.....vor dem Wahllokal?......wem dient das?.....

    ......ganz sicher nicht den beiden großen Leadern.....aus der Parteien-Landschaft....

    .....kann nur den nicht Gewünschten dienen......denn.....sie schnalzen mit der Zunge.....benutzen sie sie.....um weiter Stimmung für sich zu machen...
    .....man reibt sich die Augen.....und versteht so Vieles nicht mehr.....
    ......noch weitere Worte?......nein.....es reicht.....

  • Was wer der Grund für den Wunsch von Martin Schulz? : "Beim zweiten Duell schläft man besser" Schulz und die SPD haben ein Riesenproblem. Diese Wahl haben sie sowieso vergeigt. Aber man muss sich nicht lächerlich machen. Mit diesem Wahlkampf hat sich Schulz für den Rest seiner politischen Laufbahn disqualifziert. Man kann mit Anstand verlieren, mit erhobenem Haupt in die Opposition gehen und dann sagen wie Arnie: "I'll be back!" Kohl hat es auch nur im zweiten Anlauf geschaff, Willy Brandt erst im dritten. Aber Brandt war bei der ersten Kanzlerkandidatur 48 Jahre, Schulz ist 62. Genau das ist das Problem der SPD. Sie hat keinen einzigen halbwegs sympathischen und kompetenten Top-Kandidaten unter 50, den sie ins Rennen schicken könnte. Wenn alle 4 Jahre ein paar alte Säcke das Los werfen, wer es macht, wird das nie was. Hätte die SPD jetzt jemanden gehabt wie die Linken mit Sahra Wagenknecht, hätte der oder die wahrscheinlich verloren, aber 2021, wäre der oder die Anfang 50 und hätte entweder mit einer 67 Jahre alten Merkel konkurriert, oder mit einem Newcomer von der CDU, und das wäre dann wirklich spannend geworden. Sigmar Gabriel ist 2021 62, und das wird dann wieder so ein one-election-stand.

  • Herr Martin Schulz will nicht wirklich das 2. TV-Duell mit Frau Merkel; denn ihm ist bekannt, dass die Dame ein 2. Duell ablehnt ------- aber allein die Ablehnung kann dem Wähler vielleicht suggerieren, dass der Herausforderer doch noch den ein oder anderen wahlentscheidenden GAG auf der Pfanne hat. was Stimmen bringen kann, um noch die 5%-Hürde zu schaffen.
    Fazit : Frau Merkel wird Bundeskanzlerin bleiben, weil sie die etwas weniger schlechte Lösung des Problems ist.

  • A) Merkel bleibt Kanzler - darüber braucht man sich wohl nicht streiten.
    B) Also, wozu dieses Theater?

    Meine Theorie: Schwarz-Gelb soll's werden. Dann ist die SPD 4 Jahre raus, und kann dann ohne Regierungsverantwortung wenigstens Vordergründig plausibel Wahlkampf betreiben und alles was falsch laufen wird Merkel & Co in die Schuhe schieben.

    Das "Gerechtigkeits-Thema" würde wohl schon ziehen -allerdings ist die SPD derzeit doch mit an der Regierung - da können die dann schrein was se wollen: es glaubt ihnen keiner bzw. keiner traut's ihnen zu, dass sie was ändern.

    Wenn die große Koalition sich für zu lange Zeit verfestigt, dann verlieren am Ende beide, da beide das selbe Produkt verkaufen - es ihnen aber kaum mehr jemand abnimmt.

    Ich -laut wahl-o-mat ein Nazi- find's lustig. ;-)

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