FDP
Das Frauenproblem der Liberalen

Die FDP hat sich breiter aufgestellt, setzt auf Zukunftsthemen wie Digitalisierung. In einem hat sie sich nicht erneuert: Nur wenige Frauen haben in der Partei etwas zu sagen. Wählerinnen schreckt das ab. Ein Kommentar.
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BerlinEs sieht gut aus für die FDP. Von der außerparlamentarischen Opposition hat sie sich wieder auf stabile Umfragewerte hochgearbeitet, die einen Wiedereinzug in den Bundestag am Sonntag sehr wahrscheinlich machen. Weiblichen Wählern wird die Partei das dann wahrscheinlich weniger zu verdanken haben.

Laut einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird die Partei überdurchschnittlich von Männern unterstützt. Während bei SPD und Union die Anteile von männlichen und weiblichen Wählern nahezu gleich sind, ist die Verteilung bei der FDP 60 zu 40. Derzeit hat von den Parteien, die wahrscheinlich in den Bundestag einziehen, laut DIW nur die AfD einen höheren Anteil von männlichen Wählern (69:31). Eine Analyse der Meinungsforscher von YouGov kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach sind 56 Prozent der FDP-Wähler männlich und 44 Prozent weiblich.

Zufall ist das nicht. Innerhalb der FDP haben derzeit vor allem Männer das Sagen. Am letzten Parteitag vor der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag war das mal wieder besonders sichtbar. Als sich die wichtigsten Gestalter der Partei auf der Bühne unter dem Applaus der Delegierten versammelten, standen dort neben sieben Männern nur drei Frauen: FDP-Generalsekretärin Nicola Beer, Hamburgs FDP-Chefin und Vize-Bundesvorsitzende Katja Suding sowie die Vize-Bundesvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Beer ist eine der Frauen, die neben Lindner noch am häufigsten bei Versammlungen der Partei reden. So auch beim Bundesparteitag. Während die Delegierten bei Lindner aber noch gebannt lauschen und frenetisch applaudieren, steigt bei Beer sofort der Lärmpegel, die Delegierten reden lieber miteinander als ihrer Generalsekretärin zuzuhören. Beer redet häufig am Ende solcher Veranstaltungen, das ist ein Nachteil.

Aber auch bei anderen Gelegenheiten, etwa als FDP-Chef Christian Lindner ihr zum besten Zeitpunkt auf dem Bundesparteitag im April die große Bühne überließ, war die Aufmerksamkeit bei den Reden von FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki oder Lindner deutlich höher.

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  • Und ich hab diesen Lindner immer mit diesem jungen, zappeligen Trainer vom BVB verwechselt. Ein großer Taktik-Fuchs, so sagte man, der ganz viel Ticka-Tacka machen konnte, und plötzlich verschwunden war. Und ich habe mich immer gewundert, wieso der plötzlich soviel über Steuersenkung reden tut!

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