Kämpferischer Martin Schulz „Mich interessieren Golffahrer mehr als Golfspieler“

Merkel-Attacke, Managerschelte und Trump-Kritik: Beim Start seiner Wahlkampftour in Bremen teilt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kräftig aus. Von schlechten Umfragewerten will er nichts wissen.
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Schulz: „Niemand soll sich von Zeitarbeit zu Zeitarbeit hangeln"

Schulz: „Niemand soll sich von Zeitarbeit zu Zeitarbeit hangeln"

BremenMartin Schulz springt nicht einfach so auf die Bühne, um seine Wahlkampftour zu starten. Der SPD-Kanzlerkandidat bahnt sich zur Musik von Coldplay seinen Weg von hinten durch die Zuschauer, die sich am Montagabend auf dem Marktplatz in Bremen eingefunden haben.

Das Bad in der Menge sorgt natürlich für nette Bilder, die sogleich auf eine große Videoleinwand neben der Bühne übertragen werden: Schulz schüttelt Hände, bekommt Schulterklopfer und sogar Küsschen. Er gibt Autogramme und winkt. Zugleich soll sein Einmarsch wohl eine erste Botschaft an die Wähler senden: Ich bin einer von Euch.

Das zeigt sich auch, als Schulz endlich vorne angekommen ist. Er klettert nicht etwa nach oben auf die Bühne, auf der eben noch Bremens Bürgermeister Carsten Sieling und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil als Einstimmung ihren Kanzlerkandidaten in höchsten Tönen gelobt haben. Schulz tritt an ein Rednerpult, das weiter unten bei den Zuschauern steht. „Auf Augenhöhe“ mit den Bürgern, nicht so „abgehoben“ wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihrer Bühne – so haben es sich die Parteistrategen überlegt.

„Wir starten hier in Bremen, in unserer sozialdemokratischen Hochburg, in die heiße Wahlkampfphase“, ruft Schulz. Und tatsächlich stellt die SPD in der Hansestadt seit Kriegsende ununterbrochen den Regierungschef. Kein Wunder also, dass hier die Wahlkampftour beginnt, die den SPD-Kanzlerkandidaten in den rund vier Wochen bis zur Bundestagswahl am 24. September mit 40 weiteren Auftritten quer durch die ganze Republik führen soll.

Der Druck auf Schulz ist groß. In den Umfragen liegt die SPD deutlich hinter der Union. Auch das mag der Grund sein, warum Schulz in Bremen sogleich voll auf Angriff schaltet. „Es geht nicht gerecht zu“, ruft Schulz in die Menge. In der Großen Koalition sei die SPD in vielen Fragen „auf den geschlossenen Widerstand des konservativen Blocks“ um Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer gestoßen – bei der Verschärfung der Mietpreisbremse etwa oder dem Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit. „Die Union hat das verhindert und Angela Merkel ganz persönlich“, greift Schulz die Kanzlerin direkt an. „Deutschland kann mehr, wenn ein Sozialdemokrat Bundeskanzler ist.“

Da werden Plakate mit der Aufschrift „Zeit für mehr Gerechtigkeit“ oder „Jetzt ist Schulz“ in die Höhe gereckt. Doch es gibt auch Pfiffe und Buh-Rufe – wenn auch nicht so heftig wie bei Kanzlerin Merkel, die bereits in der Woche zuvor ihren Wahlkampfauftritt in Bremen hatte.

„Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten“, steht auf einem Plakat oder „Weg mit Hartz IV“. Pfiffe kommen von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), die mit ihren Bannern gegen „jede imperialistische Aggression“ demonstriert. Auch Anhänger der Satire-Partei „Die Partei“ von Martin Sonneborn rufen immer mal dazwischen.

Schulz nimmt es mit Humor. „Ich spendiere Dir ein Sprudel bei der Anstrengung“, ruft er einem Störer zu. Dann nimmt er sich wieder die Kanzlerin vor, die ihrerseits den Herausforderer kaum jemals namentlich nennt und allenfalls belächelt. „Der Wohlstand kommt nicht bei allen an“, kritisiert Schulz. Er werde es als Kanzler besser machen. „Nichts ist alternativlos, wie Angela Merkel es behauptet“, verkündet Schulz. Es gebe bei dieser Bundestagswahl klare Alternativen. Dann wendet sich Schulz direkt an die Jungen und Alten auf dem Platz.

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17 Kommentare zu "Kämpferischer Martin Schulz: „Mich interessieren Golffahrer mehr als Golfspieler“"

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  • "Der Wohlstand kommt nicht bei allen an", kritisierte Schulz.

    Das liegt daran, dass Deine Parteigenossen von der SPD, die im Aufsichtsrat von VW die Mehrheit stellen, Vorstandsgehälter, Boni, Millionenabfindungen nach nur wenigen Monat Arbeit, einfach abnicken.

    Mensch, Martin!

  • In Deutschland leben 500 000 Tausend Menschen mit Golfsocken auf der Strasse
    und nach 900 000 Tausend Flüchtlingen ohne Schufa , ohne polizeiliches Führungszeugnis , sollten auch diese armen Menschen eine zweite Chance
    haben, ohne auf die Vergangenheit zu achten.

    Aber wie ich immer sage: Die SPD taucht nur bis zum Rand der Sahne und nie
    bis zum Bodensatz!

  • Ja, Herr Narrog, dieser blöde, ökosozialistische Komplex, der dazu geführt hat, dass die Flüsse inzwischen wieder leidlich sauber sind, eine 40-Stunden-Woche und 4 Wochen Jahresurlaub zumindest im Groben die Regel sind, Arbeitsschutzmaßnahmen, Krankenversicherung für jeden - und die Armen Betriebe, die wegen den ganzen Auflagen überhaupt keine Gewinne mehr machen, um ihre aufgeblähten Management-Wasserköpfe zu bezahlen, die heute natürlich auch so viel schlechter dastehen als früher, die armen, unmotivierten Millionen-Geringverdiener...

    Und auch das Umlagesystem ist wunderbar, denn es ist ein ehrliches System. Sie können nur ausgeben, was Sie einnehmen. Hier und da ein bißchen Puffern, ggf. auch mal eine Untergrenze einziehen, aber alles in Maßen. Und es ist genug da. Würden alle einzahlen, erst recht. Sie glauben brav an ein Märchen, das Ihnen von sowohl CDU- als auch SPD-Regierungen der letzten 20 Jahre erzählt wurde. Herrn Schröder muss man gar nichts anrechnen, der Aufschwung war nicht sein Verdienst, sondern bereits im Gange, dazu gibt es inzwischen diverse Untersuchungen und Studien, google hilft.

    Kapitaldeckung funktioniert übrigens nur, wenn Sie andere Menschen auf diesem Wege (Investitionen ^^) ausbeuten können - entweder die Geringverdiener im eigenen Land oder besser noch die dritte Welt. Denken Sie mal drüber nach. Wenn Sie Ihre eigenen Zinsen erwirtschaften müssten, wäre das doch auch echt beschissen, oder? Da können Sie ja gleich in einem Umlagesystem den Produktivitätszuwachs mitnehmen...

  • Die SPD - Hochburg Bremen. "An ihren Fruechten sollt Ihr sie erkennen". Das
    schlechteste Bildungsniveau - die hoechsten Schulden und haengen immer am
    Laender-Finanzausgleich. Ist es das, was Martin fuer den Rest der Republik plant?

  • Hallo Herr Nold,

    man kann sich vieles wünschen, es schadet aber nicht auch in die Wirklichkeit zu schauen. Das kann man Schröder und Genossen gross anrechnen.

    das was Sie und einst ich auch in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt haben ist längst ausgegeben. Das Deutsche Rentenversicherungssystem ist ein Umlagesystem in dem immer die arbeitende Bevölkerung die Ruheständler finanziert. Das war 1960 grossartig...2020 ist das nachteilig.

    Der Produktivitätsfortschritt ist im ökosozialistischen Komplex gelandet. Wenn Sie in einen beliebigen Betrieb schauen, arbeiten dort heutzutage viel weniger Menschen in der Produktion und viel mehr in den Büros. Denken Sie an all die Auflagen und Zertifizierungen die heutige Betriebe erfüllen müssen. Abseits der Betriebsebene blicken Sie mal auf all die staatlichen und teilstaatlichen Beratungsstellen. ....

  • Soll ich schon "Martin!" rufen?

  • @Narrog
    Seit Generationen arbeiten Ingenieure und Techniker daran, den technischen Fortschritt für das Allgemeinwohl nutzbar zu machen. Und so bin ich auch vor mehr als 30 Jahren angetreten. Jahrzentelang haben wir geschuftet, Überstunden geschoben ohne Ende, heute erledigt ein Mensch wo früher 10 nötig waren und dann erzählen uns fette Absahner wie Schröder und Co eine menschenwürdige Rente mit 63 sei eine Forderung aus dem Wolkenkuckucksheim, wir müssten bis 70 arbeiten. Wo ist denn der Produktivitätsfortschritt geblieben, den wir in all den Jahrzehnten erarbeitet haben? Unsere Ansprüche sind zwar größer geworden und wir haben auch teure Fehler gemacht (siehe Atomkraft), aber in Summe war das doch deutlich geringer, als der Mehrwert, den wir für Mensch und Umwelt geschaffen haben. Ja, auch für die Umwelt. Wer sich heute über den Diesel beschwert, der beschwert sich auf einem verdammt hohen Niveau. Wo ist das Geld geblieben, das wir erwirtschaftet haben? Warum gibt es in Österreich eine auskömmliche Rente und bei uns nicht? Und was die Einwanderer anbelangt: Ich hatte Azubis aus Marokko, aus der ehemaligen Sowjetunion und anderswo. Die haben genauso gearbeitet wie die Deutschen. Wenn mans richtig macht, funktioniert das auch, wenn man sie beschäftigungslos rumsitzen lässt, dann natürlich nicht.

  • Martin Schulz :
    „Wer in diesem Land hart arbeitet, der hat unseren Respekt verdient“
    .

  • Na ja, jetzt kriegt schon die Frau von Gabriel in ihrer Zahnarzpraxis Drohanrufe. Gabriel findet das nun gar nicht lustig. Zumindest wissen sie nun mit welchem Geschmeiss man es in Deutschland immer mehr zu tun hat.


    Die liebe gute Frau fährt doch nicht etwa Golf oder spielt sie lieber? Das wäre mal interessant mit welchem Auto sie auf den Golfplatz fährt.

    Wer lüftet das Geheimnis.

    Das wäre doch mal ein Artikel für das HB wert, oder?

  • Hallo Herr Nold, sicherlich kann man so tun als ob es ausserirdische Konten gibt aus denen sich alle Wünsche der Politik erfüllen lassen.

    Real ist, dass die produktive Bevölkerung der BRD schrumpft. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen bis 2032 in Rente, die Lebenserwartung steigt, die Anzahl beruflich nicht qualifizierter Einwanderer nimmt rasant zu. Schröder, Müntefering haben lediglich den Mut gehabt ein wenig Realität in die Rente zu bringen.

    Ich denke die Altersgruppen < 50 könnten froh sein wenn diese irgendwann eine existenzsichernde Rente erhalten. Die Herausforderungen können sein:
    - Durch die Schieflagen im € System droht das derzeitige Geldsystem irgendwann zu kollabieren. Riester, Lebensversicherungen, Betriebsrenten drohen (teilweise) zu entwerten.
    - Die neue Bevölkerung wird eine neue Wirtschaftsstruktur mit geringerer Produktivität bedingen. Demzufolge werden Existenzminimum und Renten geringer sein.
    - Renten sind im Islam nicht Haram (verboten). Dennoch vermute ich, dass die künftige Bevölkerung Deutschlands nicht daran interessiert ist einen erheblichen Teil des Einkommens für die Altbevölkerung auszugeben.
    - In den islamischen Staaten findet man keinen ausgebauten Sozialstaat. Die sozialen Funktionen werden üblicherweise durch die Familien übernommen.

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