Zum Bundestagswahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Kinderpressekonferenz mit Angela Merkel
„Und jetzt schütteln wir uns alle“

Die Bundeskanzlerin mag Strickjacken und pflanzt Kartoffeln: Kurz vor dem Wahlkampffinale spricht Angela Merkel mit der „Generation Merkel“ – Kindern, die nur sie als Kanzlerin kennen.
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BerlinEine halbe Stunde ist um, als bei Angela Merkel die pädagogische Ader endgültig durchbricht. „So, jetzt stehen alle mal auf“, ruft sie den rund 150 Kindern vor sich zu. „Und jetzt schütteln wir uns alle“, meint die Kanzlerin, die am Sonntag bei ihrer Kinder-Pressekonferenz in der kurzen Zeit schon 27 Fragen beantwortet hat. „Die mächtigste Frau der Welt sagt, legt euren Nachbarn die Hände auf die Schultern – dann machen wir das auch“, souffliert die Moderatorin.

Aber da hat die Kanzlerin im sogenannten begehbarem Programm der CDU schon wieder das Heft in der Hand. Denn sie weiß, dass das Kinder-Eltern-Ereignis eine Woche vor der Wahl eine willkommene Gelegenheit ist, sich als Kanzlerin noch einmal von einer sanften Seite zu präsentieren. Und Merkel, die früher einmal sagte, dass sie bei einer Kindheit im Westen sicher Lehrerin geworden wäre, genießt den Schlagabtausch mit den Kindern sichtlich. Im Rekordtempo prasselt es am Ende viel mehr Fragen in einer Stunde als in der Bundespressekonferenz in 90 Minuten – auch weil die Frage der Kinder meist viel kürzer als die der Journalisten sind.

Die meisten Kinder – angesichts von zwölf Amtsjahren der Kanzlerin eine „Generation Merkel“ - interessieren dabei ganz persönliche Dinge: Von der Lieblingsfarbe (blau), Alter (63), Hobby (Kartoffeln pflanzen) bis zum Lieblingskleidungsstück (Strickjacke, aber nicht im Dienst) ist alles dabei. Merkel gerät in einen Plauderton, auch wenn es manchmal klingt, als ob ihre Antworten sich eher an die Eltern in der zweiten Reihe richten. „Zum Beispiel meinen Mann kennenlernen“, sagte sie etwa auf die Frage nach ihrem schönsten Erlebnis im Leben. Und das seufzende „Oohh“ kommt klar aus den Elternreihen.

Aber keineswegs alle Fragen sind politisch einfach. Das fängt schon bei der harmlos klingenden Frage nach ihrem Lieblingsfussball-Verein an. „Da muss ich vorsichtig sein. Ich bin ja Bundeskanzlerin für alle“, sagte Merkel. Vor allem ist sie als CDU-Vorsitzende im Wahlkampf – da kann die gezeigte Sympathie für den einen Verein schnell Ablehnung bei Fans der anderen hervorrufen. Am Ende kommt die unverfängliche Antwort „Nationalmannschaft“ heraus. Allerdings bekennt sie, Fan von gleich zwei (Ex-)Bayern-Spielern zu sein (Philipp Lahm, Manuel Neuer).

Auch die Frage nach dem Unterschied zu Horst Seehofer kontert Merkel mit einem Ausweichmanöver („mindestens 30 Zentimeter größer als ich“), bevor sie dann doch direkt nach der Obergrenze für Flüchtlinge gefragt wird. Aber die jungen Frager wollen auch etwas über ihr Verhältnis zu Donald Trump oder Wladimir Putin erfahren. Auch da weiß Merkel, dass eine zu flapsige Bemerkung schnell weitreichende Folgen haben könnte. Also hält sie sich zurück und navigiert bei den Antworten im Rahmen des Bekannten. Nur einmal rutscht ihr eine entlarvende Formulierung über die Lipppen: „In Amerika ist es ja zum Teil ganz schrecklich mit dem Rassismus.“

Am Ende hat sie 57 Fragen absolviert, vom Tier- und Klimaschutz, Energiewende, bis zur Frage, ob es eigentlich genug Geld gibt. Auch die AfD bekommt bei einer Frage nach Rassismus ihr Fett weg, als Merkel von den Gauland-Angriffen auf ihre Integrations-Staatsministerin erzählt. „Da müssen alle aufstehen und ich als Bundeskanzlerin ganz besonders.“ Da gibt es ebenso Applaus wie bei ihrer Bemerkung, dass die CDU nie mit der Linkspartei oder der AfD koalieren werde.

Dann erinnert sich Merkel wieder an den Wahlkampf-Aspekt der Veranstaltung. Also dirigiert sie alle Kinder auf die Treppe zum Gruppenfoto. „Selfie mit jedem Einzelnen geht nicht“, erklärt sie. Also verspricht sie kurzerhand 200 Abzüge des Gruppenfotos. Sie weiß, das wird auch die Eltern freuen. Locker ist die Veranstaltung auf jeden Fall: Als sich ein Mädchen meldet, deren Opa mit Merkel zur Schule ging, fragt sie interessiert zurück: „Wollte der nicht Polizist werden?“ Worauf die Kleine die trockene Antwort gibt: „Jetzt ist er Jäger.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was ist falsch an Populismus ? Wer wahlen gewinnen wil muss populär sein , sonst wird das nix. Dass die Kanzlerin das weiß und danach handelt , können ihr nur Dummköpfe vorhalten !

  • wenn das mal nicht POPULISMUS PUR ist...

  • Hat die Werbeagentur der CDU keine Selfies mit Personen mit Migrationshintergrund hinbekommen? Oder sind diese Aufnahmen nicht mehr en vogue das es keine Kuschelmigranten mehr gibt? Die Kanzlerin mit Kindern, nee passt auch nicht. Dann lieber mit Ihrem "Busenfreund" Erdogan.

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