Kommentar zum AfD-Ergebnis
Aufstand in der Wahlkabine

Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg schafft es mit der AfD eine rechte Partei in das Bundesparlament. Viele haben sie vor allem aus Protest gewählt – der Fremdenfeindlichkeit zum Trotz.
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BerlinDas war mehr als ein Denkzettel für die Volksparteien. Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg schafft mit der AfD eine rechte Partei den Sprung in das Bundesparlament. Fast jeder sechste Bundesbürger wählte dabei nicht in erster Linie die AfD, sondern er lehnte sich gegen die Vernebelungsstrategie einer behäbigen und ermüdeten Regierung auf. Union und SPD ist es in der Euro- und Flüchtlingskrise nie gelungen, die Gefühlslage vieler Menschen wahrzunehmen, geschweige denn zu verstehen. Die AfD saugte wie ein Staubsauger die Stimmen von der Union und vor allem der SPD ab.

Das A in der AfD steht seit Sonntagabend nicht mehr für Alternative, sondern für den Aufstand in der Wahlkabine. Früher ließen die Unzufriedenen ihren Frust am Stammtisch ab. Heute geben sie ihrem Unmut eine Stimme im Bundestag.

Alle die in den nächsten Tagen wieder und wieder erzählen, Deutschland gehe es so gut wie noch nie in der gesamten Gesichte des Landes, liegen richtig und falsch zu gleich. Bundespräsident Roman Herzog hat uns den Satz hinterlassen: „Lass uns vom Menschen reden. Denn was Lebendiges ist wertvoller als alle Schätze dieser Welt.“ Was die statistischen Zahlen an Wachstum, Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen hergeben, kann die Überforderung vieler Bürger durch die unterschiedlichen Krisenherde in der Welt, die Debatten über die Grenzen der Zuwanderung oder die Angst vor dem Jobverlust durch die Digitalisierung nicht aufwiegen.

Die Gaulands und Weidels sind nicht wegen ihrer antisemitischen Äußerungen und fremdenfeindlichen Hetze gewählt worden, sondern trotz dieser schrecklichen Haltung. Wie viele Bürger mussten sich innerlich überwinden, einer Partei ihrer Stimme zu geben, die die dunkle Geschichte der beiden Weltkriege mit einem Federstrich umschreiben will? Trotz ihrer Abscheu dagegen haben sie es getan.

Die stille Revolution vieler Bürger kommt aus der Überzeugung heraus, dass ihnen im Bundestag eine Megakoalition nicht nur aus Union und SPD, sondern in vielen Fällen auch gemeinsam mit Grünen und Linken gegenübersteht. Als letzter Ausweg galt vielen, die Ränder zu stärken, wohlwissend welche Folgen das in den nächsten vier Jahren im Bundestag haben wird, wenn viele AfD-Abgeordneten am Rednerpult ihren kruden Gedanken freien Lauf lassen.

Die etablierten Parteien sollten es bei ihrer Empörung über das AfD-Ergebnis am Wahlabend nicht belassen. In den nächsten Jahren muss die neue Regierung die drängenden Fragen der verunsicherten Bürger beantworten. Die Hetzer wird sie nie zufriedenstellen. Bei denen muss die Botschaft unzweideutig lauten: Bis hierher und nicht weiter.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

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  • Nun Herr Sigmund, woher kennen Sie den die Motivationslage der Wähler? Im Gegensatz zu Ihnen unterstelle ich dem mündigen Wähler durchaus, dass er eine Partei wegen der angebotenen Inhalte und der sie vertretenden Personen wählt. Und so sollte man das Ergebnis auch interpretieren. Wer rechts will, wählt rechts und wer links will, wählt links. Die Anhänger der AfD ebenso wie die Anhänger der Linken machen ihr Kreuz ganz bewusst bei den jeweiligen Extremparteien, weil sie eine andere Republik wollen. Schon immer hat man gesagt, der rechte Rand hat ungefähr ein Wählerpotential von 15 % in Deutschland. Ähnliches gilt übrigens auch für die sich derzeit handzahm gebenden Linksextremen.

  • Vor Jahren selbst sagte Frau Merkel das Multikulti gescheitert ist und verfolgte mit der CDU einen anderen Kurs in der Flüchtlingspolitik. Ich denke, das die Politiker mit samt ihren Alt-Parteien CDU, SPD, Linke und Grüne nach links gerückt sind. Wer jetzt noch in der Mitte geblieben ist, ist damit rechts geworden. Es gibt farbige und ehemalige Aslyanten in der AFD, die deswegen in der AFD sind, weil sie erstens patriotische Züge haben. Desweiteren gibt es Themen die in Deutschland tot geschwiegen werden. Man darf sie nicht erwähnen. Wenn man mal die Geschichte zurückblickt was mit dem Libanon und Iran passiert ist, sieht man wo die reise in Deutschland hingehen kann. Der Hauptgrund vieler die AFD ist die Flüchtlings- bzw. Migrationspolitik. Es gibt aber auch viele andere Gründe. Es geht um die Politiks Europa, unser Verhältnis zu Russland - die immer mehr zunehmende Privatisierung, wie z. B. der Wasserversorgung. Meiner persönlichen Meinung nach sind in den Alt Parteien nur noch Lobbyisten, die für Banken und Großkonzerne arbeiten. Es gibt also viele Gründe die AFD zu wählen.

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