Mutti, Martin und die Mutlosen Langeweile beim „TV Duell“ ist Schuld der Sender

Das „TV Duell“, der so genannte „Höhepunkt“ des medialen Wahlkampfes, ist vorüber und alle sind sich einig: Das war nix! Merkel war zu merkelhaft, Schulz konnte seine Chancen nicht nutzen – alles zu vorhersehbar.
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TV-Duelle passen eher zu politischen Systemen, bei denen der Wahlkampf auf zwei Spitzenkandidaten zugeschnitten ist. Quelle: dpa
TV-Duell Angela Merkel und Martin Schulz

TV-Duelle passen eher zu politischen Systemen, bei denen der Wahlkampf auf zwei Spitzenkandidaten zugeschnitten ist.

(Foto: dpa)

Natürlich war das „TV Duell“ zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz von Anfang an ein total verkorkstes Format. So wie im vergangenen Wahlkampf und in dem davor. Die Kanzlerin mag die direkte Konfrontation mit dem politischen Gegner nicht, das war ihr in der Sendung mehrfach deutlich anzusehen. Darum reduziert sie diese für sie unangenehme Erfahrung auf ein Minimum. Weil sie es kann. Sie hat die beteiligten Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 praktisch erpresst: Entweder so langweilig und starr wie in den Vorjahren oder ohne mich.

Die Sender knickten ein und sie und die Zuschauer bekamen, was erwartet werden durfte: 97 hektische Minuten ohne Erkenntnisgewinn. Die interessanten Mini-Momente musste man mit der Lupe suchen. Unter dem Brennglas konnten wir dann zum Beispiel sehen, welchen Einfluss die neu eingestellten Medienberater (Ex-Schröder-Sprecher und Ex-Bild-Mann Béla Anda sowie der – Achtung Ironie – „erfolgsverwöhnte“ Markus Peichl) auf Martin Schulz hatten. Schulz redete nun nicht mehr davon, dass er bald Kanzler sein wird, sondern er bemühte den Konjunktiv und betonte mehrfach, dieses und jenes würde er tun, wenn ihm denn die Bürger das Mandat geben würden.

„Der personalisierte Konjunktiv“
Münchener Merkur
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„Nach wirklich spannenden Unterschieden in den Politikangeboten von Kanzlerin und Kandidat mussten die Zuschauer des TV-Duells mit der Lupe suchen. Ob ein gefühltes Patt für den Herausforderer aber reicht, um auf den letzten Metern noch so etwas wie Wechselstimmung herbeizuzaubern? Große Zweifel sind erlaubt.“

Sueddeutsche.de
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„Schulz ist eigentlich der viel bessere Redner. Aber das Eigentlich zählt nicht an so einem Abend; Schulz konnte es nicht zeigen, er kam zu selten in Fahrt, er konnte sich nicht entfalten, er konnte kaum Punkte sammeln, kaum Treffer landen. Merkel gelang das besser, auch deswegen, weil sie von den Moderatoren viel weniger unterbrochen wurde als Schulz. Die Frager behandelten Merkel wie eine Majestät und Schulz wie ihren Domestiken; und Schulz gelang es zu selten, das abzustellen. Er präsentierte sich zu oft im Konjunktiv, ja er war der personalisierte Konjunktiv.“

faz.net
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„Im Berliner Adlershof, das wird schnell klar, treffen sich kurz vor der Wahl zwei langjährige europäische (Außen-)Politiker, die sich und ihre Positionen aus unzähligen Verhandlungsrunden in- und auswendig kennen – und die den anderen sehr schätzen. Und das Duell, in weiten Teilen ist es eher ein öffentlicher Koalitionsgipfel unter Regierungspartnern als ein heftiger Schlagabtausch zweier Vertreter mit einer unterschiedlichen politischen Agenda.“

Badische Zeitung
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„Klare Kante, klare Aussagen – damit punktete Schulz mehrmals gegen eine wie immer abwägende Merkel. Besonders spürbar war das in der Frage des Umgangs mit der Türkei. Allerdings wirkte Schulz später ein wenig so, als feiere er innerlich bereits seine stramme Performance. Merkel blieb Merkel und machte gerade dadurch das Beste daraus: Sie dozierte, erklärte und vergaß nie den Hinweis, dass die SPD in der Koalition fast immer dabei war.“

rp-online.de
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„Eines muss man nach dem TV-Duell sagen: Deutschland hat zwei überzeugte und vernunftgesteuerte Demokraten, die sich für das Amt des Regierungschefs bewerben. Das ist angesichts der Populisten und Autokraten, die anderswo regieren, nicht das allerschlechteste.“

ntv.de
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„Im Rückblick wird man vermutlich sagen: Das TV-Duell war der Moment, als Martin Schulz die Bundestagswahl endgültig verloren hat. Der SPD-Kanzlerkandidat hätte beim Aufeinandertreffen mit Angela Merkel deutlich besser sein müssen als die Bundeskanzlerin. Das war er nicht. Im Gegenteil.“

Heilbronner Stimme
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„Schulz sollte attackieren und die Kanzlerin in die Ecke drängen. Doch der Kandidat verzettelte sich und rutschte einige Mal auf dem glatten Duell-Parkett aus.“

Die zur Schau getragene Siegesgewissheit des alten Schulz wirkte in der Tat latent lächerlich angesichts der schlechten Umfragewerte. Der neue Konjunktiv-Schulz kam dafür ein bisschen jammerig rüber. Ob das wirklich besser ist? Prompt attestierte ihm der Ex-CSU-Verteidigungsminister und Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg bei der Nachbesprechung bei „Anne Will“, fehlenden Siegeswillen. Schulz, der arme Tropf. Man kann es dem Medien-Apparat einfach nicht recht machen.

Ob die arg aufgesetzte Schlussansprache von Schulz, in der er sinnierte, was alles in 60 Sekunden passieren kann (Donald Trump kann schlimme Tweets abschicken etc.) auch eine Idee seines Berater-Stabes war? Das klang womöglich auf dem Papier ganz gut, in der Hektik der Sendung wirkte dieses auswendig gelernte, gedrechselte Statement aber seltsam deplatziert. Schulz ist eben kein Obama. Nun, die Herren Anda und Peichl werden ihr Berater-Honorar gewiss nicht an den Erfolg von Schulz bei der Wahl geknüpft haben. Peichl hat Erfahrung mit Flops. Er hat als Medienberater schon die gescheiterte Kanzler-Kandidatur des Frank-Walter Steinmeier und den Niedergang der TV Sendung „Gottschalk live“ begleitet.

Ansonsten wirkte Schulz teilweise fahrig, seine Angriffslust angestrengt. Sehr oft bedankte er sich für Fragen und war für Publikum und Kanzlerin in praktisch allem ganz und gar erwartbar. „Jetzt kommt bestimmt gleich die Musterfeststellungsklage“, ächzte Merkel, als es um die Rechte deutscher Autofahrer beim Diesel-Skandal ging und prompt bog Schulz damit um die Ecke. „Sie haben recht, jetzt kommt die Musterfeststellungsklage …“ Sein Witzchen, die Kanzlerin habe ihn wohl abgehört, lief ins Leere. Man konnte den SPD-Kandidaten lesen wie ein offenes Buch. Auch, dass er die olle Kamelle von der Pkw-Maut auspackte und die Kanzlerin mit ihrer Zusage aus dem vorigen Duell, mit ihr werde es keine Maut geben (es gab sie dann doch), zu piesacken versuchte, kam für Merkel und Beobachter nicht überraschend.

Und die Kanzlerin? Interessanter als ihre ebenfalls erwartbaren Aussagen war das Mienenspiel der Merkel. Wenn Schulz mal wieder eine seiner Schein-Attacken ritt, guckte sie irgendwo zwischen genervt und angewidert. Manchmal zwang sie sich auch dazu, eine Art Lächeln aufzusetzen. Mit jeder Faser spürte man, wie sehr ihr diese Veranstaltung gegen den Strich geht. Mehrfach rief sie Schulz zur Ordnung, er möge ihr doch bitte keine Äußerungen einzelner CDU-Flügel vorhalten, es zähle allein der Parteibeschluss. Und Schulz? Er nickte und fügte sich. Die Chefin hatte ihn gerüffelt.

Moderatoren sind nur Stichwortgeber
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6 Kommentare zu "Mutti, Martin und die Mutlosen: Langeweile beim „TV Duell“ ist Schuld der Sender"

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  • Martin Schulz , der Rechenkünstler ;
    „300 Euro, für jedes Kind, zwei Eltern, mal 150 sind 600...“ oder so , ist ja auch egal -oder ?
    „Bei 3500 Euro, verheiratet, werden wir deutlich entlasten, indem der Spitzensteuersatz deutlich später erhoben wird und der Steuersatz absinkt... ich würde mal sagen, Nettoeinkommen, wenn die Kita-Gebühren um die 150 bis 180 Euro liegen, die fallen weg, und der Steuersatz, den wir erheben, angewendet wird, und die Parität bei der Krankenversicherung, also jetzt nicht mehr den Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer alleine zahlen, zahlen müssen, im Monat inklusive der Kita zwischen 200 und 250 Euro weniger Belastung.“ Das war so verquast, dass wirklich niemand mehr folgen konnte.
    Doch Schulz rechnet gnadenlos weiter: „Kommt übrigens noch eins dazu: Der Kinderbonus. Bei uns wird jede Familie, die Kinder hat, für jedes Elternteil 150 Euro, das heißt, bei zwei Kindern sind es 300 Euro, für jedes Kind, zwei Eltern, mal 150 sind 600 Euro pro Jahr von der tatsächlichen Steuerlast abgezogen. Und dann komme ich auf die Summe: Zwischen 200 und 250 Euro.“ Wouhh „Boh“ Uff „ ...aber Hallo , host mieh ??

  • Wenn man nur das DDR TV als Vergleichs TV hätte, könnte man mit dem angeblichen Duell der beiden potentiellen Kanzler zufrieden sein. In der DDR hätte ein Politiker Duell zwischen SED und Ost-CDU ähnlich ausgesehen - alle einer Meinung... Ist Deutschlands wirtschaftlicher Zustand das Ergebnis einer verfälschten unechten Demokratie hierzulande? Bei dem "Duell" gestern hätten die Moderatoren die Kandidaten eher anschreien müssen und mit virtuellen Eiern bewerfen müssen - oder gibt es eine Alternative um diese Politiker aus ihrer lethargischen Routine aufzuwecken? Klar, dass die EU mit dieser Art deutscher Politik zerbricht.

  • In Würselen gibt es nicht viel Prahlenswertes . Evtl. noch das Schwimmbad , zum Abtauchen ?

  • Schulz hat wieder mit wertvollen Lebensweisheiten aus seiner Nachbarschaft in Würstelen geprahlt, um die Wähler einzufangen. Mehr ist nicht zu kommentieren.

  • Das war ganz normale Hofberichterstattung! Da waren die zwei Regierungsparteien auf dem Podium, wieso man das Duell nennt? Keine Ahnung! für ein Duell braucht man Regierung und Opposition!

    Sonst kann man ja auch eine Diskussionsrunde zwischen Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge darum wer deutscher Meister wird, als Duell bezeichnen. (ok, das wäre schon etwas spannender...)

    Aber wieso... macht das Qualitätspresse mit?

  • Martin Schulz;
    Wo waren die von manchen erwarteten , rethorischen Fähigkeiten ? Überwiegend gab es Verhaspelungen in Nebensätzen die sich durch unglückliche Phonetik (Pumuckel) verstärkten .

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