So reagiert das Ausland „Merkel ist zur Mutter der AfD geworden“

Deutschland diskutiert über eine mögliche Jamaika-Koalition. Aber auch das Ausland blickt nach Berlin – mit Sorge. Grund ist der Erfolg der AfD. Unsere Korrespondenten berichten über die internationalen Reaktionen.
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„Das politische Leben der Kanzlerin wird komplizierter“
Neue Zürcher Zeitung
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Die NZZ versteht das Wahlergebnis als Denkzettel für die schwarz-rote Regierung: „Das starke Abschneiden der kleineren Parteien FDP und AfD erlaubt es der Wahlsiegerin Merkel nicht, einfach weiterzumachen wie bisher. Die beiden neuen Parteien im Bundestag können die Kanzlerin von rechts unter Druck setzen und die Politik der nächsten Bundesregierung beeinflussen – als Regierungspartner oder von der Oppositionsbank aus.“

Quelle: dpa

De Standaard
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Die Brüssler Zeitung zeigt sich besorgt angesichts der widererstarkten FDP: „Über Europa wird nicht nur die von Haus aus anti-europäische AfD einen dunklen Schatten werfen. Merkel muss eine Koalition schmieden mit der auferstandenen liberalen Partei, die von Europa ihre eigene strikte Lehrmeinung hat.“

Le Monde
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Die linksliberale französische Tageszeitung schreibt: „Wiedergewählt für eine vierte Amtszeit zieht die Kanzlerin mit Konrad Adenauer und Helmut Kohl gleich. Aber (...) das enttäuschende Ergebnis der deutschen Konservativen könnte schlimmer sein als das historische Tief von Frau Merkel in 2009.“

El País
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Spaniens größte Tageszeitung meint: „Der Einzug der AfD mit fast einhundert Abgeordneten und als dritte politische Kraft des Landes in den Bundestag bestätigt die traurigen Zeiten, die die repräsentativen Demokratien in Europa und auch außerhalb des Kontinents durchmachen (...) Fast 14 Prozent der deutschen Wähler haben es vorgezogen, die gute Entwicklung der Wirtschaft zu ignorieren und gegen die Präsenz von 1,3 Millionen Flüchtlinge zu stimmen.“

The Guardian
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Der Guardian kommentiert: „Der Aufstieg der AfD ist ohne Zweifel besorgniserregend. Und es ist ein Zeichen wachsender politischer Fragmentierung. Es bringt in Deutschlands föderale Politik ein Element von Gift und Polarisierung, das jedem, der einer liberalen Demokratie anhängt, nur zu denken geben muss.“

The Washington Post
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In der größten Zeitung der US-amerikanischen Hauptstadt heißt es: „Gauland und andere AfD-Kandidaten machten während der gesamten Kampagne Schlagzeilen, die weithin als empörend wahrgenommen wurden. Doch einige ihrer Wähler äußerten am Sonntag die Hoffnung, dass dieses Profil ihrer Partei Merkel dazu zwingen wird, ihre Politik der jüngeren Vergangenheit zu ändern.“

The New York Times
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Die NYT erkennt schwierige Umstände für die CDU: „Trotz ihres Sieges können Frau Merkel und die Konservativen nicht alleine regieren, was es wahrscheinlich macht, dass das politische Leben der Kanzlerin komplizierter wird. Die Form und die Inhalte einer neuen Regierungskoalition werden Wochen mühsamer Verhandlungen beanspruchen.“

Zum ersten Mal seit 1945 hat eine rechtspopulistische Partei den Einzug in den Bundestag geschafft. Darüber diskutiert nicht nur ganz Deutschland, sondern auch die Welt. Wie kommt das Ergebnis der Bundestagswahl im Ausland an? Unsere Korrespondenten berichten.

Spanien

Der Verkäufer am Kiosk in Madrid fasst die Lage schnell zusammen: „Die Rechtsextremen im Bundestag und die SPD am Boden“, sagt er und schüttelt den Kopf. Auch die spanischen Sozialdemokraten haben bei den letzten Wahlen eine schwere Schlappe erlitten, sich anschließenden in internen Kämpfen fast selbst zerlegt und suchen gerade wieder nach einem Kompass.

Die großen spanischen Zeitungen widmen der Wahl in Deutschland zahlreiche Sonderseiten. El País macht seinen Titel damit auf, was angesichts der dramatischen Krise in Katalonien eine besondere Bedeutung gewinnt. Die Schlagzeilen der Blätter bestimmen die neue Kanzlerschaft von Merkel sowie das überraschend starke Ergebnis der Rechtsradikalen.

„Es ist die Nachricht, die seit Wochen befürchtet wurde: Eine Partei der extremen Rechen zieht zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg in den Bundestag ein. Und das als drittstärkste Partei“, schreibt El País. Der Erfolg der AfD sei im Vergleich mit dem Aufstieg von Rechtsextremen in anderen europäischen Ländern erstaunlich, weil er Deutschland nicht in einer Krise, sondern mitten in einer Phase ausgeprägten wirtschaftlichen Wohlstands treffe.

„Im Fall der AfD ist der Erfolg vor allem aus der Ablehnung einer Gesellschaft geboren, die weniger gleichförmig geworden ist. Ihre Wähler bringen wiederholt zum Ausdruck, dass sie nicht wollen, dass Deutschland aufhört, das zu sein, was es ist, mit seiner Tradition und seiner Kultur“, schreibt die Zeitung mit Blick auf die große Zahl der Flüchtlinge, die Deutschland aufgenommen hat. Nun müssten die deutschen Demokraten sicherstellen, dass die fremden- und europafeindliche Alternative, die die AfD darstellt, weder die Politik noch die Werte des Landes verändere.

El Mundo warnt, dass sich durch die schwierige Regierungsbildung in Deutschland nun nötige Reformen in Europa verzögern könnten. „Es ist wahrscheinlich, dass es bis zum Jahresende keine Regierung gibt“, schreibt der Brüssel-Korrespondent der Zeitung.

„In dem Fall müsste jede grundlegende Reform der EU warten und der große Plan, den Macron am morgigen Dienstag in der Sorbonne vorstellt, droht tot geboren zu werden.“ Auch die Wirtschaftszeitung Expansión weist darauf hin, dass Merkel nun helfen müsse, europäische Projekte zu vollenden wie einen europäischen Einlagensicherungsfonds oder ein gemeinsames europäisches Budget.

Der spanische Premier Mariano Rajoy gratulierte Merkel „zum großen Triumph“. Er gehe davon aus, dass dass Berlin weiterhin zu einem „starken, vereinten, wettbewerbsfähigen, solidarischen und blühenden Europa“ beitragen werde.

Sandra Louven

Großbritannien: Der schwarze Sonntag
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14 Kommentare zu "So reagiert das Ausland: „Merkel ist zur Mutter der AfD geworden“"

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  • Fr. Merkel ist sicherlich der Hauptgrund der Abspaltung eines Teils der CDU als AfD. Gleiches gilt für die Wähler.

  • Herr Günther Heck

    In Duisburg-Ober-Marxloh hat die AfD satte 30 % !!!! eingefahren. Da scheint es relativ viel Integrierte zu geben, denen es mit Merkel reicht.

  • Wir ersticken ja auch in einigen grossen Städten vor Linkem und Grünen und Sozimuff.

    Siehe auch Berlin. Die Vorzeigestadt der Bundsrepublik. Wer will Rot-Rot-Grün in 4 Jahren stoppen?

  • Man sieht bei diesem Thema, dass die bis gestern tätigen Politiker schon zu einfachen Massnahmen bei Sicherheit und Ordnung, Einwanderung etc. in den letzten Jahren nicht willig und fähig waren.

    Linkes und Grünes Gelaber dazu war gestern. Jetzt steht Bewegung auf der Agenda. Ansonsten gibt's noch mehr AfD. So trivial ist das.

    Wir haben es in vielen Regionen bitte nötig.

  • Die AfD ist ein Gewinn für die Demokratie!!

  • Abschiebung von Straftätern. Keine Doppelpässe, Rückführung nach Afrika, wer übers Meer kommt und modernes Einwanderungungsgesetz.

    Das wäre mal ein Anfang bei der Migration.

    Wer nicht agiert muss reagieren. Und das war noch niemals gut. Ist die er Politik überhaupt lernfähig?


    Ich glaube, dass die damit überfordert sind überhaupt so etwas umzusetzen.

    Die Obergrenzen sind und werden anscheinend nicht gezogen.

    Dann dürfte die AFD weiter stark profitieren. Sicherheit, Migratio, Flüchtlinge sind schon bei vielen ein Thema, während die Wirtschaft eh brummt und deshalb gegenwärtig kein Thema sein dürfte.

    Wir sollten uns kümmern, was nicht läuft und die anderen wichtigen Punkte nicht vernachlässigen. Sozailkacke ist es jedenfalls nicht, was ein Land voranbringt.

    Wer nicht arbeitet und nicht aus diesem Land ist, darf gerne wieder gehen. Das muss alles deutlicher im Land werden.

    Ghettos, No-Go Areas haben immer noch Grüne und Linke multikulturelle Hochkonjunktur.

    Das wollen so viele Bürger ganz offensichtlich nicht mehr.

    Schade, dass Deutschland immer noch 20 Prozent Linke und Grüne Oberlehrer verkraften muss.

  • Und die massive Flüchtlingsströme sind heute schon ein großes Sicherheitsriiko im Land.

    Ginge es den Grünen und Linken nach wäre Merkel ohne Obergrenzen dort die richtige Marionette.

  • Herr Wolfram Börder 25.09.2017, 13:30 Uhr

    <<Kein im Ausland vernünftig denkender Mensch wird Sorge wegen der AFD empfinden, denn das, was die AFD fordert und will, wird sie mit 13% glücklicherweise nicht durchsetzen können.>>


    Das sagen genau die, die Deutschland zerstören wollen. Gründlich und endgültig. Und von denen gibt es sowohl bei uns wie auch im Ausland einige.

  • Merkelnimmt die Integration und die legale Migration in den Mund. Plötzlich und unerwartet.

    16,9% AFD in Gelsenkirchen spricht Bände.

    Die Zustände sind dort u.v.a. Gebieten und Städten für die Menschen untragbar. Das hätte man schon vor vielen, vielen Jahren sehen können und müssen. Leider ist das nie der Fall gewesen.

    Stattdessen gab es Selfis von Duisburg-Marxloh mit der Kanzlerin.

    Das reicht nicht. Deswegen kommt es wie es kommen musste.

    Dumm gelaufen.

  • Kein im Ausland vernünftig denkender Mensch wird Sorge wegen der AFD empfinden, denn das, was die AFD fordert und will, wird sie mit 13% glücklicherweise nicht durchsetzen können.

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