So reagiert das Ausland
„Merkel ist zur Mutter der AfD geworden“

Deutschland diskutiert über eine mögliche Jamaika-Koalition. Aber auch das Ausland blickt nach Berlin – mit Sorge. Grund ist der Erfolg der AfD. Unsere Korrespondenten berichten über die internationalen Reaktionen.
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Zum ersten Mal seit 1945 hat eine rechtspopulistische Partei den Einzug in den Bundestag geschafft. Darüber diskutiert nicht nur ganz Deutschland, sondern auch die Welt. Wie kommt das Ergebnis der Bundestagswahl im Ausland an? Unsere Korrespondenten berichten.

Spanien

Der Verkäufer am Kiosk in Madrid fasst die Lage schnell zusammen: „Die Rechtsextremen im Bundestag und die SPD am Boden“, sagt er und schüttelt den Kopf. Auch die spanischen Sozialdemokraten haben bei den letzten Wahlen eine schwere Schlappe erlitten, sich anschließenden in internen Kämpfen fast selbst zerlegt und suchen gerade wieder nach einem Kompass.

Die großen spanischen Zeitungen widmen der Wahl in Deutschland zahlreiche Sonderseiten. El País macht seinen Titel damit auf, was angesichts der dramatischen Krise in Katalonien eine besondere Bedeutung gewinnt. Die Schlagzeilen der Blätter bestimmen die neue Kanzlerschaft von Merkel sowie das überraschend starke Ergebnis der Rechtsradikalen.

„Es ist die Nachricht, die seit Wochen befürchtet wurde: Eine Partei der extremen Rechen zieht zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg in den Bundestag ein. Und das als drittstärkste Partei“, schreibt El País. Der Erfolg der AfD sei im Vergleich mit dem Aufstieg von Rechtsextremen in anderen europäischen Ländern erstaunlich, weil er Deutschland nicht in einer Krise, sondern mitten in einer Phase ausgeprägten wirtschaftlichen Wohlstands treffe.

„Im Fall der AfD ist der Erfolg vor allem aus der Ablehnung einer Gesellschaft geboren, die weniger gleichförmig geworden ist. Ihre Wähler bringen wiederholt zum Ausdruck, dass sie nicht wollen, dass Deutschland aufhört, das zu sein, was es ist, mit seiner Tradition und seiner Kultur“, schreibt die Zeitung mit Blick auf die große Zahl der Flüchtlinge, die Deutschland aufgenommen hat. Nun müssten die deutschen Demokraten sicherstellen, dass die fremden- und europafeindliche Alternative, die die AfD darstellt, weder die Politik noch die Werte des Landes verändere.

El Mundo warnt, dass sich durch die schwierige Regierungsbildung in Deutschland nun nötige Reformen in Europa verzögern könnten. „Es ist wahrscheinlich, dass es bis zum Jahresende keine Regierung gibt“, schreibt der Brüssel-Korrespondent der Zeitung.

„In dem Fall müsste jede grundlegende Reform der EU warten und der große Plan, den Macron am morgigen Dienstag in der Sorbonne vorstellt, droht tot geboren zu werden.“ Auch die Wirtschaftszeitung Expansión weist darauf hin, dass Merkel nun helfen müsse, europäische Projekte zu vollenden wie einen europäischen Einlagensicherungsfonds oder ein gemeinsames europäisches Budget.

Der spanische Premier Mariano Rajoy gratulierte Merkel „zum großen Triumph“. Er gehe davon aus, dass dass Berlin weiterhin zu einem „starken, vereinten, wettbewerbsfähigen, solidarischen und blühenden Europa“ beitragen werde.

Sandra Louven

Kommentare zu " So reagiert das Ausland: „Merkel ist zur Mutter der AfD geworden“"

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  • Fr. Merkel ist sicherlich der Hauptgrund der Abspaltung eines Teils der CDU als AfD. Gleiches gilt für die Wähler.

  • Herr Günther Heck

    In Duisburg-Ober-Marxloh hat die AfD satte 30 % !!!! eingefahren. Da scheint es relativ viel Integrierte zu geben, denen es mit Merkel reicht.

  • Wir ersticken ja auch in einigen grossen Städten vor Linkem und Grünen und Sozimuff.

    Siehe auch Berlin. Die Vorzeigestadt der Bundsrepublik. Wer will Rot-Rot-Grün in 4 Jahren stoppen?

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