SPD-Postengeschacher Kampf ums Überleben

Hinter den Kulissen rumort es in der SPD. In der Bundestagsfraktion wächst der Unmut über Parteichef Martin Schulz. Und um die letzten verbliebenen Posten hat ein Hauen und Stechen begonnen.
Update: 26.09.2017 - 19:23 Uhr 22 Kommentare
In der SPD herrscht Unstimmigkeit darüber, ob Nahles neue Fraktionsvorsitzende werden und Schulz Parteichef bleiben soll. Quelle: Reuters
Andrea Nahles und Martin Schulz

In der SPD herrscht Unstimmigkeit darüber, ob Nahles neue Fraktionsvorsitzende werden und Schulz Parteichef bleiben soll.

(Foto: Reuters)

BerlinNeuanfang, Oppositionslust? Wenn sich in wenigen Stunden die bisherigen und die künftigen SPD-Abgeordneten im Otto-Wels-Saal im Berliner Reichstagsgebäude zu einer gemeinsamen Sitzung einfinden, dürfte die Stimmung alles andere als aufgeräumt sein. 40 Mandate weniger als in der vergangenen Legislaturperiode, allein 29 Fraktionsmitglieder, die den erneuten Einzug ins Parlament verpasst haben. Dazu ein Postengeschacher, das den scheidenden SPD-Abgeordneten wie Hohn erscheinen muss. Der Schock nach dem Desaster bei der Bundestagswahl, bei der die Sozialdemokraten nur 20,5 Prozent erreichten, sitzt tief.

Von Geschlossenheit kann keine Rede sein. Mahnend meldete sich am Dienstag SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach zu Wort. „Andrea Nahles und Martin Schulz sind bestes Team für die anstehende Erneuerung in Fraktion und Partei“, twitterte er. „Brauchen Streit um Inhalte, nicht um Posten.“

Im ersten Moment hatte es so ausgesehen, als ob die SPD in ihrer schwersten Stunde ein geschlossenes Bild abgeben würde. Schnell war nach dem Wahldebakel am Sonntag die Strategie festgelegt, in die Opposition zu gehen. Auch die ersten Personalien waren frühzeitig geklärt. Andreas Nahles wird Fraktionschefin und Oppositionsführerin, Schulz bleibt Parteichef. Doch hinter den Kulissen der SPD-Fraktion rumort es gewaltig. Denn Schulz sehe sowohl bei der Festlegung der Strategie als auch bei den Personalentscheidungen nicht gerade glücklich aus, heißt es dort.

So gibt es Zweifel, ob Schulz wirklich so gern in die Opposition gehen will. In der Sitzung der engeren Parteiführung am Sonntag soll Schulz noch gesagt haben, die SPD dürfe eine erneute Große Koalition nicht grundsätzlich ausschließen. Der Parteichef habe erst davon überzeugt werden müssen, dass der Gang in die Opposition alternativlos sei, heißt es in der Partei. Auch Montag schloss Schulz nicht kategorisch eine Große Koalition aus. Daraus dürfte man aber nichts schließen, sagen Schulz-Vertraute. Man müsse immer mit allen demokratischen Parteien reden können, heißt es in der Partei. Aber die SPD meine es mit dem Gang in die Opposition ernst.

Keine Lust mehr auf Merkel
Angela Merkel
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Die Enttäuschung ist ihr anzusehen: Angela Merkel wird Bundeskanzlerin bleiben, CDU/CSU haben jedoch viel Stimmen verloren.

Im Adenauer-Haus
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Die Parteispitze applaudiert der Chefin. Als die CDU-Chefin um 18.49 Uhr auf die Bühne im Konrad-Adenauer-Haus tritt, wird sie mit „Angie, Angie“-Rufen empfangen.

Handy-Alarm
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Die Kanzlerin erklärt die Union trotz der Verluste zur Wahlsiegerin, weil das „strategische Ziel“ erreicht worden sei, weiter die Regierung anzuführen.

CDU-Spitze
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Dass die CDU-Chefin die gesamte Führungsspitze hinter sich versammelt, sollte ein wichtiges Zeichen sein: Auch beim schlechtesten Ergebnis der Union seit 1949 soll nicht der Eindruck einer Führungsdiskussion in der CDU entstehen.

Enttäuscht
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Noch schlechter müsste die Stimmung bei der SPD sein. Die Sozialdemokraten haben ein historisches Debakel zu verkraften.

Im Willy-Brandt-Haus
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Doch als der Vorsitzende um 18.30 Uhr zusammen mit der Führungsmannschaft im Atrium des Willy-Brandt-Hauses erscheint, gibt es kein Halten mehr. „Martin, Martin“, rufen Mitarbeiter, Jusos und Parteianhänger. Moment mal.

Viel Applaus
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Steht da vorne nicht jener Mann, in dessen Verantwortung die älteste Partei Deutschlands, die Partei von Bebel, Schumacher und Brandt, gerade krachend vor die Wand gefahren ist? Wer sich angesichts der katastrophalen Zahlen knapp über 20 Prozent fragt, kann die SPD mit Schulz überhaupt weitermachen, erlebt in diesem Moment quasi eine Abstimmung mit den Füßen. Die Genossen wollen ihren Martin behalten. Und er will es auch.

Doch es offenbaren sich Risse zwischen der Partei und ihrem Chef. Das war auch beim Gartenfest des rechten SPD-Parteiflügels spürbar, einen Tag nach der historischen Wahlpleite. Martin Schulz lässt sich am Montagabend bei seinem Auftritt beim „Seeheimer Kreis“ nicht beirren. Der SPD-Chef steht auf der Bühne im Garten der Parlamentarischen Gesellschaft und versucht, seine niedergeschlagenen Genossen aufzubauen. Seit der letzten Nacht seien 1500 Neumitglieder in die SPD eingetreten, sagt Schulz. Das zeige: Die SPD sei immer noch da. Doch was sind schon 1500 im Vergleich zu den Abermillionen, die die SPD am Sonntag nicht gewählt haben?

Endgültig Realitätsverweigerung liegt dann in der Luft, als Schulz eine Art Projekt 40 ankündigt. „Wenn wir es richtig anpacken, dann werden wir das Ergebnis von 20,5 Prozent beim nächsten Mal eben verdoppeln, die nächste Regierung wird sozialdemokratisch geführt sein“, ruft Schulz. Einige Genossen klatschen. Aber viele schütteln auch entgeistert den Kopf. 40 Prozent? Ernsthaft?

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22 Kommentare zu "SPD-Postengeschacher: Kampf ums Überleben"

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  • Gemeint hatte ich allerdings die Beschäftigung einer Putzhilfe aus dem arabischen Raum.

  • Stimmt, Diese Insekten kennen ja keine Selbstreinigung.

  • Gefährlich Herr Kabus, Fliegenkacke auf einer CD verhindert die Strafverfolgung,
    weil nicht lesbar.

  • Vielleicht bei Gauland zur Reinigung, damit der keine schweizerischen Steuergesetze verletzt?

  • Wo bleibt die Stubenfliege, die Partei ist in Gefahr ?

  • Herr Oppermann,

    gute Schlussfolgerung. Das war der 1. SCHRITT. Die Kanzlerin macht halt keine Fehler. Vielleicht sagen sie es ihr. Die macht so weiter mit Jamaika nur noch mehr im Alleingang. So wie halt immer. Und das verstehen immer mehr Bürger. Und in Europa und in der Welt tritt sie von dem kleinen Kackland Deutschland genauso auf.

    Wenn wir die Wirtschaft nicht hätten, wüsste man gar nicht wo Deutschland liegt umd unsere Kanzlerin würde keiner kennen.



  • Es ist keine Frage, dass Schulz weg muss, um der SPD überhaupt ein Überleben zu sichern.

  • Herr Kurt Siegel26.09.2017, 16:21 Uhr
    Im Frühjahr 2018 wird es dann eine Neuauflage der GROKO geben, denn die sendungsgetriebenen grünen Gutmenschen

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    Die GRÜNEN hatten mit der SPD mit regiert und nichts dabei bewiesen von Können !

    Die haben das gleicher Pferd geritten wie die SPD aber den HAFER für das Pferd bezahlte die SPD und die GRÜNEN brachten dem Pferd nur MATSCHE bei !



  • HERR MARTIN SCHULZ DANKEN SIE ENDLICH AB !!!

    SIE SCHADEN DER SPD UND DEUTSCHLAND !!!

    IN BRÜSSEL HABEN SIE NICHTS POSITIVES FÜR EUROPA ERREICHT !!!

    ZEIGEN SIE CHARAKTER UND GEBEN SIE DEN KARLSPREIS ENDLICH ZURÜCK !!!

    ===>>> Entschuldigung Handelsblatt aber anderst erreicht man diesen Herr Martin Schulz nicht weil Ihm die negative E-Mails fern gehalten werden und man Ihm nur Positives vorlegt in seiner Partei !



  • Im Frühjahr 2018 wird es dann eine Neuauflage der GROKO geben, denn die sendungsgetriebenen grünen Gutmenschen werden nie mit FDP und CSU eine Vereinbarung treffen, dazu sind diese Gutmenschen viel zu weltfremd.

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