Studie zu Wahlkampf-Themen
Ein Viertel der Deutschen will mehr soziale Gerechtigkeit

Setzen die SPD und ihr Spitzenkandidat Schulz mit dem Versprechen von „mehr sozialer Gerechtigkeit“ auf das richtige Wahlkampf-Thema? Eine aktuelle Studie ist dieser Frage nachgegangen – und weckt nun erste Zweifel.
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Berlin Soziale Gerechtigkeit ist einer Studie zufolge für ein Viertel der Deutschen das wichtigste Thema bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) finden, dass es hierzulande an sozialer Gerechtigkeit mangelt, wie aus einer Umfrage des Instituts YouGov hervorgeht. Die höchste Relevanz schreiben bei der anstehenden Wahlentscheidung 45 Prozent der Linken- und 29 Prozent der SPD-Wähler der sozialen Gerechtigkeit zu.

Darüber hinaus fänden vor allem Nicht-Wähler das Thema am wichtigsten (33 Prozent), so die Untersuchung weiter. Diese Gruppe kennzeichne, dass sie sich wirtschaftlich benachteiligt fühle und es ihr schlechter gehe als den meisten Menschen in Deutschland. Insgesamt stünden bei der Wahlentscheidung Alters- und Gesundheitsversorgung sowie der Schutz vor Verbrechen und Terror aber noch vor dem Thema sozialer Gerechtigkeit, ergab die Studie weiter.

Knapp 80 Prozent der Befragten meinen demzufolge also, dass es in Deutschland an sozialer Gerechtigkeit mangelt, und 40 Prozent finden sogar, dass Deutschland „ein sehr großes Problem in diesem Bereich hat“. Gleichzeitig stimmten 60 Prozent der Aussage zu, es gehe in Deutschland insgesamt eher gerecht. Dies sähen vor allem Wähler von CDU/CSU, Grünen, FDP und mit Einschränkungen der SPD so. Wähler der Linken und der AfD sowie vor allem Nicht-Wähler schätzen die Lage mehrheitlich schlechter ein.

Gerechtigkeitsprobleme sähen die Befragten vor allem bei Themen wie Renten, Einkommensunterschieden sowie der Verteilung von Vermögen allgemein. Gefordert werde zudem eine gleich gute Schulbildungsmöglichkeiten für alle Kinder und Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung für jeden Bürger.

Was die Deutschen als gerecht empfinden, ist allerdings vielschichtig und nicht auf einen einfachen Begriff zu reduzieren, wie auch diese Untersuchung zeigte. Für 92 Prozent der Befragten bedeutet soziale Gerechtigkeit, gleiche Startbedingungen und -chancen zu haben. 88 Prozent verstehen darunter, dass insbesondere den Schwächsten geholfen wird. Ebenfalls 88 Prozent der Befragten finden es gerecht, wenn Menschen, die mehr leisten, auch mehr verdienen.

Die Befragten halten beim Thema soziale Gerechtigkeit ihre jeweils ohnehin favorisierte Partei am kompetentesten. Bei SPD-Wählern sind es 93 Prozent, bei Unions-Wählern 83 Prozent. Nicht-Wähler empfänden dagegen kaum eine Partei als sozial kompetent. Die Politik von SPD und CDU/CSU bewerteten in dieser Gruppe nur jeweils 14 Prozent als sozial gerecht. Es sei also fraglich, ob die SPD mit dem Thema soziale Gerechtigkeit „anderen Parteien Wähler abnehmen oder Nicht-Wähler mobilisieren kann. Insgesamt muss es alle Parteien alarmieren, dass sie Nicht-Wähler bei diesem Thema kaum erreichen“, so Holger Geißler von YouGov Deutschland.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das stimmt. Das Leben ist ein ständiger Kampf.

  • Gibt es überhaupt Gerchtigkeit? Das Leben ist nicht gerecht, es ist ständiger Kampf!

    Von Gerechtigkeit faselnde Parteien haben zumeist durch ihre eigene Mißachtung von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in der Gesellschaft die Ursachen für die spürbaren Ungerechtigkeiten gesetzt. Das trifft auch auf die Parteien mit Freiheit, Religion, Demokratie sowie sozial im Namen zu, ermöglicht durch unser demokratieschwaches Wahlsystem. Spitzenkandidaten sind schon vor dem Wahltag so gut wie im Parlament. ziemlich unabhäng davon, was ihre Wahlkreise am Wahltag von ihnen halten wird.
    Freiheit meint ausschließlich: keine Privilegien, keine Diskriminierungen.

  • Rainer von Horn - 22.08.2017, 13:58 Uhr

    zu Richard Parncutt: Ist das der Professor für Systematische Musikwissenschaft, der die Todesstrafe für den Papst gefordert hat, weil der gegen Verhütungsmittel predigt und damit verantwortlich für den qualvollen Tod vieler Kinder sei?

    Mit Verlaub H. von Horn; Sie suchen sich ja die Aussagen ziemlich skurriler Typen aus, um sich eine Meinung über physikalische Vorgänge in der Atmosphäre zu bilden.

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