Zukunft der SPD
Tod oder Gladiolen

Für die SPD ist am Sonntag vom Vizekanzler bis zur Rekord-Wahlschlappe alles drin. Große Koalition oder Kompletterneuerung? Das Handelsblatt stellt drei Szenarien für die Zukunft der SPD vor.
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BerlinMartin Schulz tut auf den letzten Wahlkampfmetern das, was er die ganze Zeit getan hat. Trotz mauer Umfragen kämpft der SPD-Kanzlerkandidat aufrichtig bis zur letzten Sekunde. Am Freitag trat Schulz vor Tausenden Zuschauern auf dem Gendarmenmarkt in Berlin auf, an diesem Samstag beendet er seinen Wahlkampf mit einer letzten Rede in Aachen.

Auch wenn die Marktplätze bei den Auftritten proppenvoll sind – Kanzler wird Schulz nicht mehr werden. Dafür liegt der SPD-Chef in den Umfragen zu weit zurück. Ansonsten ist für Schulz am Sonntag aber alles möglich: Wenige Prozentpunkte entscheiden darüber, ob er und seine Partei mit der Union die große Koalition fortsetzen können oder ob Schulz zurücktreten und die SPD unter neuer Führung den Gang in die Opposition antreten muss. Das Handelsblatt stellt die drei Szenarien vor, die parteiintern für die Zeit nach der Wahl durchgespielt werden.

Szenario 1: Ordentliches Abschneiden: 25,7 Prozent plus X

Die Richtschnur für die Zukunft der Partei ist das Abschneiden bei den vergangenen beiden Wahlen. 2013 erreichte die SPD 25,7 Prozent der Stimmen. Sollte Schulz dieses Ergebnis wieder erreichen oder überbieten, wäre seine Stellung in der Partei gefestigt. Tritt die SPD den Gang in die Opposition an, könnte Schulz neben dem Parteivorsitz – so er will – auch Anspruch auf den Fraktionsvorsitz erheben und sich als Oppositionsführer für eine Kandidatur 2021 in Stellung bringen.

Ebenso fiele der SPD bei einem solchen Ergebnis eine mögliche Fortsetzung der großen Koalition leichter. An der Parteibasis ist die Lust auf eine Wiederauflage des Bündnisses mit der CDU/CSU überschaubar. Sie müsste einer erneuten Groko auf einem Parteitag aber ihren Segen erteilen. Würde die SPD ordentlich abschneiden, könnte die Parteiführung gegenüber den eigenen Genossen halbwegs plausibel argumentieren: Seht her, der Abstand zur Union ist trotz Groko geschrumpft. Es ist besser mitzuregieren, als die Führung des Landes anderen zu überlassen.

Bei einem positiven Votum der Basis könnte sich Schulz mit dem Partei- und Fraktionsvorsitz begnügen, um nicht in die Kabinettsdisziplin eingebunden zu sein. Allerdings könnte ihm es auch als Schwäche ausgelegt werden, nicht in ein Kabinett mit SPD-Beteiligung einzutreten. In der SPD wird deshalb damit gerechnet, dass Schulz es ins Außenministerium drängt – schon alleine wegen seiner Europa-Erfahrung.

Weichen müsste dafür der jetzige Außenminister Sigmar Gabriel. Ob der nach Sonntag unabhängig vom Wahlausgang überhaupt noch eine politische Zukunft hat, gilt als offen. Viele in der SPD sind von Gabriels wiederholten Alleingängen im Wahlkampf extrem genervt. Ebenso habe Gabriel dreimal andere Kanzlerkandidaten vorgeschickt, das jeweils unglücklich kommuniziert und den laufenden Wahlkampf schlecht vorbereitet. Es gibt aber auch Stimmen in der SPD, die sagen, man könne auf ein politisches Talent wie Gabriel nicht verzichten.

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